Hechingen Hohe Strafen für Einbrecherbande

Eine dreiköpfige Einbrecherbande wurde am Donnerstag am Landgericht Hechingen zu empfindlichen Freiheitsstrafen verurteilt.
Eine dreiköpfige Einbrecherbande wurde am Donnerstag am Landgericht Hechingen zu empfindlichen Freiheitsstrafen verurteilt. © Foto: Symbolfoto: dpa
Hechingen / Andrea Spatzal 14.09.2018
Der Mammutprozess um die Einbruchserie, die Ende 2017 die ganze Region in Atem hielt, ging am Donners­tag am Landgericht zu Ende.

Sie haben sich in wenigen Wochen zwischen Oktober und Dezember 2017 quer durch die Region „gearbeitet“, Häuser geknackt, Schmuck, Bargeld und andere Wertsachsen gestohlen und zu Geld gemacht. Das Muster war immer dasselbe: Nur ein kleines Loch im Fenster oder der Terrassentür genügte dem 36-jährigen Albaner und seinem ein Jahr älteren Landsmann, um einzusteigen. Verwüstungen wie bei anderen Wohnungseinbrüchen war ihre Handschrift nicht. Der Jüngste in der Bande, ein 22-jähriger Italiener, hielt währenddessen im Auto Wache. Unter anderem suchte das Trio  Wohnhäuser in Jungingen, Stetten bei Burladingen, Grosselfingen und Bodelshausen heim.

Am Donnerstag erhielt die Einbrecherbande mit dem Urteilsspruch die Quittung für ihren kriminellen Beutezug. Die Große Strafkammer des Landgerichts unter dem Vorsitzenden Richter Hannes Breucker verhängte empfindliche Freiheitsstrafen:

Der nicht vorbestrafte 36-Jährige wurde für zehn Fälle des schweren und sieben Fälle des versuchten schweren Bandendiebstahls, Wohnungseinbruch und versuchten Wohnungseinbruch zu fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Dasselbe Strafmaß wurde dem 22-Jährigen für insgesamt 15 Fälle des schweren und versuchten schweren Bandendiebstahls beigemessen. Dass er bei den Einbrüchen nur eine Art Gehilfe, ein „Trittbrettfahrrer“ gewesen sei, glaubte ihm die Kammer nicht. Er sei „Mittäter“ gewesen, stellte der Richter in der Urteilsbegründung fest. Er fungierte wie ein Lotse für die beiden frisch ins Land eingereisten Albaner, die hier weder Sprach- noch Ortskenntnisse, noch Kontakte hatten.

Das Gericht schickt den zweifachen Vater allerdings nicht ins Gefängnis, sondern ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an (nach § 64 StGB), um seine Kokainsucht zu therapieren. Das Gericht war davon überzeugt, dass der junge Italiener, obwohl bereits wegen Drogenverkaufs vorbestraft, ohne den Druck, seine kostspielige Suchterkrankung auf diese Weise finanzieren zu müssen, nicht straffällig geworden wäre. „Wir geben Ihnen eine Chance“, appellierte Richter Breucker, „wenn Sie die Therapie abbrechen, wäre das katastrophal.“

Der 37-jährige nicht vorbestrafte Albaner muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Den Strafnachlass gegenüber den Mitangeklagten verdankt er dem Geständnis, das er als erster der Drei abgelegt hat. „Mein Mandant war der Türöffner“, stellte sein Verteidiger fest.

Der Richter glaubte den beiden Albanern, dass sie nach Deutschland gekommen seien, um einer Arbeit nachzugehen. Das habe aber nicht geklappt, rekonstruierte er, und in der Folge hätten die beiden „einen furchtbaren Fehler“ gemacht: den ersten Wohnungseinbruch begangen, der mit einer Beute im Wert von 4000 Euro auch noch erfolgreich verlaufen sei.

Mit den Urteilen blieb die Kammer nur im Fall des 36-Jährigen,  und nur weil ihm eine der vorgeworfenen Taten nicht eindeutig nachzuweisen war, unter den Anträgen von Oberstaatsanwalt Markus Engel. Die Staatsanwaltschaft habe „gutes Augenmaß“  bewiesen, so er Richter. Die Kammer habe zugunsten der Angeklagten alle zweifelhaften Fälle eingestellt. Alle anderen Vorwürfe hätten sich im Verlauf der umfangreiche und aufwändigen Beweisaufnahme in den Augen der Kammer als „richtig erwiesen“.

Die Verteidiger hatten versucht, deutlich geringere Strafen für ihre Mandanten zu erwirken. Und obwohl der Prozess mit zehn Verhandlungstagen, 42 Zeugen, Sachverständigen und mehreren tausend Aktenseiten ein Mammutprozess war, übten die Verteidiger Kritik an dem Verfahren und der Beweisaufnahme. „Wir haben viel Material gesehen, aber eben nicht alles“, kritisierte zum Beispiel der Verteidiger des 22-Jährigen, dass die Polizei von den Aufzeichnungen einer Überwachungskamera, mit der kurz vor der Festnahme der Bande die von ihr angemietete Wohnung in der Hechinger Oberstadt observiert wurde, nur „selektive Sequenzen“ zur Verfügung gestellt hätte. „Das hat das Recht auf ein faires Verfahren beeinträchtigt“, so der Anwalt. Die Pflichtverteidigerin des 22-Jährigen sprach von „Druck“,  der in der Verhandlung, unter anderem von der Staatsanwaltschaft, aufgebaut worden sei, um die Angeklagten zu Geständnissen zu bewegen.

Der Anwalt des 36-Jährigen bezeichnete die Verhandlung als „reinen Indizienprozess“. Und er habe „erhebliche Zweifel an den Indizienbeweisen“ und sei der Ansicht, dass sein Mandant in mindestens drei Fällen gar nicht dabei war und in den anderen Fällen zur Mittäterschaft „verführt“ worden sei.

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