Rockerprozess Ein auffälliger Aufdruck als Indiz

Kornwestheim / Bernd Winckler 06.12.2018

Inzwischen ist auch dem Stuttgarter Landgericht klar, dass der zweite, parallel laufende, Prozess gegen eine fünfköpfige Osmanen-Rockergruppe noch andauern wird. Alle Fünf schweigen zum Vorwurf, in Kornwestheim einen Kurden zu töten versucht zu haben, als dieser gerade in sein Auto einstieg. Nach wie vor geht es um die Frage: Waren die Fünf wirklich die Angreifer?

Dazu hat die 4. Große Strafkammer seit Beginn des Verfahrens gegen die Männer bereits zahlreiche Zeugen vernommen. Keiner hat eine genaue Personenbeschreibung abgeben können, allerdings erinnern sie sich an einen auffallenden Aufdruck auf einer der Jacken.

Vor dem Elternhaus attackiert

Das 26-jährige Opfer war am Abend des 12. Februar dieses Jahres in Kornwestheim vor seinem Elternhaus von mehreren Vermummten mit Schlagstöcken und Macheten angegriffen und schwer verletzt worden. Am gestrigen Prozesstag ließ die vorsitzende Richterin der 4. Kammer, vor der der Prozess seit dem 12. November stattfindet, Fotos der Polizei auf eine Leinwand projizieren. Dabei auch eine dunkle Jacke, die man bei einem der Angeklagten sichergestellt hat. Die Jacke trägt eine Aufschrift am Rücken. Ob es dieselbe ist, wie auf dem Kleidungsstück am Tatabend, ist ungeklärt. Die Polizei stellte bei einem der Angeklagten auch eine umgebaute Schreckschusspistole sicher, mit der scharf geschossen werden kann, die allerdings bei der angeklagten Tat keine Rolle spielte. Dunkle Jacke, umgebaute Waffe, diese Beweisstücke sind noch nicht ausreichend für eine Schuldfeststellung. Immerhin geht es in dem Verfahren um gemeinschaftlichen versuchten Mord. Die Anklage geht dennoch davon aus, dass das Quintett damals als Racheakt, weil das Opfer kurdischer Abstammung sei, angriff und durch die massiven Schnitt-Verletzungen mit der Machete am Oberschenkel seinen Tod in Kauf nahmen. Wann und ob die Angeklagten etwas sagen, ist offen.

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