Für die Bluttat im Gebäude der früheren Gaststätte Harmonie in Göppingen ist ein 51-Jähriger vom Landgericht Ulm zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

Das Urteil der Strafkammer bezieht sich auf zwei Komplexe. In einem Fall lautet es auf schwere Körperverletzung und versuchten Mord „mit Ermöglichungsabsicht als Tatmerkmal“, im anderen auf gefährliche Körperverletzung, Geiselnahme und versuchten Mord aus niedrigen Beweggründen.

„Sie haben nicht richtig ermittelt!“, brüllte der Angeklagte das Gericht in einem emotionalen Ausbruch an und wurde prompt aus dem Saal abgeführt.

Mit Gasdruckpistole Auge ausgeschossen

In der Nacht auf den 22. November 2018 hatte der türkischstämmige Mann seine damalige Frau (30) und seinen Schwager (40) attackiert und mit einer Gasdruckpistole schwer verletzt. Hintergrund war laut Urteil, dass der Mann sich in seiner Ehre verletzt gefühlt hat. Die Frau hatte sich von dem damals 50-Jährigen getrennt, weil dieser sie brutal verprügelt haben soll.

Zeugenaussagen zeichneten das Bild von einem Angeklagten, der bei seinen Handlungen mit äußerster Brutalität vorgegangen ist. Eine Nachbarin sagte aus, der Schwager des 51-Jährigen habe auf der Straße immer wieder voller Verzweiflung geschrien: „Der bringt uns um! Die Polizei muss sofort kommen.“ Ein Glucksen sei zu hören gewesen, gerade so als ob jemand keine Luft mehr bekomme, so die Zeugin. Die Staatsanwaltschaft warf dem 51-Jährigen vor, dass er seine Frau im Anschluss an die abgefeuerten Schüsse erwürgen wollte. Zunächst hatte er die Glastüre des Gebäudes eingeschlagen und war dann in die Wohnung des Schwagers eingedrungen. Dort setzte er seiner schlaftrunkenen Frau die Pistole drei Mal an den Körper und schoss. Dabei verlor sie ein Auge. Den Schwager verletzte er mit einem aufgesetzten Bauchschuss haben. Der 51-Jährige soll dann versucht haben, seine Frau mitzunehmen und sie zu erwürgen.

Brutales Handgemenge vor der Harmonie

Wie Zeugen aussagten, habe der Bruder der Frau das verhindern können, indem er mit einer Metallstange aus der aufgebrochenen Haustüre auf den Angeklagten eingeschlagen habe. Der 51-Jährige sei dann nach einem Gerangel mit seinem Schwager vor der Polizei mit dem Auto geflüchtet. Ein Unfall zwang ihn, stehen zu bleiben.

Morddrohungen gegenüber Verwandten

Wie die Mutter und der Stiefvater des Opfers angaben, habe der 51-Jährige ihnen gegenüber mehrmals angekündigt, die Frau töten zu wollen. „Deine Tochter bringe ich um!“, habe er gesagt, erzählte die Mutter vor Gericht. Erschütternd auch die Aussage einer 47-Jährigen, die der Angeklagte in einer Klinik heimsuchte, offenbar in dem Glauben, es sei seine Frau. Da die Person den gleichen Namen trägt, hatte der 51-Jährige sie ausfindig gemacht. Sie solle froh sein, dass eine Verwechslung vorliegt, sonst hätte sie nun sterben müssen, soll ihr derAngeklagte sinngemäß gesagt haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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