Eine Welle von Anrufen von Telefonbetrügern, die sich als Polizeibeamte ausgegeben haben, hat am Montag erneut den gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen erfasst. In den Landkreisen Reutlingen, Esslingen und Tübingen gingen nach derzeitigem Stand rund 50 betrügerische Anrufe ein, über 15 davon alleine bei Bürgerinnen und Bürgern in Neuhausen auf den Fildern. Nach den bisherigen polizeilichen Erkenntnissen blieben alle Straftaten im Versuchsstadium stecken. Auch aktuell kommt es zu weiteren Anrufen von Betrügern.

Skrupellos und außerordentlich gefährlich

Wie skrupellos und außerordentlich gefährlich die Kriminellen aber sind, zeigt ein Fall aus Neuhausen, bei dem die Polizei in der Nacht zum Dienstag mit einem größeren Einsatz rechtzeitig verhindern konnte, dass ein Seniorenehepaar einer Betrügerbande Geld und Wertsachen aushändigt: Die Täter hatten sich als Beamte des Polizeipostens Neuhausen ausgegeben und behauptet, dass ein Einbruch bevorstehe und das Vermögen der Eheleute zuhause nicht mehr sicher sei. Als der Ehefrau Zweifel kamen, rief sie richtigerweise über Notruf selbst die Polizei. Weil die Betrüger aber zeitgleich an einem anderen Telefon mit dem Ehemann sprachen, bekamen sie mit, dass ihr Vorhaben zu scheitern drohte. Sie verängstigten ihre Opfer dermaßen, dass die Frau auflegte und anstatt der Polizei doch wieder den Betrügern glaubte.

Auf ihr Vermögen abgesehen

Sämtliche Versuche, mit dem Ehepaar telefonisch und auch persönlich am Wohnsitz in Kontakt zu treten, scheiterten. Stattdessen gelang es den Kriminellen, ihre Opfer davon zu überzeugen, dass nicht die Polizei vor der Tür stehe, sondern besagte Einbrecher, die es auf ihr Vermögen abgesehen haben. Da weiterhin eine Kontaktaufnahme mit den Eheleuten scheiterte, eine Übergabe von Wertsachen an die Betrüger aber zu befürchten war, betrat die Polizei schließlich das Wohnhaus, wo das verängstigte Ehepaar körperlich unversehrt angetroffen werden konnte. Bei den weiteren Ermittlungen kam heraus, wie weit die Betrüger zu gehen bereit sind: In diesem Fall hatte die verbrecherische Bande den Ehemann für den Fall, dass er eine Schusswaffe besitze, sogar aufgefordert, auf die vor dem Haus stehenden Einsatzkräfte der Polizei, die von den Betrügern als Einbrecher bezeichnet wurden, zu schießen. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an. Die Eheleute werden entsprechend beraten.

Hinweise der Polizei

Die Polizei weist noch einmal darauf hin, dass sie niemals Personen zur Übergabe von Wertsachen auffordern und ebenfalls niemals Anweisungen erteilen würde, auf Menschen zu schießen. Legen Sie bei derartigen Anrufen sofort und vollständig auf und alarmieren Sie, wie es die Frau im vorliegenden Fall zunächst richtigerweise getan hat, selbstständig über 110 die Polizei. Wenn dies berücksichtigt wird, sprechen Sie auch tatsächlich mit der Polizei, egal was Ihnen die Betrüger weismachen wollen.