Mehr als drei Monate nach dem gewaltsamen Tod von Uwe H. in Göppingen-Ursenwang gibt es nach NWZ-Informationen immer noch keinen konkreten Fahrplan für die Anklage und den Prozessbeginn. Zwei 16-Jährige, ein 19-Jähriger und ein 23-Jähriger werden laut Staatsanwaltschaft dringend der Tat verdächtigt und sitzen nach wie vor im Gefängnis. Eine Haftprüfung im Januar war erfolglos geblieben, da es zu wenige entlastende Argumente gab.

Auswertung von verdächtigen Handy-Chats

Dennoch konnte man aus Justizkreisen hören, dass möglicherweise nicht alle Beschuldigten im gleichen Umfang an der Tat beteiligt waren. „Es ist noch eine Vielzahl an Auswertungen von sichergestellten Beweismitteln durch das Labor beim LKA Baden-Württemberg ausstehend. Auch sind noch Erhebungen und Auswertungen zu Handydaten ausstehend“, so der letzte Stand von Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger Mitte Februar.

Dabei geht es unter anderem um GPS-Daten und Chat-Verläufe per Handy, die am Ende Aufschluss über die Motivlage geben könnten. Offenbar hatten sich die Verdächtigen nach der Tat ausgiebig zu dem Geschehen ausgetauscht, um Indizien zu verwischen. Anders als bei Telefonaten, von denen bei den Netzbetreibern meist nur Verbindungsdaten erfasst werden, bleiben Textnachrichten auf sichergestellten Handys jedoch erhalten oder können rekonstruiert werden. Genau diese Art von digitalen Spuren in Verbindung mit ebenfalls elektronisch registrierten Aufenthaltsorten rund um den Tatzeitpunkt am 2. November halten derzeit noch die Spezialisten beim Landeskriminalamt in Stuttgart auf Trab.

Beweismaterial aus der Fils und dem Schlater Bach

Zuvor waren bereits eine Vielzahl von Zeugen vernommen und von ganzen Polizei-Hundertschaften Unmengen an möglichen Beweismitteln gesichert worden, unter anderem aus der Fils und anderen Gewässern. Laut Pressesprecher Wolfgang Jürgens vom Polizeipräsidium Ulm ist der Staatsanwaltschaft inzwischen ein entsprechender Bericht übergeben worden, womit die gemeinsamen Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen seien, da jederzeit weitere Nachforschungsaufträge kommen könnten.

Freilassung nach 6 Monaten möglich

Klar ist unterdessen, dass eigentlich spätestens nach sechs Monaten eine Anklage und der Beginn der Hauptverhandlung erfolgt sein sollten, um dem so genannten „Beschleunigungsgrundsatz“ im Jugendstrafrecht gerecht zu werden. Andernfalls müsste das Oberlandesgericht von Amts wegen einen Haftprüfungstermin anberaumen, bei dem Beschuldigte im Zweifelsfall auf freien Fuß zu setzen wären. Der Stichtag hierfür wäre nach den Festnahmen im November Anfang oder Mitte Mai zu veranschlagen. Gibt es triftige Gründe für eine Verzögerung, können die Richter aber auch die Untersuchungshaft in Etappen von jeweils drei Monaten verlängern. Argumentiert werden könnte in diesem Fall zum Beispiel mit technisch komplizierten Beweiserhebungen. Andererseits ist darüber zu verhandeln, ob vielleicht jemand ohne ausreichende Indizien oder Beweise als Mittäter verdächtigt wird, nur weil er vielleicht zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Täter und Opfer kannten sich offenbar

In einer komplizierten Gemengelage deutet manches darauf hin, dass sich Opfer und Täter wohl nicht ganz unbekannt waren. Wie die Staatsanwaltschaft im Herbst auf Anfrage erklärte, hatte Uwe H. in der Vergangenheit bereits Anzeige gegen lautstarke Alkoholexzesse von Jugendlichen am Schlater Bach erstattet. Just die Stelle, an der der Mann am 2. November dann überfallen wurde, als er sich offenbar auf dem Weg zum Geldautomaten befand.

„Es hätte jeden treffen können“

Der 39-jährige Deutsche lebte gleich im ersten Wohnhaus hinter der Ursenwang-Schule und dem Edeka-Markt und war somit auch als Anlieger mutmaßlich von Lärm und Belästigungen betroffen. Dennoch bezweifelte Pressestaatsanwalt Michael Bischofberger einen direkten Zusammenhang mit der Tat oder gar ein „Rachekomplott“. „Es hätte jeden treffen können, der an diesem Abend auf dem dunklen Weg unterwegs war“, sind Angehörige von Uwe H. überzeugt.