Angehörige und Freunde des erschlagenen 39-Jährigen Uwe H. pflegen auch 14 Tage nach der unerklärlichen Bluttat von Ursenwang liebevoll den Ort des Geschehens mit Blumenschmuck und Kerzen. Vieles liegt bei der Aufklärung noch im Dunkeln, doch inzwischen deutet manches darauf hin, dass sich Opfer und Täter wohl nicht ganz unbekannt waren. Wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage erklärt, hatte Uwe H. in der Vergangenheit bei der Polizei Anzeige gegen lautstarke alkoholische Jugendpartys am Schlater Bach erstattet. Just die Stelle, an der der Mann am 2./3. November einem Tötungsdelikt zum Opfer fiel.

Uwe H. hatte Anzeige erstattet

Zudem lebte der 39-jährige Deutsche gleich im ersten Wohnhaus hinter der Ursenwang-Schule und dem Edeka-Markt und war somit auch als Anlieger direkt von Lärm und Belästigungen betroffen. „Daraus haben wir nie ein Geheimnis gemacht“, so der Ulmer Pressestaatsanwalt Michael Bischofberger, der einen direkten Zusammenhang oder gar ein „Rachekomplott“, dennoch nicht bestätigen will. „Es hätte jeden treffen können, der an diesem Abend auf dem dunklen Weg unterwegs war“, sind Angehörige von Uwe H.überzeugt. Zudem habe sich die vorliegende Anzeige nicht gegen bestimmte Personen gerichtet, sondern allgemein gegen die Situation am Schlater Bach, gibt Pressestaatsanwalt Bischofberger zu bedenken. Nach Informationen unserer Zeitung soll es zu den Gewohnheiten des Opfers gehört haben, jeden Samstagabend gegen 21 Uhr an der Schule vorbei Richtung Edeka und Geldautomat zu gehen. Der schlecht beleuchtete Weg ist für Fußgänger im Übrigen die einzige Verbindung zwischen der Hochhaussiedlung und dem Einkaufszentrum, was Nachbarn schon immer bemängelt haben.

Ursenwang-Opfer starb „mittelbar an stumpfer Gewalt“

Auf das endgültige Obduktionsergebnis mit Todesursache und -zeitpunkt wird noch gewartet. Offenbar hat Uwe H. jedoch zahlreiche Tritte und Schläge erlitten. Sein Leichnam wies Dutzende von Frakturen auf. „Er starb mittelbar an stumpfer Gewalt gegen den Kopf“, so die Staatsanwaltschaft. Ob der Mann nach der Begegnung mit den Angreifern noch lebte oder sofort tot war, könne man noch nicht sagen. Zwei 16-Jährige, ein 19-Jähriger und ein 23-Jähriger sitzen in Haft.

Abweichend von ersten Informationen aus dem Stadtbezirk hat die Verwandtschaft von Uwe H. übrigens keinerlei Bezug zu Russland, sondern teilweise und entfernt zu Polen. Wir bedauern den Irrtum.