Im ersten Obergeschoss des Kornhauses in der Nähe des Ulmer Münsters ist nur jede vierte Sitz heruntergeklappt, damit die Zuschauer die Sicherheitsabstände einhalten. Den Anlass bildete am Montagnachmittag allerdings keine Kulturveranstaltung, sondern der Auftakt im Ursenwanger Mordprozess, den das Landgericht aufgrund der Corona-Pandemie dorthin verlegt hat. Nach rund einer Stunde war aber schon wieder Schluss: Die Anwälte der vier Angeklagten im Alter zwischen 16 und 24 Jahren beantragten, die Auswertung der Handy-Daten ihrer Mandanten abzuwarten und die Sitzordnung zu verändern, um neben ihnen anstatt hinter ihnen Platz nehmen zu können.

Entsetzen über die Ursenwang-Tat hält bis heute an

Die Tat sorgt aufgrund ihrer Brutalität noch heute für weit verbreitetes Entsetzen. Die vier jungen Männer – drei von ihnen sind noch Schüler, einer ist Fachkraft für Lagerwesen – sollen laut Anklage am Abend des 2. November 2019 auf einer Freifläche hinter dem Edeka-Markt in Göppingen-Ursenwang den bevorstehenden Geburtstag eines von ihnen zu feiern. Gegen 22 Uhr gingen demnach zwei der jungen Männer zur dortigen Filiale der Kreissparkasse, um 100 Euro abzuheben. Doch weil das Konto nicht gedeckt gewesen sei, spuckte der Automat nichts aus.

Mord wegen 10 Euro?

Kurz nach ihnen hob ihr späteres Opfer zehn Euro ab, erläuterte der Oberstaatsanwalt. Daraufhin hätten die zwei Angeklagten spontan den Entschluss gefällt, den 39-Jährigen auszurauben, im Dunkeln stehen zu bleiben und zu warten. Als dieser in seine Wohnung zurückging, hätten sie die beiden anderen telefonisch zur Verstärkung gerufen. Zu viert seien sie ihm hinterhergerannt, um ihn zu stellen und ihm Wertgegenstände sowie die Brieftasche wegzunehmen.
Doch dabei sollen es die vier nicht belassen haben. Fast eine halbe Stunde lang schlugen sie nach Angaben des Oberstaatsanwalts auf den Mann ein und benutzten dabei auch einen Axtstiel, mit dem sich das Opfer offenbar zu Beginn noch zu wehren versucht hatte. Zwei von ihnen sollen noch weiter auf ihn eingetreten haben, als er bereits wehrlos am Boden lag, und ihn mit einer Glasflasche auf den Kopf geschlagen haben.