Heidenheim Gewaltsamer Tod eines 48-Jährigen: Zwei Männer seit Montag in Haft

Die städtische Obdachlosenunterkunft an der Nördlinger Straße.
Die städtische Obdachlosenunterkunft an der Nördlinger Straße. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Michael Brendel 04.06.2018
Nach dem Tod eines 48-Jährigen am Sonntag in Heidenheim sind jetzt zwei Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Am Montagvormittag hüllten sich Staatsanwaltschaft und Polizei noch in Schweigen und verwiesen auf eine gemeinsame Presseverlautbarung vom Tattag. Darin hatte gestanden, aufgrund der andauernden Ermittlungen würden momentan keine weiteren Informationen bekannt gegeben.

An dieser Linie hielt Pressestaatsanwalt Armin Burger von der Ellwanger Staatsanwaltschaft denn auch fest: „Keine Wasserstandsmeldungen“, lautete sein knapper Kommentar.

Gleichwohl drängten sich angesichts der bis dahin an die Öffentlichkeit gelangten Details verschiedene Fragen auf: Wohnten die drei Festgenommenen im gleichen Haus wie der Getötete? Hat einer von ihnen den Notruf abgesetzt? Wie kam der 48-Jährige zu Tode? Wurde ein Tatwerkzeug sichergestellt? Geschah die Tat im Zimmer des Mannes, das sich in der städtischen Obdachlosenunterkunft an der Nördlinger Straße 56 befindet?

Ein Festgenommener frei

Etwas Licht ins Dunkel brachte dann eine am späteren Montagnachmittag veröffentlichte Pressemitteilung. Ihr zufolge hat sich der Verdacht gegen zwei der drei am Sonntag Festgenommenen mittlerweile erhärtet.

Sie wurden deshalb noch am Montag einem Richter am Heidenheimer Amtsgericht vorgeführt, der auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ellwangen gegen beide Haftbefehle wegen des Verdachts auf Totschlag erließ. Die Festnahme des dritten Beschuldigten wurde hingegen aufgehoben.

Die Nacht der Tat: Was war passiert

Was war in der Tatnacht passiert? Ein Mitbewohner hatte in der Nacht zum Sonntag kurz vor 2.30 Uhr telefonisch die Rettungsleitstelle darüber informiert, dass der 48-Jährige blutend in seinem Zimmer liege.

Versuche des Notarztes, ihn wiederzubeleben, blieben erfolglos. Am Körper des Toten fanden sich Spuren von Gewalteinwirkung. Eine rechtsmedizinische Untersuchung, die für den heutigen Dienstag geplant ist, soll nähere Erkenntnisse über die genaue Todesursache erbringen.

Bei den beiden Beschuldigten handelt es sich um zwei 28 und 32 Jahre alte Männer. Sie wurden am frühen Sonntag im Stadtgebiet festgenommen. Beide sollen Bekannte des 48-Jährigen gewesen sein. Den bisherigen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden zufolge sollen sich die beiden jetzt Inhaftierten in der Nacht zum Sonntag im Zimmer des Getöteten aufgehalten und dort Alkohol konsumiert haben. Das weitere Geschehen müssen nun die laufenden Ermittlungen klären.

Derzeit 29 Personen untergebracht

In der städtischen Obdachlosenunterkunft an der Nördlinger Straße, die sich aus zwei Gebäudeteilen zusammensetzt, sind derzeit 29 Personen untergebracht.

Darunter befinden sich auch Familien, aber keine Kinder. Die Unterbringung erfolgt durch die Stadtverwaltung. Um die soziale Betreuung kümmert sich, sofern von den Betroffenen erwünscht, unter anderem die Caritas. Weitere Unterkünfte der Stadt gibt es in der parallel verlaufenden, nur wenige Meter entfernten Härtsfeldstraße.

In einer ersten Stellungnahme kündigte die Heidenheimer Stadtverwaltung am Montag auf Anfrage an, die Betreuung vor Ort noch weiter intensivieren zu wollen. Gleiches gelte für die Zusammenarbeit mit der Caritas.

Bei der Unterbringung von Wohnungslosen sollen soziale Aspekte noch stärker berücksichtigt werden.

Wohnquartier gerät immer wieder in die Schlagzeilen

Das Haus Nr. 56 an der Nördlinger Straße war erst vor einem halben Jahr ins öffentliche Blickfeld geraten. Seinerzeit hielten dort sowie in einer städtischen Obdachlosenunterkunft an der unweit gelegenen Härtsfeldstraße sieben Brände nicht nur die Feuerwehr auf Trab. Mal war eine Hausfassade betroffen, mal war's ein Lüfter, eine Waschmaschine oder ein Wäscheständer.

Ein 25-Jähriger wurde schließlich als mutmaßlicher Verursacher ausgemacht, der selbst in dem betroffenen Gebäude an der Nördlinger Straße wohnte. Wegen Wiederholungsgefahr wurde er im Februar in Untersuchungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft teilte damals mit, dass der Mann eingeräumt habe, „die Brände“ gelegt zu haben. Ob damit die ganze Serie gemeint war, blieb allerdings offen.

Im Juni 2016 waren bei einem tätlichen Übergriff nach einem Streit um einen geringen Geldbetrag mehrere Bewohner der städtischen Notunterkunft an der Härtsfeldstraße krankenhausreif geschlagen worden. Das Amtsgericht verurteilte deshalb zwei Männer zu Haftstrafen.

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