Landkreis Göppingen Sturm Burglind fordert Hunderte Einsätze

RUW/SAS/DH 03.01.2018
Das Sturmtief „Burglind“ jagte am Mittwochmorgen gut zwei Stunden über den Landkreis Göppingen und die Nachbarlandkreise.

Verletzte gab es nach Polizeiangaben im Kreis Göppingen nicht, allerdings mussten die Rettungskräfte seit 8.30 Uhr zu zahlreichen Einsätzen ausrücken. Dabei handelte es sich meist um umgestürzte Bäume, sagte Uwe Krause von der Pressestelle der Polizei am Vormittag. So mussten einzelne Straßen gesperrt werden, damit Rettungskräfte die Bäume zersägen konnten – beispielsweise die Kreisstraße zwischen Weißenstein und Bartholomä. Die Kreisstraße zwischen Schlierbach und Ohmden (Kreis Esslingen), auf der mehrere Bäume umstürzten, war auch um 12.30 Uhr noch gesperrt, erklärte die Polizei. Auch die Straße nach Hohenstaufen war gesperrt. In der Siemensstraße in Schlierbach beschädigte ein umstürzender Baum ein Auto leicht.

In Dürnau stürzte ein Baum  auf ein Wohnhaus. Es passierte um 9.16 Uhr, berichtet Feuerwehrkommandant Ralf Hänßler. „Der Baum lag auf dem Dach“, erzählt er. „Er musste mit einem Kran angehoben und dann  mit einer Seilwinde weggezogen werden.“ Mindestens ein Bewohner des Gebäudes an der Boller Straße sei anwesend gewesen, jedoch habe es keine Personenschäden gegeben. Hänßler geht davon aus, dass auch am Haus nur relativ leichte Schäden entstanden sind. Für die Dürnauer Feuerwehr war es dennoch viel Arbeit: Viereinhalb Stunden dauerte der Einsatz, erst um 13.45 zogen die Retter wieder ab. In Dürnau blies der Sturm auch einen abgestellten Wohnwagen um. Die Schadenshöhe ist noch nicht bekannt.

Groß war der Schaden in Ebersbach, als in der Stuttgarter Straße ein Bauzaun zwei Autos traf. Reparaturkosten in Höhe von zusammen rund 10.000 Euro sind zu erwarten. In der Brunnenstraße in Ebersbach fielen von einem Dach rund 30 Ziegel herunter, größerer Schaden blieb aus.

Dach eines Elektromarkts fliegt weg

In Eislingen flog gegen 9 Uhr Isoliermaterial von einer Baustelle umher. Ebenfalls in Eislingen sorgte gegen 9.10 Uhr ein umherfliegendes Trampolin kurzzeitig für Gefahr. Es wurde von einem Balkon geweht und traf ein geparktes Auto und auch einen Streifenwagen der Polizei, die das Trampolin einfing, bevor weiterer Schaden entstand. Auch im Göppinger Hailing mutierte ein Trampolin zum unerwünschten Flugobjekt.

In Göppingen entstand gegen 10.36 Uhr in der Stifterstraße ein Schaden von 2000 Euro, weil Dachziegel ein Auto beschädigten, sagt Uwe Krause. Im Göppinger Stadtgebiet riss der Sturm Gelbe Säcke mit sich, die zur Abholung bereit lagen. Entlang der Lorcher Straße etwa verteilte sich der Müll auf der Straße und in den Grünstreifen. Mitarbeiter der Stadtverwaltung kümmern sich darum. In Holzheim kippte ein Toilettenhäuschen um.

Viele Einsätze in Salach

Die Feuerwehr Salach fuhr innerhalb von zwei Stunden zu insgesamt sechs Einsätzen, bei denen Bäume und Äste beseitigt werden mussten. Um 9.15 Uhr stürzte ein Baum in der Wilhelmstraße so vor ein Haus, dass die Haustür blockiert war, die Bewohner mussten das Gebäude über einen Nebenausgang verlassen, berichtet der stellvertretende Kommandant, Andreas Merath auf Nachfrage. Gefahr habe aber nicht bestanden. Die Feuerwehr Salach war mit 22 Einsatzkräften und fünf Fahrzeugen unterwegs. Der umgestürzte Baum wurde in Teilen so bearbeitet, dass keine Beeinträchtigung mehr besteht.

Die Geislinger Feuerwehr hatte lediglich zwei Einsätze wegen des Sturms: einer davon war ein falscher Alarm. Ein großer Ast hätte zwischen Geislingen und Eybach auf der Straße gelegen. Der andere Einsatz war bei der Stadtkirche, wo der Sturm Dachziegel weggerissen hat. Mehr Schäden gab es laut Feuerwehrkommandant Jörg Wagner nicht. In Geislingen beobachteten Anwohner im Bereich Schloßhalde, dass eine Oberleitung Funken sprühte. „Das lag wohl am Unwetter, es gab aber keinen Schaden“, so Polizeisprecher Krause.

Zwischen Geislingen und Kuchen hat der Sturm das Dach eines Elektro-Fachgeschäfts stark beschädigt.

Nach Angaben der Bahn sei der Zugverkehr im Landkreis Göppingen bislang nicht beeinträchtigt durch den Sturm.

Wie das Polizeipräsidium Ulm am Nachmittag mitteilt, gingen für die Landkreise Ulm, Biberach, Heidenheim und Göppingen zusammen rund 50 Schadensmeldungen ein, die Polizei schätzt die Gesamtsumme auf mehrere Zehntausend Euro. Es gab auf einzelnen Straßen, darunter die Autobahn A8 bei Merklingen, stellenweise Behinderungen durch regenbedingte Überflutungen. Bei einem Unfall zwischen Bartolomä und Böhmenkirch stürzte ein Baum um 9.10 Uhr auf ein vorbeifahrendes Auto. An dem Renault entstand Totalschaden in Höhe von 23.000 Euro.

Zwischen Laichingen und Hohenstadt blockierte ein Baum zwischen 9.15 Uhr und 10.15 Uhr die Fahrbahn. Die Feuerwehr entfernte das Hindernis.

Kein Sachschaden war in Gerstetten (Kreis Heidenheim) zu verzeichnen, als der Sturm etliche Elemente einer Baustellenabschrankung erfasste. In Heidenheim traf ein Teil eines Baugerüsts ein geparktes Auto.

Größere Schäden im Landkreis Esslingen

Rund 80 Notrufe registrierte das Polizeipräsidium Reutlingen während das Orkantief über die Landkreise Reutlingen, Tübingen und Esslingen zog. Ab 8.30 Uhr standen die Telefone zum Teil nicht mehr still bis der Wind nach rund 90 Minuten abflaute. Es gab keine Verletzten.

Im Kreis Reutlingen wurden keine größeren Schadensereignisse gemeldet. Lediglich mehrere Straßen mussten von umgestürzten Bäumen befreit und einige Bauzäune wieder aufgestellt werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand dürfte nur in Metzingen durch ein umherfliegendes Trampolin und ein Anhänger, der gegen ein Auto geweht wurde, ein Schaden entstanden sein.

Im Kreis Tübingen blieb es bei umgestürzten Bäumen und einem umgestürzten Gerüst in der Depotstraße in Tübingen. In Teilen von Rottenburg kam es jedoch zu einem Stromausfall während des Sturms.

Am stärksten betroffen war der Kreis Esslingen aus dem Dutzende witterungsbedingte Anrufe in der Notrufzentrale eingingen. Besonders betroffen vom Orkan waren die Bereiche in und um Esslingen, sowie die Filderebene und der Raum in und um Nürtingen. In Esslingen, Filderstadt, Ostfildern und Nürtingen sowie Frickenhausen, aber auch in Wernau und im Bereich von Plochingen sowie Reichenbach/Fils wurden durch umstürzende Bäume nicht nur Straßen blockiert sondern mehrere geparkte Pkw beschädigt und auch einige Motorräder umgeworfen.

Um kurz nach 8.30 Uhr wurden auf der Festo-Kreuzung bei Berkheim im Baustellenbereich mehrere mobile Baustellenampeln auf drei Autos geschleudert. Hierbei entstand an den Fahrzeugen ein Schaden in Höhe von rund 10.000 Euro. An den Ampeln beträgt der Schaden etwa 40.000 Euro. Sie müssen nach Angaben des Polizeipräsidiums Reutlingen im Laufe des Tages gerichtet werden, so dass es auf der L 1192 von und nach Esslingen zu Beeinträchtigungen kommen kann.

Am Flughafen Stuttgart fielen acht Flüge während des Orkans aus.Weiterhin wurden durch den Sturm mehrere Gepäckwagen gegen eine Maschine geweht, so dass ein Schaden am Triebwerk des Flugzeugs entstanden war.

Einsätze in Stuttgart

Rund 100 Einsätze löste der Sturm bei der Stuttgarter Polizei aus wegen herabgefallener Äste und Dachziegel, die teilweise auch geparkte Autos beschädigt hatten, umgefallenen Bauzäunen und umgestürzten Motorrädern. Straßen mussten kurzzeitig teilweise oder ganz gesperrt werden, damit die Feuerwehr umgestürzte Bäume beseitigen konnte. Nach derzeitigem Stand gibt es keine Verletzten. Gegen 8.55 Uhr hatten Sturmböen Trümmer eines Hausdachs auf die Kreuzung Wasenstraße/Inselstraße geweht. Die herabfallenden Teile beschädigten auch die Oberleitung der Stadtbahn.Einsatzkräfte der Feuerwehr sicherten die verbliebenen Dachteile. Derzeit laufen die Aufräum- und Reparaturarbeiten noch. Der Sachschaden dürfte Stand 11.30 Uhr nach ersten Schätzungen mehrere Zehntausend Euro betragen.

Im Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen liefen zwischen 8.35 Uhr und 10 Uhr gut einhundert Meldungen für die drei Landkreise Rems-Murr-Kreis, Ostalbkreis und Kreis Schwäbisch Hall, am Notruftelefon auf. In den meisten Fällen waren auch hier umgestürzte Bäume, die Straßen blockierten und dementsprechend den Verkehr behinderten, der Auslöser. Die Beseitigung der Hindernisse erfolgte in den meisten Fällen durch die örtlichen Feuerwehren. Aber auch Mitarbeiter der Straßenmeistereien und örtlichen Bauhöfe oder von Energieversorgungsunternehmen wurden vor Ort tätig. Die Aufräum- und Reparaturarbeiten zogen sich in vielen Bereichen weit über den Mittag hinweg hin.

Sturmschäden im Rems-Murr-Kreis

Das Unwetter erreichte den Rems-Murr-Kreis gegen 8.35 Uhr. Da entwurzelte der Sturm eine Tanne, die auf ein Haus in der Hauptstraße in Fellbach-Oeffingen stürzte.Eines der letzten bei der Polizei gemeldeten Ereignisse war gegen 10 Uhr ein Baum, der in die Oberleitung der Bahn bei Sulzbach an der Murr stürzte und in Brand geriet. Zur Beseitigung des Baumes musste die Oberleitung abgeschaltet werden, weshalb es auch zu Zugausfällen kam. Dazwischen waren die Hilfskräfte unentwegt im Einsatz, auch um abgedeckte oder beschädigte Dächer zu sichern. Im Fellbacher Silcherweg wurde ein Toilettenhäuschen auf die Straße geweht, in Remshalden-Grunbach mussten Stadt und Feuerwehr ausrücken, weil ein Baum die Stromleitung beschädigte.

Sturm-Bilanz im Ostalbkreis

Wie angekündigt kam das Wetter aus Richtung Westen auf den Ostalbkreis zu und traf folgerichtig zunächst auf Markung Lorch auf. Um 8.52 Uhr wurde ein umgestürzter Baum in Lorch-Rattenharz gemeldet. Bereits um 9.06 Uhr gab es erste Schäden in Aalen-Affalterried und um 9.07 Uhr in Rosenberg-Zumholz. Schon um 9.14 Uhr war das Wetter an der Landesgrenze zu Bayern angekommen, bemerkbar dadurch, dass im Bereich Wört/Tannhausen der Strom ausfiel. Neben umgeknickten Bäumen, umgeworfenen Verkehrsschildern oder verwehten Bauzäunen, kämpfte im Gmünder Türlensteg ein Eigentümer mit einem sich lösenden Dach, geriet in Wustenried ein Baukran in Schieflage und kippte bei Bopfingen-Kerkingen ein Pkw-Anhänger zur Seite. In Ruppertshofen-Tonolzbronn riss der Sturm Löcher ins Dach des Kirchturms und die Feuerwehr versorgte vorsorglich den Schaden, um Schlimmeres zu verhindern.

Weiter Sturmwarnung

Der Deutsche Wetterdienst warnt weiter vor plötzlich auftauchenden Orkanböen und starken Regenfällen. Von Mittwoch 16 Uhr bis Donnerstagmorgen 3 Uhr treten demnach im Kreis Göppingen oberhalb von 400 Metern Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 60 und 80 Stundenkilometern aus westlicher Richtung auf. In exponierten Lagen muss mit schweren Sturmböen bis 100 Stundenkilometern gerechnet werden. Die Hochwasservorhersagezentrale Baden Württemberg (HVZ) verzeichnete am Mittwochmittag für die Fils in Salach einen Pegelstand von 1,85 Metern, die Hochwassermeldegrenze liegt bei 1,90 Metern. Laut Prognose könnte der Wasserstand bis Samstagnacht die Meldegrenze um 20 bis 70 Zentimeter überschreiten.

Bis Donnerstagnachmittag gegen 15 Uhr besteht eine allgemeine hohe Gefahr für Hochwasser. Keller könnten beispielsweise überflutet werden.