Das heftige Unwetter im Südwesten hat allein im Kreis Tübingen und der Stadt Reutlingen Schäden in Millionenhöhe verursacht. Am frühen Montagmorgen begannen die Rettungskräfte mit den Aufräumarbeiten, wie die Stadt Reutlingen auf ihrer Homepage mitteilte. Das Regierungspräsidium in Karlsruhe forderte für Reutlingen Unterstützung von der Feuerwehr Pforzheim an. Sie soll dort bis in den Abend helfen. Viele Gehwege seien noch immer mit Ästen und teils auch Dachziegeln übersät, sagte eine Sprecherin am Montag. Zudem würde die Feuerwehr Reutlingen durch Einsatzkräfte aus Lichtenstein, Stuttgart, aus dem Kreis Tübingen, aus Ulm, aus dem Zollern-Alb-Kreis sowie dem Regierungsbezirk Freiburg unterstützt.

Auf einer Pressekonferenz in Reutlingen wurde am Montagnachmittag bekannt, dass rund 75 Personen Schnitt- und Platzwunden im Landkreis Reutlingen erlitten. Bei den Feuerwehren im Landkreis seien mehr als 1850 Einsatzmeldungen registriert worden (Stand 16.30 Uhr am Montag).  Mehr als 800 Einsatzkräfte seien derzeit noch im gesamten Landkreis im Einsatz (Stand ebenfalls 16.30 Uhr). In der Stadt Reutlingen seien es alleine 314. Im Reutlinger Stadtbezirk wird nach Angaben der Stadt eine Notunterkunft eingerichtet. Sie sei ab 18 Uhr bertriebsbereit.

Zudem habe die Stadt Reutlingen am späten Nachmittag mitgeteilt, dass in vier Kindertagesstätten der Betrieb  "nicht oder beeinträchtigt ist". Die alternativ angebotenen Einrichtungen würden rasch an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, daher bittet die städtische Abteilung für Kindertagesbetreuung die betroffenen Eltern darum, ihre Kinder in dieser Woche zu Hause zu betreuen, falls sie die Möglichkeit dazu haben sollten. Welche Kindertagesstätten betroffen sind, lesen Sie hier.

Der Hagelsturm in der Region dauerte am Sonntag gerademal zehn Minuten. Die vom Deutschen Wetterdienst mit der Warnstufe violett angekündigte Sturmfront zog kurz vor 17 Uhr über die Region. Zuerst wurde es dunkel, dann krachten tennisballgroße Hagelkörner gegen die Scheiben, auf Haus- und Autodächer. In vielen Straßen hieß es binnen kürzester Zeit „Land unter“.

Nach zehn Minuten war zwar alles vorbei, doch dann begann erst die Arbeit. Bei Feuerwehr und Polizei gingen seit Sonntagabend pausenlos Notrufe ein. Einstazkräfte seien aus der Freizeit geholt worden, um der Lage Herr zu werden. Am Sonntag seien gegen Mitternacht die Einsätze aus Sicherheitsgründen eingestellt worden, wie die Stadt Reutlingen vermeldete. Zu diesem Zeitpunkt hätten noch 400 Einsatzmeldungen vorgelegen, die bis dahin nicht abgearbeitet werden konnten. Die Einsatzkräfte haben ihre Arbeit von 7 Uhr an wieder aufgenommen. Am Montag ging es vor allem darum Schäden an Dächern und Lichtkuppeln provisorisch abzudichten, um Folgeschäden zu vermeiden.

Wer sich selbst helfen konnte, inspizierte indessen sein Hab und Gut. Hunderte eingeschlagener Scheiben, Autos mit zerschlagenen Wind- oder Heckscheiben, dabei noch völlig verbeult, Schäden an Dächern und Solaranlagen waren die Bilanz. Auch Ampelanlagen oder Bushaltestellen waren betroffen.

An einem Schulgebäude in Tübingen wurden über 50 Dachluken zerstört. Hier musste die Stromversorgung unterbrochen werden, weil auch der Computerraum betroffen war, wie die Polizei in Tübingen
mitteilte. Auch Gebäude von Behörden seien durch den Hagel stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Betroffen war unter anderem das Regierungspräsidium mit durchschlagenen Dachluken. In einem Reutlinger Krankenhaus zerbarsten im heftigen Hagel mehr als 50 Fensterscheiben, wie die Stadt am Abend mitteilte.

Im Kreis Esslingen war die Feuerwehr wegen der schweren Unwetter pausenlos im Einsatz, wie die Polizei mitteilte. Vollgelaufene Keller, kaputte Dächer, eingeschlagene Dachfenster und Schäden an Autos waren die Bilanz nach Hagel- und Regenschauern.

Die Stadt Reutlingen hat auf ihrer Internetseite eine Liste von Handwerkern zusammengestellt. Zudem hat die Kreishandwerkerschaft eine zentrale Telefonnummer eingerichtet (07121/26 970), die entsprechende Firmen vermitteln kann.


Der Dokumentarfilmer und Fotograf Marco Kaschuba hat ein Video vom Hagelsturm in Reutlingen gedreht.
 
 
Hier geht es zum Youtube-Kanal von Marco Kaschuba.

Ein Blogger hat das Unwetter in einem Zeitraffer zusammengefasst. Das Video sehen Sie hier. Wie solcher Hagelsturm entstehen kann, können Sie in unserem Interview mit einem Meteorologen nachlesen.

Info

Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg können Sie nachlesen, welche Versicherung wann zum Tragen kommt. Mehr lesen hier.