Weil er gegenüber seiner knapp zehn Jahre jüngeren Nachbarin sexuell übergriffig wurde, musste sich gestern ein 30-jähriger Familienvater vor dem Amtsgericht Göppingen verantworten. Im Juli dieses Jahres belästigte der Angeklagte die 21-Jährige in deren Wohnung in Eislingen. Gegen ihren Willen kam der Techniker der Frau zu nahe, habe sie an Oberschenkel und Brust berührt und versucht, sie auf Bett und Sofa zu drücken. Erst mit einem Fußtritt in den Schritt des aufdringlichen Nachbarn konnte sie der bedrängenden Situation ein Ende setzen und daraufhin ihre eigene Wohnung verlassen.

Angeklagter räumt Schuld ein

Anfang Juli war die Altenpflegerin neu in das Wohnhaus gezogen, wo auch der Familienvater mit seiner Ehefrau und einem Kleinkind wohnt. Der 30-Jährige Angeklagte gab sich von Anfang an geständig und räumte ein: „Ich bin schuldig“ und „ich rede mich nicht raus“. Nach eigenen Angaben habe er kurz nach Mitternacht an der Wohnung der Altenpflegerin geklingelt, nachdem er zuvor mit Freunden ausgegangen war. Die junge Frau sei, wie sie gestern selbst sagte, neugierig gewesen, worum es ging, sie ließ den Mann herein.

Bislang hätten sich beide nur flüchtig gekannt, berichtete die als Zeugin geladene Frau. Sie kamen bei einem Glas Whisky-Cola auf dem Sofa sitzend ins Gespräch. Nachdem sie zunächst Smalltalk führten, habe der Angeklagte begonnen, sich der jungen Frau anzunähern, habe seine Hand auf ihr Bein gelegt und sie umarmt. „Es war für sie wahrscheinlich unangenehm“, gestand er sich im Nachhinein ein. Doch es habe für ihn zunächst nicht so gewirkt, als sei sie abgeneigt. Er war der Ansicht, es sei alles in Ordnung bei der jungen Frau, weshalb er sie anschließend „auf das Sofa legen wollte“.

Mehrmals abwehrend reagiert

Zwar habe sie ihr Nachbar nicht aggressiv angefasst, jedoch an beiden Armen gepackt und versucht, sie auf die Couch zu drücken und auszuziehen. „Das habe ich nicht mit mir machen lassen“, sagte die 21-Jährige bei ihrer Vernehmung. Mehrfach habe sie verbal und körperlich signalisiert, dass sie sich unwohl fühle und abwehrend reagiert: „Ich bin immer wieder ausgewichen“, schilderte die zierliche Frau. Doch „ich habe nicht die Kraft dazu gehabt, mich zu wehren“. Mit einem Fußtritt in die Genitalien des Angeklagten jedoch bereitete sie dem Übergriff ein Ende und verließ daraufhin ihre eigene Wohnung.

Nach wie vor sind sie Nachbarn

Zwei Tage später erstattete die Eislingerin Anzeige gegen ihren Nachbarn. Beide hätten sich mittlerweile ausgesprochen und mehrfach habe sich der junge Familienvater bei seinem Opfer entschuldigt, so dass sich das Verhältnis der beiden Parteien, die nach wie vor im gleichen Haus wohnen, weitgehend normalisiert habe, berichteten beide.

Richterin Seda Dogac hielt dem Angeklagten zugute, dass er seine Schuld eingeräumt habe und sich einsichtig zeige. Sie verurteilte ihn zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Zahlung von 2000 Euro an die Caritas Göppingen.

Wiederholt betonte der 30-Jährige am Ende der Verhandlung, dass er sich nach dem Befinden seiner jungen Nachbarin erkundigt habe. „Ich hoffe, dass es ihr psychisch und seelisch besser geht.“

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Eislingen/Göppingen