Damit eine Dauer-Mietbetrügerin nicht wieder ins Gefängnis muss, hat die Strafabteilung des Amtsgerichts Ludwigsburg beide Augen zugedrückt. Ihre vier Monate Freiheitsstrafe wurden dafür, dass die Frau 50 Stunden gemeinnützig arbeitet, zur Bewährung ausgesetzt. 265 Tage muss sie eventuell noch im Gefängnis absitzen. Die 66-jährige Deutsche, 14 Mal und fast immer einschlägig vorbestraft, mietete am 8. Dezember 2017 in Kornwestheim eine Einliegerwohnung an und blieb sogleich die Miete für Januar und Februar schuldig. Mit der Vermieterin hatte sie vereinbart, die Wohnung möbliert zu übernehmen, die Möbel aber auch nicht bezahlt. Was ihre finanzielle Lage betreffe, so habe die Angeklagte inzwischen einen Antrag auf Privatinsolvenz gestellt.

Vermieterin nicht anwesend

Die schwer kranke Vermieterin konnte nicht zur Gerichtsverhandlung kommen. Dafür trat die 62-jährige Vormieterin in den Zeugenstand. Sie hatte gegen die Angeklagte Anzeige bei der Polizei erstattet, wegen den Möbeln, die sie der Angeklagten verkauft, aber dafür bis heute keinen Cent gesehen habe. Auf telefonisches Nachfragen sei eine Ausrede nach der anderen gekommen. „Sie wusste, dass sie nicht bezahlen kann und hat trotzdem unterschrieben“, sah die Staatsanwältin den Betrug als erwiesen an. Die Frau stehe unter Bewährung, sei massiv vorbestraft und zeige eine hohe Rückfallgeschwindigkeit. Unter größten Bedenken könne ihr aber noch einmal Bewährung gegeben werden. So sah das Richterin Koblinger auch und setzte die Bewährungszeit auf drei Jahre fest. Die Angeklagte muss mit zwei Bewährungswiderrufen rechnen, die sie acht bis neun Monate ins Gefängnis führen könnten. Zudem, so die Richterin abschließend, könne es gut sein, dass die Staatsanwaltschaft in Berufung gehe, denn es sei kein klarer Fall für eine Bewährung.