Jagd Jäger trifft irrtümlich ein Auto

In diesem Maisfeld rund 400 Meter hinter Adelberg in Richtung Oberberken hielten sich Wildschweine auf, die Jäger bei einer Drückjagd erlegen wollten. Ein Schuss - vermutlich ein Querschläger - traf dabei ein vorbeifahrendes Auto.
In diesem Maisfeld rund 400 Meter hinter Adelberg in Richtung Oberberken hielten sich Wildschweine auf, die Jäger bei einer Drückjagd erlegen wollten. Ein Schuss - vermutlich ein Querschläger - traf dabei ein vorbeifahrendes Auto. © Foto: STAUFENPRESS
Adelberg / DIRK HÜLSER 16.11.2012
Es war ein Unfall, der weitaus schlimmer hätte ausgehen können: Bei einer Treibjagd bei Adelberg ist gestern der BMW einer Frau getroffen worden. Eine Scheibe ging kaputt, die Fahrerin erlitt einen Schock.
Die Drückjagdsaison des Kreisforstamts hat wie berichtet am Freitag begonnen, um der wachsenden Wildschwein-Population Herr zu werden. Doch bereits am Donnerstag gab es eine kurzfristig angesetzte private Drückjagd bei Adelberg. Dabei wurden drei Wildsauen erlegt – und um 15.15 Uhr der BMW X1 einer vorbeifahrenden 54-Jährigen aus Adelberg getroffen. Die hintere kleine Scheibe des BMW auf der Beifahrerseite des Autos ging zu Bruch, die Fahrerin erlitt einen Schock. Pikant: Das Revier gehört dem Kreisjägermeister Kurt Mürdter aus Börtlingen, er war auch Jagdleiter.

Die Straße in Richtung Oberberken war nicht gesperrt, auch warnten keine Schilder vor der Gefahr. Erst in der Freitagausgabe der NWZ hatte der Leiter des Kreisforstamts, Martin Geisel, betont, dass aus Sicherheitsgründen Drückjagden nur veranstaltet werden, wenn auch die angrenzenden Straßen gesperrt werden. Für eine Behörde wie das Landratsamt ist es relativ einfach, eine Straße zu sperren, nicht aber für Privatleute.

So meint denn der Kreisjägermeister auch: „Straßen werden nicht immer gesperrt, das ist ja ein Mordstheater. Das ist ja auch eine Landesstraße, die können Sie nicht so einfach sperren.“ Alternativ würden oftmals Warnschilder aufgestellt – „doch da halten sich die Autofahrer meist eh nicht dran“, hat Mürdter beobachtet. Donnerstagnachmittag hätten er und seine Kollegen aber ihre Autos am Straßenrand abgestellt „und so eine Mauer gebildet“. Kurzfristig waren zehn Jäger zu dem Maisfeld gekommen, nachdem dort eine Rotte Wildschweine gesichtet worden war. „Es war vielleicht mein Versäumnis, dass ich die Schilder nicht aufgestellt habe“, räumt Mürdter ein. Gleichzeitig meint er aber auch, dass der Jagdunfall vielleicht auch schlimmer ausgegangen wäre, wenn die Frau langsamer gefahren wäre. Aber das sei ohnehin Spekulation.

Die Polizei vermutet, dass es sich bei dem im BMW gefundenen Projektil um einen Querschläger handelt. Das sieht auch Mürdter so: „Wir sind der einhelligen Meinung, dass das ein Abpraller war. Das hat die Form des Projektils ergeben.“ Wie der BMW getroffen wurde, ist ihm dennoch nicht klar, die Wildschweine seien 100 Meter weit entfernt in der anderen Richtung gewesen, als geschossen wurde. „Mir ist das völlig rätselhaft, wie der Abpraller das Auto trifft. In die Richtung hat auch gar keiner geschossen.“

Dennoch ist eines klar: „Jeder Jäger ist für seinen Schuss verantwortlich und darf nicht einfach so ins Blaue schießen“, sagt Forstamtsleiter Geisel, der aber zu dem Fall von noch keine näheren Angaben machen kann. Geisel meint nur: „Sagen wir mal so: So etwas sollte nicht vorkommen.“ Ihm seien aus den vergangenen Jahren auch keine solchen Unfälle im Landkreis bekannt – „das hat Seltenheitswert“.

Letzter tödlicher Jagdunfall passierte 1997

Der bislang letzte tödliche Jagdunfall passierte 1997 in Börtlingen, dort wurde bei einer Treibjagd versehentlich ein Treiber erschossen. Jetzt ermittelt die Polizei. Als Straftatbestände nennt Sprecher Rudi Bauer „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, fahrlässige Körperverletzung und Sachbeschädigung“. Alle zehn Jäger hätten einen gültigen Jagdschein, vorläufig seien keine Gewehre beschlagnahmt worden. Erst wenn klar sei, zu welchen Waffen das Projektil passen könnte, werden die entsprechenden Gewehre ballistisch untersucht. Auch Mürdter will jetzt die Ermittlungen abwarten.

Welche Konsequenzen drohen, kann er nicht sagen: „Inwieweit das dann die Zuverlässigkeit des Schützen betrifft, weiß ich jetzt auch nicht. Ich muss das jetzt abwarten – auch als Beteiligter.“
 

Ärger wegen Vollsperrung

Für Ärger und Verdruss hat am Freitag eine Drückjagd bei Ebersbach gesorgt. Hier waren zwei Straßen hinter Büchenbronn und Krapfenreut gesperrt – die meisten Autofahrer hatten dies aber nicht bemerkt. Ein Ebersbacher, der im Remstal arbeitet, wollte morgens in sein Büro fahren. „Als ich in den Wald kam, war plötzlich eine Vollsperrung, dann habe ich es über Krapfenreut versucht – da war es das Gleiche.“ Als er zurückfuhr, habe er bemerkt, „dass jemand ganz unten am Berg tatsächlich ein DIN-A4-Papier aufgestellt hatte, wo irgendetwas mit Schriftgröße 14 Punkt draufstand“. Das habe aber niemand wahrgenommen. „Heute morgen hat das nicht nur mich, sondern viele weitere Autofahrer, die zur Arbeit mussten, in den Wahn getrieben“, ärgert sich der Jurist. Lkw hätten vor der Vollsperrung im Wald kaum wenden können. Und: „Keine Polizei weit und breit, die den Verkehr hätte regeln können.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel