Trauer 84-jähriger Jogger aus Göppingen gestorben

Göppingen / RB/SAS 21.08.2018
Der vermisste Jogger, der am Montag in Göppingen gefunden wurde, ist am Dienstagmorgen im Krankenhaus an den Folgen der Entkräftung gestorben.

Das Urgestein des Göppinger Lauftreffs ist tot: Günter Riesner kam von seinem samstäglichen Trainingslauf nicht nach Hause und wurde erst am Montagnachmittag um 15 Uhr von einem Mitarbeiter der Stadt Göppingen abseits seiner üblichen Laufstrecke gefunden. Er lag rund 800 Meter vom DJK-Heim entfernt völlig unterkühlt in einem Graben, den er laut Polizei nicht mehr aus eigener Kraft verlassen konnte. Die Kriminalpolizei hat keine Hinweise auf ein Verschulden Dritter. Am Dienstagmorgen starb der 84-Jährige laut Polizei an den Folgen der Entkräftung nach zwei Nächten im Freien.

Trauer im Lauftreff

„Alle Freunde des Lauftreffs Göppingen trauern um ihren Günter“, sagt Rudi Bauer, seit über drei Jahrzehnten Mitglied des Lauftreffs, zum Tod des ältesten aktiven Läufers, mit dem er unzählige Trainingseinheiten absolviert hatte. Schon zu den Gründungszeiten des Lauftreffs Anfang 1984 war Günter Riesner, früher Fußballer beim FC Rechberghausen, regelmäßig beim Training.

Keinen Samstag ließ er aus, das Wetter spielte keine Rolle. Gestartet wurde stets auf dem Trimm-Dich-Pfad-Parkplatz an der Hohenstaufenstraße. Riesner schloss sich noch als 80-Jähriger fast immer den Hohenstaufen-Läufern an, die sich den Gipfel des Göppinger Hausberges zum Ziel gesetzt hatten und danach über den Spitalwald zum Ausgangspunkt zurück joggten.

Familie vermutet Abkürzung

Allein unterwegs, bevorzugte er meistens die Wannenhofrunde über 7,5 Kilometer, von der er am Samstag aus bislang unerklärlichen Gründen abgekommen war. „Wir wissen es nicht, vielleicht wollte er abkürzen“, sucht Sonja Riesner-Hendlmeier, Nichte des Verstorbenen, nach einer Erklärung für den Sturz ihres Onkels abseits der üblichen Route.

Nachdem er am Samstag nicht zur gewohnten Zeit zurückgekehrt war, habe die Familie die Suche begonnen und die Polizei alarmiert, die schon wenige Minuten später vor Ort gewesen sei, sagt Riesner-Hendlmeier. Es sei von den Rettungskräften alles Menschenmögliche getan worden, zeigt sich die Uhingerin von den Suchmaßnahmen beeindruckt und bedauert, dass ihr Onkel erst am Montag gefunden werden konnte.

„Das Laufen war für ihn Passion“, bestätigt sie die Aktivitäten von Günter Riesner, der mit fast 80 Jahren noch in der Vierer-Staffel des Barbarossa-Berglaufes mitgewirkt hatte. Er sei von den gesundheitlichen Vorteilen des Laufens absolut überzeugt gewesen und habe seine Genesung nach einer Leukämie-Erkrankung im Jahre 1989 auch auf den Laufsport zurückgeführt.

Die Suche im Rückblick

Angehörige hatten Riesner am Samstag gegen 19.10 Uhr als vermisst gemeldet, nachdem der Sportler vom Lauftraining nicht mehr zurückgekommen war. Sein Auto stand auf dem Parkplatz Oberholz beim Trimmdichpfad an der L1075. Die Polizei suchte zuerst die übliche Laufstrecke des Seniors ab und den nahe gelegenen Wegesrand. „Es war schon so dunkel, dass eine Flächensuche nicht mehr möglich war“, erklärt Polizeisprecher Wolfgang Jürgens.

Am Sonntag wurden dann die Einsatzkräfte zusammen gezogen und die Flächensuche auf der Laufstrecke gestartet. Die Suche im Waldgebiet westlich der Hohenstraufenstraße bis zur Bartenbacher Straße blieb erfolglos. Auch die alternativen Joggingstrecken des Mannes, die im östlichen Teil des Stauferparks verlaufen, wurden erfolglos abgesucht.

Deswegen gab die Polizei am Sonntag eine Öffentlichkeitsfahndung heraus, allerdings ohne Bild und Name des Vermissten. „Wir hätten ihn dadurch auch nicht schneller gefunden“, erklärt Jürgens das Vorgehen. Aufgrund des Alters und der markanten Laufbekleidung sei der Gesuchte auch so für die Öffentlichkeit erkennbar gewesen. „So jemand fällt auf“, sagt der Polizeisprecher.

Zeugen gaben nach dem Aufruf am Sonntag an an, dass sie gegen 18 Uhr einen älteren Mann, auf den die Beschreibung passte, im Bereich des Parkplatzes sahen. Daraufhin wurden die Suchkräfte aufgeteilt, einige suchten weiter in der Fläche, die anderen gingen den Hinweisen nach, erklärt Jürgens. Die Ermittler mussten abwägen, wo die Suche am effektivsten und die Wahrscheinlichkeit am größten erschien, den Mann zu finden.

Am Montag suchten Polizeibeamte, Polizeihundeführer und Polizeireiter, die Rettungshundestaffel und der Polizeihubschrauber weiter nach dem Vermissten. Schließlich fand ihn ein Mitarbeiter der Stadt in einem Waldteil nördlich des Stauferparks. Der Senior lag entkräftet und hilflos in einem Schlammloch. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann in das Schlammloch gestürzt und nicht mehr von alleine herausgekommen war. Der Graben befindet sich im Inneren Bereich eines Rundwegs. „Wir können nur mutmaßen, ob der 84-Jährige vielleicht eine Abkürzung nehmen wollte und deshalb abseits der Strecke unterwegs war“, erklärt Jürgens am Dienstag eine denkbare Theorie des tragischen Vorfalls.

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