Kreis Ludwigsburg Tatverdächtiger nach Verfolgungsfahrt wegen Mordversuchs in Haft

Kreis Ludwigsburg / DOMINIQUE LEIBBRAND 03.01.2014
Das Duo, das sich am vergangenen Wochenende eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hat, ist gefasst. Gegen einen der beiden Männer wird nun wegen versuchten Mordes ermittelt.

Hinter der filmreifen Verfolgungsjagd zwischen Bissingen und Unterriexingen am frühen Samstagmorgen, bei der zwei Polizisten verletzt und sechs Streifenwagen teils erheblich beschädigt wurden, stecken offenbar zwei Männer aus Markgröningen. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung des Ludwigsburger Polizeipräsidiums und der Staatsanwaltschaft Stuttgart hervor. Vor allem der Fahrer des Fluchtfahrzeugs hat jetzt mit harten Konsequenzen zu rechnen: Gegen ihn hat der Haftrichter am Amtsgericht Stuttgart am Donnerstag Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen. Er kam ins Gefängnis.

Der gleichaltrige Beifahrer des 19-Jährigen ist indes wieder auf freiem Fuß, wie der Ludwigsburger Polizeisprecher Peter Widenhorn mitteilt. Er habe umfangreiche Angaben gemacht und seinen Komplizen benannt.

Auf die Spur der Tatverdächtigen waren die Ermittler nach einem am Montag eingegangenen Tipp aus der Bevölkerung gekommen. Darüber hinaus hatte ein am Einsatz beteiligter Polizist den Beifahrer im schwarzen VW Golf erkannt.

Zu der rasanten Tour durch mehrere Ortschaften war es wohl überhaupt erst gekommen, weil die beiden Männer eine Polizeikontrolle befürchtet hatten. In ihrem Wagen, der mit einem im Dezember in Korntal-Münchingen geklauten Kennzeichen unterwegs war, hatten sie mehrere Drogen gehabt, die sie gleich zu Beginn der Jagd aus dem Fenster geworfen hatten. Zur Erinnerung: Gegen 4.10 Uhr waren die Heranwachsenden an der Einmündung zur Carl-Benz-Straße in Bietigheim-Bissingen auf eine Polizeistreife gestoßen, worauf der Fahrer unvermittelt Gas gegeben hatte. Die Polizei nahm daraufhin die Verfolgung auf - alsbald waren 14 Streifenbesatzungen und ein Hubschrauber hinter den beiden Männern her. Von Bissingen gings nach Tamm und schließlich nach Markgröningen. Die beiden Männer ignorierten dabei rote Ampeln, gefährdeten andere Autofahrer und Fußgänger, die zur Seite springen mussten, um nicht von dem Golf erfasst zu werden, und rammten - offensichtlich gezielt - insgesamt sechs Polizeiautos. Auch als die Polizisten am Hundesportplatz in Markgröningen-Unterriexingen auf die Reifen des Fluchtautos schossen, stoppte das den Wagen nicht. Später wurde er verlassen am Sportplatz in Unterriexingen gefunden.

Dass es die Polizei trotz des Großaufgebots nicht geschafft hat, die Flüchtenden auszubremsen, verteidigt sie nun. Frank Rebholz, der Leiter des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, räumt zwar ein: "Ich kann verstehen, dass der nicht sofort eingetretene Fahndungserfolg angesichts der verletzten Kollegen und der beschädigten Dienstfahrzeuge nur schwer nachzuvollziehen ist." Polizeibeamte müssten in einer solchen, zunächst völlig unerwarteten Situation aber schnell entscheiden, wie weit sie eine Verfolgung verantworten könnten, um dabei nicht andere Verkehrsteilnehmer, den Verfolgten oder sich selbst unnötig in Gefahr zu bringen. Der Polizeisprecher Peter Widenhorn ergänzt: Man müsse sich nicht dilettantische Arbeit nachsagen lassen, der Einsatz sei in Ordnung gewesen.

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