Es war ein friedlicher Sonntag in der Göppinger Aberlinstraße. Doch am späten Nachmittag war davon nichts mehr zu spüren. Die beschauliche Wohnstraße war Schauplatz einer blutigen Beziehungstat geworden. Die Polizei traf mit einem Großaufgebot ein, auch die Spurensicherung war dabei. Anwohner liefen auf die Straße, um zu sehen, was passiert war.

Zunächst dachte niemand an ein Verbrechen. Bei manchen Nachbarn wurden eher Erinnerungen wach an einen Fall vor gut einem Jahr, als ein alleinstehender Mann in einem Haus in der Straße gestorben war und erst nach mehreren Tagen gefunden wurde. Doch diesmal war alles anders. Der Inhalt der gemeinsamen Pressemitteilung, die Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag veröffentlichten, erinnert an einen Horrorfilm: Nach ersten Erkenntnissen hatte gegen 16 Uhr am Sonntag ein 28-jähriger Mann mit einem Messer bewaffnet die Tür zur Wohnung seiner ehemaligen Freundin aufgebrochen.

Opfer kann fliehen

Die junge Frau wohnt in einem Mehrfamilienhaus. Im Erdgeschoss des Gebäudes in der kleinen Straße – eine Nebenstraße der Hohenstaufenstraße – befindet sich ein Café. In der Wohnung stand der bewaffnete Ex-Freund dem neuen Lebensgefährten der Frau gegenüber und stieß Morddrohungen gegen den 20-Jährigen aus. Dann stach der Täter mehrmals mit dem Messer auf den jungen Mann ein. In der am Montagnachmittag verschickten Mitteilung der Staatsanwaltschaft Ulm und der Polizei heißt es: „Trotz zahlreicher Stichverletzungen ist dem 20-Jährigen die Flucht gelungen, der daraufhin ärztlich versorgt werden konnte.“ Weitere Verletzte gab es nach jetzigem Stand nicht.

Der 28-Jährige konnte unweit des großräumig abgesperrten Tatorts festgenommen werden – offenbar auf der Straße. Genauere Angaben machte die Polizei nicht. Das Messer konnten die Beamten sicherstellen. Die Ermittler sprechen von einem versuchten Tötungsdelikt und einer „Beziehungstat“. Am Montag erließ die zuständige Haftrichterin beim Amtsgericht Ulm auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den Festgenommenen.

Beziehungstat im Rubensweg

Beziehungstaten gibt es immer wieder: Anfang Februar 2014 war es im Göppinger Rubensweg zu einem Beziehungsdrama mit tödlichen Ende gekommen: Ein 53-Jähriger hatte eine 46-jährige Frau, die sich nach wenigen Monaten wieder von ihm getrennt hatte, zunächst mehrfach mit dem Tod bedroht. Schließlich verübte er einen Brandanschlag auf die Frau – der Täter übergoss sie vor ihrer Wohnung im Rubensweg mit Benzin und zündete sie an. Die 46-Jährige wurde kurz darauf tot neben ihrem Auto gefunden. Das Landgericht Ulm verurteile den Mörder im November 2014 zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Im Juli 2016 stach ein Mann in einer Donzdorfer Metzgerei seine schwangere Ex-Freundin vor den Augen ihrer Kinder mit 23 Messerstichen nieder. Der damals 37-Jährige wurde ebenfalls zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

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