Ein Mann sitzt auf dem Klo und denkt nach. Kein ungewöhnlicher Vorgang. Ein britischer Designer hat die Szene in einer bunten Porzellanminiatur festgehalten. Die hat den Zusatznutzen, dass man in ihr ein Heißgetränk zubereiten kann. 250 solcher zum Teil sehr skurrilen Teekannen sind von Sonntag (20. Oktober) an im städtischen Museum von Bietigheim-Bissingen zu sehen. „Die lustige Welt der Teekannen“ heißt die Sonderausstellung, die im Hornmoldhaus bis 19. April gezeigt wird.

Die Phantasie der Engländer scheint grenzenlos zu sein, wenn es darum geht, ihr Nationalgetränk in neue Formen zu gießen: Autos, Schreibmaschinen, Möbelstücke, Gitarrenverstärker, Comicfiguren und Tiere aller Art sowieso. Die Exponate haben zwar alle eine ähnliche Größe, aber jedes Teil ist ein Unikat im Aussehen. Die Besucher müssen zum Teil genau hinsehen, um den zumeist filigranen Ausguss zu entdecken – ebenso den Kannendeckel.

Die Sammlung stammt von Roland Schmitt, ein pensionierter Kunstlehrer aus Eislingen bei Göppingen. Ergänzt wird das Teekannen-Panoptikum mit traditionellem Teegeschirr aus Ländern, in der die Zubereitung des Genussgetränks ganz unterschiedlichen Prozeduren unterliegt. In den Vitrinen sind beispielsweise ein japanisches Teegeschirr zu sehen und ein russischer Samowar.

Die Museumsleiterin Dr. Catharina Raible hat die Ausstellung mit einem pädagogischen Anspruch kuratiert. Die studierte Kunsthistorikerin informiert die Besucher über Teekulturen in Europa, lässt sie an Teeblättern schnuppern und hat für die Zeit bis kommenden April ein umfangreiches Begleitprogramm zusammengestellt. Bereits am Eröffnungstag werden Besucher um 15 Uhr in die ostfriesische Teezeremonie eingeführt.

Der Fund einer Teekanne in Toilettenform war für Leihgeber Schmitt vor zehn Jahren ein Schlüsselerlebnis, wie er sagt. Der 67-Jährige sammelt seit 40 Jahren Klos und Badezimmermöbel in Puppenhausgröße. Etwa 1400 Einzelstücke stehen in seinem Einfamilienhaus. Der Denker auf der Schüssel hat seine Sammelleidenschaft auf die Teekannen erweitert. 300 hat er meist übers Internet in Großbritannien erstanden. Aus Platz- und Kostengründen habe er mit seinem Hobby abgeschlossen, sagt er. Das Teetrinken haben ihm die Briten im Übrigen abgewöhnt: „Mit 16 Jahren war ich zwei Wochen in Liverpool. Jeden Tag gab’s nur Tee.“ Das hat ihm gereicht. „Nun trinke ich nur noch Ingwertee, wenn’s mir nicht gut geht.“

Info Das Stadtmuseum ist Dienstag, Mittwoch und Freitag, von 13.45 bis 17.45 Uhr sowie Donnerstag, von 13.45 bis 19.45 Uhr sowie Samstag, Sonntag und feiertags, von 10.45 bis 17.45 Uhr geöffnet. Montags ist das Hornmoldhaus geschlossen. Eintritt frei

Neue Ausstellung: Eröffnung und erste Veranstaltungen


Die Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Die lustige Welt der Teekannen“ im Ratssaal des Rathauses, Marktplatz 8, ist am 20. Oktober, von 11 bis 12 Uhr mit anschließender „Teatime“ im Stadtmuseum Hornmoldhaus. Eine Ostfriesische Teezeremonie gibt es dann von 15 bis 16 Uhr mit Dr. Petra Lanfermann inklusive Kurzführung mit Dr. Catharina Raible.

Ein Kinderworkshop „Kräuter- und Früchtetees“ wird am 29. Oktober, von 10 bis 12 Uhr angeboten. Für Kinder ab sechs Jahren, Anmeldung erforderlich, Kosten: 5 Euro. Führung und Teestunde gibt es am 31. Oktober, von 15 bis 16.30 Uhr. Anmeldung erforderlich, 5 Euro.

Infos und Anmeldung unter Telefon (07142) 7 43 52 oder per E-Mail an stadtmuseum@bietigheim-bissingen.de bz