Es war 4.45 Uhr morgens, als ein gewaltiger Knall das alte Haus in Faurndau bis ins Gebälk erzittern ließ. „Meine Mieterin im ersten Stock ist beinahe aus dem Bett gefallen“, erinnert sich der Besitzer. Beide treffen sich schlaftrunken im Treppenhaus – und stellen entsetzt fest, dass jemand die Eingangstüre aufgebrochen hat. Doch der Lärm scheint den oder die Einbrecher in die Flucht getrieben zu haben. Was die Bewohner zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Die Täter versuchen es wenige Tage später erneut, und dieses Mal mit Erfolg.

Kontrollgang im Garten an der Schorndorfer Straße

Doch zurück zu jenem frühen Mittwochmorgen. Der Besitzer des Hauses in der Schorndorfer Straße, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, und seine Mieterin machen einen Kontrollgang um das Gebäude herum. Er stellt fest, dass eines seiner zwei Fahrräder nur vor statt im Schuppen steht: „Dabei war ich war mir sicher, dass ich beide am Abend vorher hineingestellt hatte.“ Dass an beiden Rädern die Reifen platt waren, verhinderte wohl den Diebstahl, vermutet er.

Am folgenden Wochenende erneut eingebrochen

Dem Mittfünfziger bleibt nichts anderes übrig, als den Vorfall der Polizei zu melden und seine Haustüre zu reparieren. Die beiden Mountainbikes bringt er in sein Wohnzimmer, um die Reifen zu flicken. In eines hat er schon vorher viel Zeit und Mühe gesteckt, um es mit einer neuen Schaltung, hydraulischen Bremsen und einer Luft-Federgabel aufzurüsten. Das anschließende Wochenende verbringt er bei seiner Freundin, als ihn die Polizei anruft: Ob er schon wisse, dass bei ihm eingebrochen worden sei. Ja, am Mittwoch, sagt er. Nein, heute Nacht, lautet die Antwort.

Wertvolle Räder und Schmuck gestohlen

Dieses Mal haben die Täter ein Fenster in einem Anbau aufgebrochen, um sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen. Die Glassplitter liegen über den ganzen Boden verstreut. Mit den beiden Rädern im Wert von rund 5000 Euro und Schmuck, den ihr Opfer in seinem Schlafzimmer aufbewahrt hatte, verlassen sie das Haus wieder über die Eingangstür. Alles muss sich innerhalb weniger Minuten abgespielt haben: Die Mieterin hatte zwar Geräusche gehört und daraufhin die Polizei gerufen, die dann auch schnell vor Ort war. Doch leider nicht schnell genug, um die Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen.

Tatort vorher ausgekundschaftet

Der Hausbesitzer ist schockiert: „Ich wohne seit 1991 hier, das ist eigentlich eine sichere Gegend. So etwas ist noch nie passiert.“ Als er erfährt, dass in der Nacht zum Samstag nur wenige hundert Meter weiter in der Haydnstraße ebenfalls eingebrochen und Schmuck gestohlen wurde, wendet er sich an unsere Zeitung, um andere Leser zu warnen und zur Achtsamkeit aufzurufen. Er ist sicher: „Die Einbrecher haben sich genau informiert und ihren Tatort vorher ausgekundschaftet.“ In der Nähe seines Hauses hätten sich zwar immer wieder verdächtige Gestalten aufgehalten, doch dabei habe er sich nichts weiter gedacht.

Hohe psychische Belastung

In welcher Höhe die Versicherung für den Schaden aufkommt, ist noch unklar. Hinzu kommt die psychische Belastung. Problematisch sei für ihn weniger die Tatsache, dass jemand in seiner Wohnung war, als die Angst, dass es sich jederzeit wiederholen könnte und ein Einbrecher plötzlich neben seinem Bett stehen könnte: „Tiefschlaf sieht bei mir gerade anders aus.“ Er lässt sich in den nächsten Tagen nun von der Kriminalpolizei beraten, wie er sein Haus schützen kann, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt.

Kreis Göppingen

Faurndau kein „Hot Spot“


Bilanz Die Polizei registriert keine merkliche Zunahme von Wohnungseinbrüchen in Faurndau.

Zunahme Laut Sicherheitsanalyse für den Kreis stieg die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle 2019 im Vergleich zum Vorjahr von 86 auf 140.

Schwerpunkte Betroffen vom Anstieg waren insbesondere Eislingen, Göppingen und Zell unter Aichelberg.

Abnahme Die Aufklärungsquote sank von 15,1 auf 9,3 Prozent.

Abbruch 63 Fälle blieben Versuche.

Schaden Der Schaden beläuft sich auf insgesamt rund 273 000 Euro.