Ehingen / BERNHARD RAIDT  Uhr
Bei einer Gasexplosion auf dem Ehinger Weihnachtsmarkt sind am Freitag zwei Menschen schwer verletzt worden. Der Rettungshubschrauber war im Einsatz. Ursache des Unglücks war wohl ein Bedienungsfehler.

Am Freitagvormittag um 10.40 Uhr erschütterte ein dumpfer, schwerer Schlag den Ehinger Marktplatz. Aus einer der Hütten des Weihnachtsmarkts quoll Rauch, das Dach der Hütte war teilweise abgedeckt. Schreie waren zu hören, Passanten und Mitarbeiter des Weihnachtsmarkts eilten zur Hütte.

Der sofort alarmierte Rettungsdienst versorgte die Verletzten. Die Ehinger Feuerwehr untersuchte mit Atemschutz die Hütte. Nach und nach wurde klarer, was sich ereignet hatte.

Eine 33-jährige Mitarbeiterin der Imbisshütte des Riedlinger Unternehmens Radke hatte die Eröffnung des Standes vorbereitet. Dabei hatte sie wohl Probleme mit einer Gasflasche. Sie bat beim Imbissunternehmen Fuchs um Hilfe. "Sie sagte, die Flasche sei zu stark zugedreht, sie bringe sie nicht auf", berichtet der Chef dort. Ein 42-jähriger Mitarbeiter ging mit ihr, um zu helfen. Bei diesem Mitarbeiter handelt es sich um einen Mann aus der Slowakei, der jetzt 20 Tage in Deutschland war, um auf Weihnachtsmärkten zu arbeiten. "Morgen wäre er wieder nach Hause gefahren", berichtet sein Chef.

Die Feuerwehr Ehingen unter Leitung von Christian Gräter und die Polizei rekonstruierten am Freitag, was dann in der Hütte vorgefallen sein muss. Offenbar wurde eine volle Flasche als leer eingeschätzt, berichtet die Polizei. Erkenntnissen der Feuerwehr nach wurde die Flasche dann nicht zu-, sondern aufgedreht. Die Metallhülle der Flasche war vereist, es strömte nur unregelmäßig Gas aus. So war nicht auf Anhieb zu riechen, dass sich Gas in der Hütte ansammelte. Offenbar wurde auch bereits mit offener Flamme gekocht. Das entstehende Gas-Luft-Gemisch entzündete sich schließlich. Der Mann erlitt dabei schwere Verletzungen im Gesicht. Sie waren so schlimm, dass ihn ein Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik für Schwerbrandverletzte nach Murnau (Bayern) flog. Auch die Frau erlitt nach Angaben der Polizei schwere Verletzungen, Berichten zufolge am Arm. Sie wurde im Krankenhaus versorgt. Die Feuerwehr sperrte große Teile des Marktes ab und holte insgesamt fünf Gasflaschen aus der Hütte. Sie überprüfte jede einzelne und ließ das Gas kontrolliert ab. Schon kurz nach der Verpuffung löschten Helfer Papier, das in der Hütte in Brand geraten war. Passanten oder andere Mitarbeiter des Weihnachtsmarkts wurden nicht verletzt. Den Sachschaden schätzt die Polizei als eher gering ein. Ordnungsamtsleiter Ludwig Griener von der Ehinger Stadtverwaltung war sofort nach dem Unfall vor Ort. Er betonte, dass alle Hütten des Weihnachtsmarkts von der Prüforganisation Dekra untersucht worden seien. Dabei seien auch die Gasinstallationen überprüft worden. Die Stadt habe diese Überprüfung veranlasst, nachdem 2005 drei Menschen bei einer Gasexplosion auf dem Weihnachtsmarkt in Stuttgart schwer verletzt worden waren.

Von der Feuerwehr war zu hören, dass es womöglich noch weit mehr Verletzte gegeben hätte, wenn sich die Explosion nach der Eröffnung des Markts um 11 Uhr ereignet hätte. Am schlimmsten wäre eine solche Verpuffung gewesen, wenn sie sich am Abend auf dem gut besuchten Weihnachtsmarkt ereignet hätte. Insgesamt waren 25 Feuerwehrleute, 13 Mitarbeiter des Roten Kreuzes, drei Notärzte und der Rettungshubschrauber im Einsatz.

Die Feuerwehr hob die Sperre des Marktes am Freitag vor der Mittagszeit wieder auf, das Marktgeschehen ging dann normal weiter. Die Hütte, in der sich die Explosion ereignet hat, bleibe aber für dieses Jahr geschlossen, sagt Griener. Die Ermittlungen der Ehinger Polizei dauern an.