Der Angeklagte schwieg, überließ es seinem Anwalt, zu Beginn des Prozesses am Donnerstag vor dem Amtsgericht Hechingen eine kurze Erklärung vorzulesen. Es ging um Beleidigung und versuchte Nötigung. Der 40-jährige Angeklagte soll sich, so die Staatsanwältin, einem Polizisten sehr unschön gegenüber geäußert haben. Was der Auslöser war? Der Angeklagte, übrigens durchaus in stabilen Verhältnissen lebend, soll absichtlich einen der Leitkegel einer Geschwindigkeitsmessanlage bei Bisingen überfahren haben. Dafür kassierte er einen Strafbefehl. Was ihn wohl so ärgerte, dass er zum Smartphone griff und bei der Polizei anrief. „Er sagte: ,Du Hund’. Und legte wieder auf.“ So die Aussage des Polizisten am Donnerstag im Zeugenstand. Kurz darauf sei der zweite Anruf gekommen: „Ich greif’ Sie mir. Ich greife mir Ihre Frau.“

Polizist erstattet Anzeige

Der Polizist war „konsterniert“. Er erstattete Anzeige. Worauf ein paar Tage später wieder das Telefon klingelte, wieder sei der Angeklagte dran gewesen. Ein richtiges Gespräch sei nicht zu Stande gekommen, erinnert sich der Polizist, aber dieses Mal sei er frontal geduzt worden. Der Polizist legte auf. Und wieder klingelte es. Dieses Mal nahm ein Kollege ab. Und richtete aus: Wenn die Anzeige nicht zurückgezogen werden, werde der Polizist „richtig Probleme bekommen“.

Der Angeklagte beziehungsweise dessen Anwalt räumte die Anrufe ein. Doch so sei das alles gar nicht gewesen. Der 40-Jährige habe mit dem Polizisten lediglich ein persönliches Gespräch führen wollen, so nach dem Motto, ,ich bringe den Kuchen, Sie den Kaffee’, die Abschiedsfloskel „du Hund“ sei einfach sein Umgangston. Mit dem Satz „dann bekommt er richtig Probleme“ habe er lediglich zum Ausdruck bringen wollen, dass er von seinem Recht, gegen die Strafanzeige vorzugehen, Gebrauch machen werden. Überhaupt: Der Angeklagte sei Schmerzpatient, dadurch öfter mal gereizt und aufbrausend. Für die Staatsanwältin lediglich „Schutzbehauptungen“.
Der 40-Jährige gab an, alles zu bedauern und entschuldigte sich bei dem Polizisten. Was der jedoch nicht annahm.

Der Angeklagte lächelt und schweigt

Ein anderer Polizist ging der Anzeige wegen Beleidigung und versuchter Nötigung damals nach. Es sei, erzählte er am Donnerstag im Zeugenstand,  nicht möglich gewesen, ein „vernünftiges Telefonat“ mit dem Beschuldigten zu führen. Also sei er hingefahren, um festzustellen: „Das war wie eine unheimliche Begegnung der dritten Art.“ Das Gespräch sei zwar im „normalen Rahmen“ geblieben, aber der 40-Jährige habe „indirekt angedeutet, dass er Polizisten für Knalltüten hält“. Wegen möglicher Nähe zur Reichsbürgerszene waren die Sicherheitsmaßnahmen am Donnerstag deutlich erhöht. Gleich drei Polizisten waren mit im Gerichtssaal.

40-Jähriger hat bereits einige Geldstrafen

Der Frage wurde allerdings nicht weiter nachgegangen. Der Blick ins Bundeszentralregister zeigte, dass es nicht die erste Verurteilung des Angeklagten war. Mal war es der unerlaubte Handel mit Betäubungsmitteln, mal Sachbeschädigung. Es gab jeweils Geldstrafen. Einen Mitarbeiter der Bußgeldstelle Balingen hatte er „Wichser“ genannt. Dafür gab es damals 20 Tagessätze.

Die Staatsanwältin sprach von „Nichtachtung und Missachtung“ der Polizei. Sie forderte wegen zweifacher Beleidigung und versuchter Nötigung eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt auf eine lange, nämlich dreijährige Bewährungszeit. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch, letztlich bliebe die Beschimpfung „Du Hund“ übrig, das sei doch höchstens eine Geldstrafe.
Der Richter schloss sich im Wesentlichen der Argumentation der Staatsanwältin an. Sein Urteil: drei Monate und zwei Wochen, ausgesetzt auf drei Jahre. 900 Euro müssen an die Polizeistiftung gezahlt werden. „Irgendwann ist man mit den Geldstrafen auch einmal zu Ende.“ Der Angeklagte schwieg – und lächelte. Ob er das Urteil akzeptiert, blieb zumindest am Donnerstag offen.

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