Vor dem Prozess um den Tod von Uwe H. in Göppingen-Ursenwang gibt es neue Informationen zum mutmaßlichen Hergang der Bluttat vom 2. November 2019.

Ab 29. Juni müssen sich vier Angeklagte vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm verantworten. Zwei von ihnen sind heute 16 Jahre alt, jeweils einer 19 und 24 Jahre. Am späten Abend des 2. November sollen sich die damals 16, 15, 19 und 23 Jahre alten Beschuldigten im Bereich des EDEKA-Marktes und der Filiale der Kreissparkasse in Göppingen-Ursenwang aufgehalten haben. Dort sollen sie einen 39-Jährigen beobachtet haben, der in der Kreissparkasse Geld abgehoben hatte. Die Angeklagten sollen hierauf beschlossen haben, dem 39-Jährigen die Brieftasche und sämtliche Wertsachen gewaltsam wegzunehmen.

Wäschenbeuren

An Blut und Erbrochenem erstickt

Der 39-jährige soll sich dann jedoch mit einem mitgeführten Axtstiel gewehrt habe, woraufhin er massiv mit Fäusten und Tritten auf Kopf und Rumpf malträtiert wurde. Der 16-jährige und der 19-jährige sollen auch noch weiter auf ihr Opfer eingeschlagen und getreten haben, als dieses bereits wehrlos am Boden lag. Wuchtige Tritte richteten sich vor allem gegen Kopf und Brustkorb. Zudem sollen sie mit einer Glasflasche und mit dem Axtstiel, den sie dem 39-jährigen abgenommen hatten, auf diesen eingeschlagen haben.
Das bewusstlose Opfer wurde in einer Hecke versteckt und schwer verletzt zurückgelassen. Laut Obduktion erlitt der 39-Jährige einen Nierenriss, eine 17-fache Rippenfraktur, einen Lungenkollaps, eine Eröffnung der Brusthöhle, zahlreiche Prellungen und Hämatome sowie ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Dieses führte letztlich dazu, dass der hilflos in der Hecke liegende 39-jährige an Blut und Erbrochenem erstickte.

Gemeinschaftlicher Mord und Raub

Der 23-Jährige und der 15-Jährige sollen die massiven Schläge und Tritte durch die anderen beiden Angeklagten nicht verhindert und sich auch nicht um das Opfer gekümmert haben. Rechtlich wird dem 16-jährigen und dem 19-jährigen Angeklagten gemeinschaftlicher Mord in Tateinheit mit schwerem Raub, dem 15-jährigen und dem 23-jährigen gemeinschaftlicher Mord durch Unterlassen in Tateinheit mit schwerem Raub vorgeworfen.

Mordprozess abwechselnd im Kornhaus und Donausaal

Wegen Corona finden die Sitzungen finden abwechselnd im Kornhaus und im Donausaal der Ulmer Messe statt. Nach 19 Verhandlungstagen fällt das Urteil voraussichtlich am 2. November. Den Vorsitz der Kammer führt Richter am Landgericht Wolfgang Fischer. Beisitzer sind Richter am Landgericht David Kutschke und Richter am Landgericht Peter Philipp.