Brand  Großbrand in Galvanik-Betrieb war riskanter Einsatz

Geislingen / Stefanie Schmidt 02.01.2018
Ein Großbrand bei einem Geislinger Galvanik-Betrieb stellte die 120 Rettungskräfte vor besondere Herausforderungen.

Es war der größte Brand, der in den vergangenen Jahren  im Kreis Göppingen ausgebrochen ist, meint Kreisbrandmeister Michael Reick. 120 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Geislingen, Salach, Amstetten und Göppingen rückten am Neujahrsmorgen in die Geislinger Robert-Bosch-Straße aus.   „Glücklicherweise haben wir nur alle paar Jahre solche Großeinsätze“, sagt Reick

Der Brand in dem Galvanik-Betrieb stellte die Feuerwehrleute vor besondere Schwierigkeiten. Zu den „normalen“ Gefahren­quellen wie Hitze und Brandgase kamen die in dem Gebäude gelagerten Chemikalien, darunter 10.000 Liter Natronlauge, 2000 Liter Salzsäure sowie Zink- und Nickellösungen. Das Löschwasser, das sich in der Halle sammelte und auch die Treppen hinunterfloss, sei mit einem pH-Wert bis zu 14 „hochgradig alkalisch“ gewesen, erläutert der Kreisbrandmeister. Eine Gefahr für Umwelt und Einsatzkräfte.

Ein Feuerwehrmann musste wegen  Verätzungen am Fuß ärztlich behandelt werden. Weitere hätten ein „leichtes Kribbeln“ auf der Haut verspürt  –  laut Reick ebenfalls Anzeichen für eine beginnende Verätzung. Eine weitere Gefahrenquelle waren die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des brennenden Gebäudes und die Stromversorgung der Galvanikanlage.

Trotz der „erheblichen Eigengefahr“, seien die Einsatzkräfte „mutig und resolut“ vorgegangen, lobt der Kreisbrandmeister. So haben sie  Schlimmeres verhindert. „Wir haben zuerst nicht damit gerechnet, dass wir das Feuer begrenzen können“, erläutert Reick. Man habe befürchtet, dass auch das Erdgeschoss der Halle betroffen sein könnte und die Flammen von dort aus trotz vorhandener Brandschutzwände auf andere Gebäude der Galvanik übergreifen. Weil auch dort Chemikalien gelagert seien, habe eine „erhebliche Umweltgefährdung“ bestanden, betont Reick. „Da geht man dann auch mehr Risiko ein.“

Der Großteil des kontaminierten Löschwassers konnte von der Feuerwehr aufgefangen und mit einem Spezialfahrzeug aufgesaugt werden. Einzelne „Rinnsale“ seien allerdings ins Kanalsystem gelangt. Deshalb arbeitete die Feuerwehr während des Einsatzes eng mit Mitarbeitern der städtischen Kläranlage zusammen und integrierte diese in die Einsatzleitung.

Noch bevor die Feuerwehr einschätzen konnte, ob während des Brandes überhaupt Chemikalien freigesetzt wurden, sei er verständigt worden, berichtet Abwassermeister Thorsten Schäch, der die Kläranlage leitet. So konnte das frisch eintreffende Abwasser in sogenannten Pufferbecken zwischengelagert werden. Tatsächlich sei am Zulauf ein leicht erhöhter pH-Wert gemessen worden, der  allerdings noch im ­Bereich der „natürlichen Schwankung“ liege. Ob mit dem ­Löschwasser auch Zink und Nickel in die Anlage gelangt sind, können die städtischen Mitarbeiter nicht selbst bestimmen, sagt Schäch. Ein chemischer Betrieb in Eislingen sei  im Moment dabei, entsprechende Proben auszuwerten.

Der Abwassermeister geht allerdings nicht davon aus, dass größere Mengen der Metalle in die Anlage geraten sind. Nickel sei schädlich für die Bakterien, die das Abwasser in der Kläranlage biologisch reinigen. Bisher gebe es keine Anzeichen da­für, dass diese Schaden  genommen hätten. „Das hätte sich auch ­deutlicher im pH-Wert nie­der­geschlagen.“  Im schlimmsten ­Fall könne  durch bestimmte ­chemische ­Verunreinigungen in den Klär­becken „die Biologie umkippen“. Dann müssten die Klär­becken mit neuen Bakterienkulturen „geimpft“ werden. „Aber davon sind wir weit entfernt“, versichert Schäch.

Die  Nachforschungen nach der Brandursache sind bis jetzt noch nicht abgeschlossen. Am Dienstag fand die erste Begehung des  ausgebrannten Gebäudes statt. Ein möglicher Auslöser könnte ein technischer Defekt an einer Heizungsanlage sein. Den Schaden schätzt die Polizei inzwischen auf ungefähr zwei Millionen Euro. Bis Mittwochnachmittag rechnet die Polizei mit neuen Erkenntnissen.

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