London Bitterer Abschied für Rekord-Olympionike Schumann

Ralf Schumann wird nach den Spielen in London seine olympische Karriere beenden. Foto: Geoff Caddick
Ralf Schumann wird nach den Spielen in London seine olympische Karriere beenden. Foto: Geoff Caddick
Von Frank Kastner, dpa 03.08.2012
Der letzte olympische Schuss war kein Volltreffer. Nach einer Neun und Platz 16 trat Deutschlands Rekord-Olympionike Ralf Schumann verärgert und verbittert ab.

Der Frust galt aber nicht dem Aus in der Qualifikation des Olympia-Wettbewerbs mit der Schnellfeuerpistole, sondern seiner fehlenden Perspektive. "Die Sporthilfe ist nun beendet und es wäre gut, wenn man wissen würde, wie es weiter geht", sagte Schumann.

Den schwachen Auftritt in London hatte der dreimalige Olympiasieger nach einem Waffendefekt relativ schnell angehakt. "Jetzt geht es mir vielleicht so, wie es früher immer den anderen gegangen ist. Ich bin nicht happy, aber enttäuscht ist man nur dann, wenn man sich irgendwo reingetäuscht hat", philosophierte Schumann.

Seine Stimme klang erst nach Enttäuschung, als der 50 Jahre alte Dauerbrenner am Schießstand einen Blick in die Zukunft warf. Schumann möchte Pistolen-Bundestrainer werden, doch der Posten wird erst in zwei Jahren frei, wenn Peter Kraneis aufhört. "Der Deutsche Schützenbund und der Thüringische Schützenbund müssen sich mal zusammen setzen und einen Plan machen. Aber es ist eben eine komische Situation, wenn der Plan erst nach Olympia gemacht wird", sagte der gelernte Kfz-Schlosser und Feinmechaniker.

Er habe im Vorfeld der Sommerspiele darauf hingewiesen, dass es als Sportler schön wäre, vorher zu wissen, wie es weitergehe. "Ich weiß nicht, was jetzt kommt", betonte Schumann. Der DSB sieht derzeit keinen Handlungsbedarf. "Wir werden 2013 einen Wechsel vorbereiten. Doch die Stelle wird dann erstmal ausgeschrieben", sagte Sportdirektor Heiner Gabelmann der Nachrichtenagentur dpa.

Für den viermaligen Weltmeister und 13-fachen Europameister Schumann, der seit Mitte Oktober 2011 auch über das Hochschuldiplom als Trainer verfügt, ist die Situation mehr als unbefriedigend. "Wenn andere damit ruhig umgehen können, ist es toll. Für mich ist es nicht beruhigend."

Bei seinem letzten olympischen Wettkampf hatte er auch noch Pech. Nach einem Defekt an der Waffe musste er mit dem Ersatzgerät weiterschießen. "Das bringt nicht unbedingt Ruhe rein. Es war kein Abdruck auf der Patrone drauf. Ich muss kontrollieren, ob der Schlagbolzen beschädigt ist. Dieser war aber gerade neu, hatte nur 100 Schuss oder so weg. Das werde ich aber erst feststellen können, wenn die Waffe auseinandergenommen wurde", berichtete Schumann und fügte hinzu: "Es kann auch an der Munition gelegen haben."