Kinderbetreuung Geborgenheit steht ganz oben

Das Klettergerüst im Kinderhaus Mikado sieht wie ein Mikadospiel aus.
Das Klettergerüst im Kinderhaus Mikado sieht wie ein Mikadospiel aus. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Von Susanne Yvette Walter 31.07.2018

Vor zehn Jahren galt das Kinderhaus Mikado als Pilotprojekt: Es war das erste Kinderhaus, das in der Region unter neuen Vorzeichen startete. Das Konzept, ohne feste Stammgruppen zu arbeiten, hat sich bewährt.

„Das war damals schon etwas Besonderes, weil wir noch keine Erfahrung hatten“, beschreibt Kinderhaus-Leiterin Sybille Hoevel die Anfangssituation. Es gab viel zu entwickeln und zu besprechen mit dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung.

Statt mit festen Stammgruppen zu arbeiten können sich hier Kinder verschiedenen Alters in verschiedenen Bildungsbereichen frei bewegen. Es gibt verschiedene Bildungsräume, die durch ihr vielfältiges Materialangebot Kinder zum Forschen und Entdecken einladen: einen Theaterraum, einen Tier- und Naturraum, einen Wahrnehmungsraum, eine Schreib- und Sprachwerkstatt, einen Bewegungsraum, einen Bau- und Konstruktionsraum, einen Experimentierraum, einen Kreativraum und einen Werkraum.

„Wir hatten lange Zeit immer zwei Hunde da, meinen und den einer Betreuerin, es ist uns sehr wichtig, dass Kinder auch Erfahrungen mit Tieren machen“, so Sybille Hoevel

„Der Bedarf an Plätzen war von Anfang an groß und ist es immer noch: Es gibt im Kinderhaus Mikado wie in anderen Einrichtungen einige VÖ-Plätze, das heißt Veränderte Öffnungszeiten für sechs bis sieben Stunden. Bei uns gibt es ein Angebot, bei dem die Kinder acht bis zehn Stunden da sind. Dabei ist es uns sehr wichtig, diese liebevolle Geborgenheit zu geben, weil die Kinder doch sehr viel Zeit hier verbringen und mit einem Jahr schon hier sind“, erklärt Sybille Hoevel und lobt an dieser Stelle ihr Team, das in Schichten eingeteilt wird.

Um rund 100 Kinder kümmern sich momentan 33 Kräfte in verschiedenen Bereichen: pädagogische Fach- und Küchenkräfte und Auszubildende gibt es auch. „Wir gehen individuell auf die Kinder ein, und das ist schon eine große Herausforderung für meine Fachkräfte. Deshalb leiste ich Teampflege. Wir sind so eine Art große Familie. Die Kinder spüren das, ob ein Team passt oder nicht. Das ist die Basis - auch für die Kinder“, macht sie deutlich. Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kinderhaus ist eine weitere wichtige Säule in der pädagogischen Arbeit, weil sie die Bildungschancen der Kinder erhöht.

Der Außenbereich wurde jetzt im Juni neu umgestaltet. „Wir haben einen neuen Belag bekommen und unser Klettergerüst wurde neu gestrichen. Es ist unser Markenzeichen – in Mikadoform“, betont Sybille Hoevel.

In den vergangenen zehn Jahren sei das Kinderhaus Mikado immer stark frequentiert gewesen, denn es gibt noch nicht genug Kleinkinderplätze in Bietigheim-Bissingen. Das Mittagessen nehmen hier alle gemeinsam ein. Es wird geliefert.

Einmal im Monat gibt es einen Wald- und Wiesentag und ständig wechseln altersentsprechende Angebote im Haus. Die Kinder sind grob in drei Altersbereiche unterteilt, in eins bis dreijährige, in drei und vierjährige und in vier bis sechsjährige. „Die Vorschüler sind unsere Entdecker. Die Fachkräfte sind diesen Altersbereichen zugeteilt und haben ihre Bezugskinder. Vor allem auch für die Eltern sind sie dann die ersten Ansprechpartner. Doch obwohl die Kinder in den Altersbereichen ihren festen Tagesablauf haben, können sie sich frei bewegen.“

Die Anfänge seien nicht ganz einfach gewesen. „Es hat lange gedauert, bis wir unseren Weg gefunden haben und der ist jetzt sehr stabil durch die vielen Erfahrungen, die uns geprägt und bereichert haben. Wir mussten alles selbst ausprobieren. Ein Vorgängermodell in der Umgebung gab es nicht“, macht Sybille Hoevel klar, „denn das offene Arbeiten, nicht mehr mit Stammgruppen, sondern mit Bildungsbereichen war ganz neu“, betont sie.

Besuche aus der Umgebung

Das hatte zur Konsequenz, dass das Kinderhaus Mikado Mitarbeiter von Gemeinden aus der ganzen Umgebung besucht haben. „Die kamen alle hierher, weil sie gar nicht wussten, wie so was aussieht und wie es funktioniert. Es kamen auch Bürgermeister zu uns, die auch Kinderhäuser bauen wollten“, erzählt Sybille Hoevel.

Die Leiterin des Kinderhauses Mikados war schon beim Aufbau dabei. Früher arbeitete sie im Schülerhort in der Buchschule. Sybille Hoevel ist seit 25 Jahre bei der Stadt.

„Wir waren jetzt lange das größte Haus“, berichtet sie. Das Kinderhaus Malefiz ist angebaut worden, ist aber eine eigene Einrichtung, und  kleiner als das Mikado. Später kam das Kinderhaus in Untermberg und das Kinderhaus Buch dazu.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel