Unfälle Unfallträchtige Kurve

Motorräder in Gundershofen (Archivbild). Die Raser unter den Bikern beunruhigen die Bürger.
Motorräder in Gundershofen (Archivbild). Die Raser unter den Bikern beunruhigen die Bürger. © Foto: Raidt
Schelklingen / SWP 09.07.2018
Zwei Unfälle in einer Kurve. Nur kurz hintereinander wurden am Samstag bei Schelklingen zwei Menschen verletzt.

Kurz hintereinander sind am Samstag zwei Motorradfahrer in derselben Kurve zwischen Böttingen und Gundershofen-Springen verunglückt: Kurz nach 15 Uhr unterschätzte ein Biker aus Richtung Böttingen kommend die Kurve, kam von der Straße  ab, stürzte und verletzte sich leicht. An seiner Honda entstand rund 4000 Euro Schaden. Knapp zwei Stunden später fuhr ein 26-Jähriger mit seiner Suzuki durch dieselbe Kurve. Auch er  stürzte und verletzte sich. Der Rettungsdienst brachte ihn ins Krankenhaus.

Als Rennstrecke im Internet

Im Oberen Schmiechtal erregen Meldungen wie diese kaum Aufsehen – denn regelmäßig bauen Biker auf der kurvenreichen Strecke Unfälle (siehe Info). Im Sommer sei der Rettungswagen oder auch der Hubschrauber häufig im Einsatz, berichtet Gundershofens Ortsvorsteherin Doris Holzschuh. Auf einschlägigen Seiten im Internet werde die Route als Motorrad-Rennstrecke beschrieben. Die Straße nach Böttingen werde inzwischen von Einheimischen sogar eher gemieden, sagt Holzschuh – zu groß sei die Angst, mit einem der rasenden Motorradfahrer zu kollidieren.

„Fast waagrecht“ liegend kämen die Fahrer in einem irren Tempo durch die Kurven auf einen zugeschossen. Sie habe das selbst erlebt. „Man glaubt fast, die setzen den Helm auf und geben den Verstand dabei weg“, sagt die Ortsvorsteherin. Holzschuh hat Hinweise darauf, dass die Fahrer sogar auf der Jagd nach Bestzeiten sind – die Rennstrecke führe bis zum Parkplatz, dann werde gewendet und zurückgerast. Auch Kameras hat Holzschuh schon entlang der Straße beobachtet – die Biker filmten ihre rasanten Fahrten. Schon am Ortsausgang Gunderhofen werde voll am Gasgriff gedreht, die Anwohner seien davon wirklich genervt. Und viele, vor allem Ältere, hätten mittlerweile Angst – etwa, mit einem langsamen Traktor auf der Strecke einem Biker ins Gehege zu kommen. Sicher, es gebe auch vernünftige Motorradfahrer, die die Strecke langsam und mit Genuss fahren, sagt Holzschuh – aber es seien auch viele Uneinsichtige da, für die dann oft der Rettungsdienst ausrücken müsse.

Planken mit Unterfahrschutz

Der kurvenreichste und damit für viele Motorradfahrer interessanteste Teil der Straße liegt als Kreisstraße 7410 auf dem Gebiet des Alb-Donau-Kreises. Beim Landratsamt in Ulm ist man sich des Problems bewusst. Insbesondere von Springen bis zur Grenze zum Kreis Reutlingen seien in den vergangenen beiden Jahren gerade mit Blick auf die Biker Maßnahmen für mehr Sicherheit getroffen worden, berichtet Bernd Weltin, Pressesprecher des Kreises. So weisen große Verkehrszeichen von Springen in Richtung Kreisgrenze und umgekehrt auf den gefährlichen Kurvenverlauf und auf die Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 Kilometer pro Stunde hin. Das Verkehrszeichen werde sogar im rund zwei Kilometer langen Streckenverlauf jeweils nach der Hälfte der Strecke nochmals wiederholt. Zudem sind teilweise in den Kurven auf den Leitpfosten zusätzliche rot-weiße Warnhinweise angebracht. Und im vergangenen Jahr wurden neue Schutzplanken mit Unterfahrschutz speziell für die Biker angebracht.

„Am Wochenende geht’s ab“

Neben den routinemäßigen Geschwindigkeitsmessungen des Kreises finden außerdem schwerpunktmäßige Sonderkontrollen durch das Polizeipräsidium Ulm statt, berichtet Weltin. Nach den beiden Unfällen vom Wochenende will sich aber die Kreisverkehrsbehörde nun alles  nochmals genauer anschauen. Gemeinsam mit der Polizei und dem Fachdienst Straßen des Landratsamtes soll es eine Verkehrsschau geben, berichtet Weltin. Dann soll darüber gesprochen werden, ob Anlass besteht, nachzujustieren.

Ortsvorsteherin Holzschuh fordert mehr Kontrollen – vor allem  am Wochenende. Auch die Verkehrsschau soll am Wochenende stattfinden, sagt sie. „An Wochentagen ist hier bis auf Ausnahmen alles ruhig. Aber von Freitagnachmittag bis Sonntag  geht der Punk ab.“

Ein Toter, 13 Verletzte auf der Strecke seit 2015

Opfer Seit Anfang 2015 registriert die Statistik der Polizei zwischen Gundershofen und der Kreisgrenze Richtung Böttingen 13 Verkehrsunfälle. Zwölf davon haben die Motorradfahrer selbst verursacht. Bei diesen 13 Unfällen wurde ein Mensch getötet. Drei wurden schwer, zehn weitere leicht verletzt, berichtet Wolfgang Jürgens vom Polizeipräsidium Ulm.

Maßnahmen Die Polizei sei an den Sicherheitsmaßnahmen beteiligt und mache auf der Strecke regelmäßige Schwerpunktkontrollen. Mit dabei sind immer wieder auch Beamte der Polizeilichen Prävention und auch die Verkehrswacht. Sie weisen die Motorradfahrer auf die Verkehrsregeln hin, kommen mit ihnen ins Gespräch und verdeutlichen die Gefahren. ben

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