Kellmünz Bahn bei Kellmünz entgleist: Mann aus Zug geschleudert

Kellmünz / WERNER GALLBRONNER, STEFFEN WOLFF und dpa 17.07.2013
Zugunglück auf der Strecke Ulm-Memmingen: Am Mittwochmorgen ist dort eine Regionalbahn mit einem Auto kollidiert. Der Triebwagen sprang aus den Gleisen und kippte um, ein Fahrgast wurde aus dem Zug geschleudert.
Der auf dem Gleisbett liegende Triebwagen der Regionalbahn, die am Mittwochmorgen in Kellmünz ein Auto auf dem Bahnübergang gerammt hatte, soll noch am Mittwochabend mit einem Kran wieder auf die Gleise gesetzt und anschließend mit einem Bergezug der Deutschen Bahn abgeschleppt werden.

Aufwendiger gestaltet sich die Bergung des Teils der Regionalbahn, der entgleist und in einem Vorgarten zum Liegen kam. Der ursprünglich angedachte Einsatz des Spezialkrans ist aus technischen Gründen nicht möglich. Im Laufe des Abends wird das Eintreffen zweier Schwerlastkräne an der Unfallstelle erwartet. Nach dem Aufbau der Kräne, die 400 bis 500 Tonnen Gewicht anheben können, wird voraussichtlich am Donnerstag mit der Bergung des verunglückten Zugteils begonnen. Die Verladung auf einen Tieflader soll dann bis mittags abgeschlossen sein.

Das eigentliche Unglück ereignete sich am frühen Mittwochmorgen. Um kurz nach 7 Uhr ging der Alarm bei den Rettungskräften ein: In Kellmünz waren am Morgen die Regionalbahn 75757 und ein Auto kollidiert. Der Zug war von Ulm aus in Richtung Memmingen mit schätzungsweise Tempo 100 unterwegs, als er an einem unbeschrankten Bahnübergang am Steinweg auf das Fahrzeug krachte. Trotz Notbremsung schob der Zug den Pkw noch rund 100 Meter vor sich her, dann sprang der Triebwagen aus den Gleisen, drehte sich um 180 Grad, kippte zur Seite und blieb in einem Vorgarten zwischen Holzschuppen und Garagen mitten im Wohngebiet liegen. Glücklicherweise waren die Anwohner zu diesem Zeitpunkt nicht im Garten.

Durch den Zusammenstoß wurde das Auto komplett zerstört, die 46-jährige Fahrerin überlebte den Unfall schwer verletzt. Im Zug selbst befanden sich etwa 50 Fahrgäste. Ein 21-jähriger Fahrgast wurde durch die Wucht aus dem Waggon geschleudert und ebenfalls schwer verletzt. Ebenso ein 52-Jähriger im Inneren des Zuges. Zehn weitere Personen wurden leicht verletzt - darunter auch der 42-Jähriger Zugfahrer. Die unverletzten Fahrgäste wurden zum örtlichen Feuerwehrhaus gebracht und dort betreut. Feuerwehr, Polizei, Retter und THW waren mit rund 140 Kräften in der 1300-Einwohner-Gemeinde Kellmünz vor Ort.
 

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Keine Schranken am Bahnübergang

Wie genau es zu dem Unfall kommen konnte, steht derzeit noch nicht fest. An dem Bahnübergang am Ortseingang gibt es keine Schranken, lediglich eine Ampel. Vermutlich hatte die 46-jährige Autofahrerin das Rotlicht und den heranfahrenden Zug übersehen und war auf die Gleise gefahren. Auf dem Streckenabschnitt dürfen Züge mit 140 Kilometern pro Stunde fahren. Da die Regionalbahn am Bahnhof Kellmünz halten wollte, war der Zug an der Unglücksstelle schätzungsweise "nur noch" mit Tempo 100 unterwegs, wie ein Bahnsprecher sagte.

Die bei dem Unfall freigesetzten Kräfte waren so groß, dass die Gleise der einspurigen Strecke verbogen wurden. Eine Achse des Triebwagens wurde herausgerissen und neben das Gleisbett geschleudert. Ursprünglich sollte am Dienstag ein Schwerlastkran der Bahn den umgekippten Zug aufrichten. Dabei war unklar, ob das Spezialfahrzeug aufgrund der zerstörten Gleise überhaupt zum Einsatz kommen kann. Wie nun jedoch bekannt geworden ist, liegt der Zug zu weit von den Gleisen entfernt, weshalb zwei Automobilkräne zur Bergung angefordert worden sind. Der bei dem Unfall entstandene Sachschaden wird mittlerweile auf etwa 3,5 Millionen Euro geschätzt. Anfangs war noch von einem Sachschschaden in Höhe von 2,5 Millionen Euro die Rede.

Die Staatsanwaltschaft hat einen Gutachter mit der Klärung der Unfallursache bauftragt. Zur Auswertung der Bahntechnik wurde zudem der Ermittlungsdienst der Bundespolizei eingeschaltet. Entgegen erster Angaben, wonach die Bahnstrecke Ulm-Memmingen auf nicht absehbare Zeit komplett gesperrt sei, bezieht sich die Sperrung auf die Strecke Illertissen-Memmingen. Die Bahn angekündigt, für diesen Abschnitt einen Schienenersatzverkehr einzurichten. Reisende zwischen Ulm und Memmingen müssen in jedem Fall mit Verzögerungen rechnen. 

Für die Angehörigen von verletzten Personen wurde ein Bürgertelefon eingerichtet, das unter der Telefonnummer 0831-9909-1111 erreichbar ist. 

Eine Übersicht über Zugunfälle an Bahnübergängen finden Sie hier.
 
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