Wegen versuchten heimtückischen Mordes muss sich seit Montag ein 34-jähriger bulgarischer Staatsangehöriger vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Er soll am 18. April letzten Jahres in einer Kornwestheimer Flüchtlings-Unterkunft ohne Grund einen 29-jährigen Student angefallen und durch mehrere Messerstiche schwer verletzt haben.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wirft dem 34-Jährigen vor, an jenem Aprilabend gegen 20 Uhr plötzlich geglaubt zu haben, dass in der Unterkunft zwei Männer in einem Zimmer neben ihm einen Raubüberfall auf ihn verabredet hätten. Um dies zu verhindern, habe er sich aus der Küche ein Messer mit zwölf Zentimeter langer Klinge besorgt und von hinten auf den 29-Jährigen eingestochen. Mehrere Stiche mit der Folge schwerer Verletzungen haben die Mediziner des Ludwigsburger Klinikums später festgestellt und Lebensgefahr bejaht. Daher wurde das Opfer in eine Stuttgarter Spezialklinik überführt und dort notoperiert.

Stiche in die Schulter

Insgesamt soll der Beschuldigte mehrmals gegen die Schulter des Opfers, mit bis zu fünf Zentimeter Tiefe eingestochen haben. Dazu wurden weitere Messerstiche in Arm, Nacken sowie Bauchbereich festgestellt. Der Mann habe bei der Tatausführung heimtückisch gehandelt, sagt die Staatsanwältin. Wo genau das Motiv der Bluttat liegt, will das Gericht jetzt feststellen. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass der 34-Jährige zur Tatzeit infolge einer schweren psychischen Beeinträchtigung schuldunfähig sei. Er leide an einer krankhaften Störung. Obwohl der Beschuldigte am ersten Verhandlungstag keinerlei Angaben zum Tatablauf oder seiner Person machte, erfuhren die Richter durch Hinweise der psychiatrischen Gutachterin, dass er damals fremde Stimmen gehört habe. Er soll während der Messerstiche den Satz „Ich will tot“ gesagt haben.

Der Beschuldigte stammt aus Bulgarien, kam Anfang 2017 nach Deutschland, um als Gipser zu arbeiten, wie es in seiner Vita heißt. Zuvor habe er in Österreich auf dem Bau gearbeitet. 2018 arbeitete er in einem Ditzinger Unternehmen als Autoteile-Verpacker. Dort habe er gekündigt, weil er meinte, die Mafia sei beteiligt. Nach dem Antrag der Staatsanwältin und der Anhörung einer Sachverständigen soll der Beschuldigte wegen seiner psychischen Krankheit als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft und in einer geschlossene psychiatrische Einrichtung untergebracht werden. Die Schwurgerichtskammer wird nach drei weiteren Verhandlungstagen am 17. Januar entscheiden.