Kirchberg Polizei vermutet Brandstiftung in der Mühle Lobenhausen

Kirchberg / HARALD ZIGAN 28.08.2015
Die Polizei geht seit gestern davon aus, dass ein Brandstifter in der Mühle in Lobenhausen am Werk war. Mit dem Feuer nahm das Fischsterben in der Jagst indirekt seinen katastrophalen Verlauf.

Noch in der Brandnacht von Samstag auf Sonntag begann die Kriminalpolizei mit ihren Ermittlungen zur Ursache des verheerenden Feuers in der Lobenhausener Mühle. Kriminaltechniker und Brandexperten der Polizei sowie Sachverständige von Versicherungen nahmen tagelang vor allem die stark zerstörte Lagerhalle unter die Lupe, wo der Brand seinen Ursprung hatte.

Die Ermittler fanden allerdings keinerlei Hinweise auf einen technischen Defekt, etwa in den Stromleitungen. Auch für eine Selbstentzündung des gelagerten Materials (Kunstdünger und Holzpellets) sprachen trotz intensiver Suche keine Anhaltspunkte.

Für die Ermittler gab es deshalb nur noch eine Erklärung: "Das Feuer wurde wahrscheinlich durch eine unbekannte Person verursacht", wie das Polizeipräsidium in Aalen gestern mitteilte. Es sei daher derzeit davon auszugehen, "dass menschliches Verhalten den Brand ausgelöst haben muss." Offen bleibt für die Ermittler allerdings, "ob ein fahrlässiges oder vorsätzliches Handeln brandursächlich war", wie die Pressestelle der Polizei schreibt.

Die Kriminalpolizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung dieser Tat: Personen, die am Samstag, 22. August, zwischen 20 und 22 Uhr im Bereich der Mühle in Lobenhausen unterwegs waren, werden gebeten, unter Telefon 07 91/ 40 00 Kontakt mit der Polizei in Hall aufzunehmen. Dabei spielt es erst einmal keine Rolle, ob verdächtige Wahrnehmungen gemacht wurden oder nicht.

Aus dem Landratsamt in Schwäbisch Hall kommen dagegen keine neuen Hiobsbotschaften: Eine mit Spannung erwartete Untersuchung des Jagstwassers auf weitere Schadstoffe liegt seit gestern in ersten Teilen vor. Demnach bewegen sich die Werte für giftige Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Chrom im "normalen Bereich", wie es im Landratsamt hieß. Die festgestellten Werte für diese Stoffe seien sowohl für das Fließgewässer als auch für das Ausbringen des Wassers auf die Felder "völlig unbedenklich", wie die Behörde schreibt.

Erleichtert ist nicht nur das Landratsamt darüber, dass an einer Messstelle (Elpershofen) mit 0,4 Milligramm erstmals der tödliche Schadstoffwert für Fische (0,5) unterschritten wurde.

Kilometer um Kilometer fressen sich derweil weiter stromabwärts die Schadstoffe durch die Jagst und ersticken alles Leben im Fluss. Mindestens acht Tonnen tote Fische wurden bis jetzt auf einer Strecke von über 30 Kilometern geborgen.

Die toxischen Schwaden mit Ammonium und Nitrat erreichten gestern Berndshofen und Heimhausen im Hohenlohekreis, wo 38,8 beziehungsweise 34,4 Milligramm Ammonium pro Liter gemessen wurden.

Der Stoff Ammonium setzt auch Nitrat frei. Dessen Werte lagen gestern zwischen 3,7 Milligramm pro Liter in Hürden und 11,4 Milligramm an der Kreisgrenze - noch unter dem für Trinkwasser geltenden Grenzwert von 50 Milligramm. Bis jetzt ist die Trinkwasserversorgung laut Auskunft des Landratsamtes in Hall auch durch das Ammonium nicht gefährdet.

Das Landratsamt wies gestern nochmals darauf hin, dass von dem kontaminierten Jagstwasser keine akute Gesundheitsgefahr für Menschen ausgeht. Dennoch sollten die Helfer beim Einsammeln der toten Fische Schutzkleidung und Handschuhe tragen. Das Veterinäramt rät vorerst davon ab, überlebende Fische aus der Jagst zu verzehren.

Beim Krisenstab des Landratsamtes rückt jetzt wieder verstärkt die Brandstelle in Lobenhausen in den Blickpunkt. Nach wie vor wird dort verseuchtes Wasser abgepumpt. Die Behörde prüft derzeit, ob weitere Bauten die Schadensstelle absichern müssen, ein zusätzlicher Damm wurde bereits aufgeschüttet.

Daten und Kontakte

Eine Tabelle mit den Messwerten des kontaminierten Jagstwassers veröffentlicht das Landratsamt in Schwäbisch Hall auf seiner Webseite (www.lrasha.de). Dort stehen auch die Kontaktdaten von Ansprechpartnern für Fischereivereine (falls es Probleme mit der Entsorgung der Fische geben sollte) - sowie Informationen für Bürger, die den Anglern bei ihrer Mammutaufgabe freiwillig und ehrenamtlich helfen wollen. In diesem Fall vermitteln die betroffenen Kommunen den Kontakt zu den Vereinen. Für generelle Fragen zu dem Fischsterben und seinen Folgen steht Christina Ilg,

Bürgerreferentin des Landratsamts, nach wie vor unter der Telefonnummer 07 91 / 7 55-78 41 zur Verfügung. haz

SWP

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