Das Glas splittert, die heiße Luft entweicht und der gerade befreite Hund versucht mit letzter Kraft irgendwie das Auto zu verlassen. Man sieht sie jedes Jahr wieder: Die teils dramatischen Aufnahmen von dehydrierten und fast kollabierten Hunden, die in letzter Sekunde durch das beherzte Eingreifen von Passanten oder der Polizei noch gerettet werden konnten.

Egal ob Sonne oder Schatten – die Temperaturen steigen innerhalb weniger Minuten

Schnell noch eine Besorgung erledigen und so lange den vierbeinigen Freund im Auto zurücklassen, scheint keine große Sache. Doch vielen ist nicht bewusst, dass sich das Autoinnere bereits innerhalb weniger Minuten – auch im Schattenstark aufheizt. So ist es beispielsweise bereits nach zehn Minuten schon durchschnittlich sieben Grad wärmer als zuvor. Auch ein spaltbreit geöffnetes Fenster bietet wenig Abhilfe.

Zuerst Besitzer suchen und die Polizei rufen, ehe man selbst aktiv wird

Wer jetzt allerdings einfach die Scheibe einschlägt, um einem fremden Hund zu helfen, macht sich wegen Sachbeschädigung strafbar und muss den Schaden bezahlen, erklärt Michaela Rassat, Juristin der Ergo-Rechtschutz-Versicherung. „Die Beschädigung fremden Eigentums ist nur dann gerechtfertigt, wenn es keine andere Möglichkeit gibt und der Hund in akuter Lebensgefahr ist,“ so Rassat.
Wer einen offenbar unter Hitze leidenden Hund in einem Auto sieht, sollte also zunächst versuchen, den Besitzer zu finden. Dabei können zum Beispiel Durchsagen in umliegenden Geschäften helfen. Ist er unauffindbar, gilt es, die Polizei zu verständigen. Einen eigenen Befreiungsversuch nur starten, wenn der Halter nicht auffindbar ist, die Polizei auf sich warten lässt und das Tier zum Beispiel Anzeichen eines Hitzschlages wie apathisches Herumliegen, glasige Augen oder Gleichgewichtsstörungen zeigt.

Wenn ich mich zu einer Befreiung entschließe, was gibt es zu beachten?

Dass ein Hund bei Hitze hechelt, ist normal und kein Zeichen für eine Notsituation. Wer sich jedoch zu einer Rettung entschließt, sollte die Ausgangslage und die Aktion an sich umfassend dokumentieren, rät die Rechtsexpertin. Dafür zum Beispiel Passanten bitten, die Situation mit dem Handy zu fotografieren oder zu filmen, um später Beweismaterial zu haben.
Außerdem sollte der Retter den Grad der Sachbeschädigung möglichst klein halten: Deshalb zunächst prüfen, ob Fenster oder Türen leicht zu öffnen sind.
Dies sollte vorsichtig geschehen, um nicht sich selbst oder den Hund durch Glassplitter zu verletzen. Nach der Befreiung dem Vierbeiner umgehend etwas zu trinken geben und den Körper wenn möglich zur Kühlung mit Wasser befeuchten.