Ebersbach und Stuttgart: In gerade einmal 17 Tagen sind in der Region zwei Polizeieinsätze gegen seelisch Kranke blutig zu Ende gegangen. Ausnahmesituationen dieser Art konnten von den Ordnungshütern auch in den letzten Jahren nicht immer auf die sanfte Art bewältigt werden, so die Statistik.

Am 28. Dezember ist ein 32-Jähriger aus dem Zollernalbkreis in Stuttgart-Vahingen bei einer Unfallaufnahme erschossen worden, nachdem er laut Behördenangaben in falscher Richtung in einem Kreisverkehr gegen eine Littfaßsäule gefahren war und ein Schwert gezückt hatte. Auf dem Beifahrersitz saß seine 69-jährige Mutter. Der Mann galt als psychisch verwirrt.

Schießerei im beschaulichen Ebersbach

Fast ebenso schlecht erging es einer 38-Jährigen am Montagabend in Ebersbach an der Fils. Die Frau, die sich offenbar das Leben nehmen wollte, soll eine Polizeistreife vor verschlossener Tür stehen lassen haben und anschließend mit einem Messer auf die Einsatzkräfte losgegangen sein. Nach Polizeischüssen und einer Not-OP befindet sie sich laut Staatsanwaltschaft Ulm nicht mehr in Lebensgefahr.

Geht es auch mit dem elektrischen „Taser“?

Nun kommt Kritik an der Polizei auf – ebenso wie die Forderung nach dem Einsatz von milderen Mitteln wie Elektro-Schockern. Insgesamt sind Polizeischüsse mit fataler Wirkung in Baden-Württemberg jedoch relativ selten. Eine Häufung von drei Opfern gab es laut einer Fallsammlung von Prof. Dr. Clemens Lorei zuletzt 2017. Am 8. April wurde damals ein Einbrecher in Pleidelsheim tödlich verwundet. Am 4. Mai randalierte ein Patient in Mannheim vor der Psychiatrie in der Innenstadt und zückte ein Messer, was Beamte mit der Schusswaffe erwiderten. Am 29. Mai wurde schließlich ein 29-jähriger mit einer Machete bewaffneter Mann nach einem Streit in Filderstadt von Polizeikugeln getroffen. In den beiden letztgenannten Fällen war das zunächst verwendete Pfefferspray wirkungslos geblieben.

In Deutschland elf Tote im Jahr 2018

Deutschlandweit starben bei Polizeieinsätzen im Jahr 2018 elf Menschen. Für 2019 liegen noch keine Zahlen vor. Das Innenministerium Baden-Württemberg veröffentlicht keine eigene Statistik und konnte auf Anfrage lediglich den Fall vom 28. Dezember bestätigen. 2018 hatte es im Ländle keine tödlichen Polizeischüsse gegeben. Ansonsten werden die Daten zentral bei der Deutschen Hochschule der Polizei erfasst und im Sommer bekanntgegeben. Experten zufolge ist die Zahl der Polizeitoten in den USA auf die Einwohnerzahl bezogen übrigens etwa 20 mal höher als in Deutschland.