Göppingen / Susann Schönfelder / Maximilian Haller Schockstarre im Göppinger Landratsamt: Ein iranischer Asylbewerber hat sich am Dienstag vor den Augen von Mitarbeitern und Besuchern in der Behörde angezündet.

Drama im Göppinger Landratsamt: Ein Asylbewerber hat sich am Dienstagmittag im Foyer des Göppinger Landratsamts mit Benzin übergossen und angezündet. Der 35-jährige Iraner erlitt schwere Brandverletzungen und wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht. Der Asylantrag des Mannes war offenbar wenige Tage zuvor abgelehnt worden.

Landrat Edgar Wolff sprach am Dienstag in einer ersten Reaktion von einer „Ausnahmesituation“ in der Behörde. Er stellte es den Mitarbeitern frei, ob sie nach diesem schockierenden Erlebnis weiterarbeiten wollten oder nicht. Das Landratsamt wurde am Nachmittag geschlossen.

Der Notruf war um 12.45 Uhr bei der Funkleitzentrale eingegangen, sagte Polizeisprecher Rudi Bauer vom Polizeipräsidium Ulm. Der Asylbewerber sei mit seinem Bescheid über die Ablehnung ins Landratsamt gekommen und habe sich bei einer Mitarbeiterin der Poststelle erkundigt, was er damit machen soll. „Der Mann war von Anfang an sehr aufgebracht“, berichtete Bauer. Die Mitarbeiterin des Landratsamts gab dem Mann zu verstehen, sich zu informieren. Dem Iraner sei auch Hilfe dabei zugesichert worden, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Dennoch sei der Mann aggressiv geworden. „Dabei zog er eine Flasche aus seinem Rucksack und übergoss sich mit einer Flüssigkeit“, so die Polizei. Sofort hätten sich die Mitarbeiterinnen in Sicherheit gebracht. Gleich darauf ging der Mann  in Flammen auf. Ein weiterer Mitarbeiter des Landratsamts  sah dies – und handelte nach Angaben der Polizei „geistesgegenwärtig“. Mit den Handtüchern von einem Putzwagen erstickte der Helfer die Flammen.

Notfallseelsorger betreuten am Nachmittag die Mitarbeiter und Besucher im Landratsamt, die den Vorfall hautnah miterlebt hatten. „Es herrscht große Betroffenheit“, sagte Polizeisprecher Rudi Bauer. Landrat Edgar Wolff, der eigentlich derzeit Urlaub hat, zeigte sich schockiert und erklärte deshalb den freiwilligen Dienstschluss. „Es riecht auch streng nach Benzin“, berichtete Bauer von der Unglücksstelle. Am Freitag soll der Betrieb im Landratsamt aber wieder weitergehen.

Die sofort eingeleiteten Ermittlungen der Kriminalpolizei waren bereits am Nachmittag gegen 15 Uhr so gut wie abgeschlossen. „Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass der Mann angezündet wurde“, sagte der Polizeisprecher, der von einem bisher einmaligen Fall im Kreis Göppingen spricht.

Ein großes Kompliment gebührt Polizei, Rettungskräften und Notfallseelsorgern, die im Göppinger Landratsamt einen schwierigen und belastenden Einsatz zu stemmen hatten.

Wenige Stunden danach ließen nur noch die rot-weißen Absperrbänder und das Schild „Heute geschlossen“ erahnen, dass sich in der Behörde ein schreckliches Ereignis zugetragen hat. Auf dem Boden liegt ein verkohltes Handtuch. Nach und nach verließen die Mitarbeiter am Nachmittag das Verwaltungsgebäude. Zwei Frauen mit verweinten Gesichtern wurden von einer Seelsorgerin begleitet. Der Schock stand ihnen ins Gesicht geschrieben.