• Der Markt für Kryptowährungen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.
  • Die Digitalwährungen Bitcoin, Ethereum oder Dogecoin stehen in der Kritik wegen der schlechten Umweltbilanz.
  • Bitcoin wird wegen des hohen Stromverbrauchs, den das sogenannte Mining erfordert, seit längerem kritisiert.
  • Tesla-Chef Elon Musk will keine Bitcoin-Zahlungen mehr akzeptieren.
  • China will den Markt der Kryptowährungen stärker regulieren.
Die Furcht vor einer stärkeren Regulierung hat den Markt für Kryptowährungen einbrechen lassen. Nach einer Mitteilung der chinesischen Notenbank, wonach Digitalwährungen nicht für Zahlungszwecke verwendet werden dürfen, gaben viele Digitalwerte am Mittwoch (19.05.2021) nach. Die Kursverluste bewegten sich bei den wichtigsten Währungen deutlich im zweistelligen Prozentbereich. Selbst für den schwankungsanfälligen Kryptomarkt sind das außergewöhnlich hohe Verluste.

Kursverlust bei Kryptowährungen: Bitcoin verliert 25 Prozent des Wertes

  • Die nach Marktanteil wichtigste Digitalwährung Bitcoin sackte auf der Handelsplattform Bitstamp zeitweilig um etwa 25 Prozent auf 30.066 US-Dollar ab. Es ist das niedrigste Niveau seit Ende Januar. Das Rekordhoch wurde Mitte April mit knapp 65.000 Dollar erreicht.
  • Die zweitgrößte Digitalwährung Ethereum geriet noch stärker unter Druck. Sie fiel am Nachmittag um bis zu 40 Prozent bis auf knapp 2000 Dollar. Am späten Nachmittag konnten die Währungen einen Teil ihrer Verluste wieder wettmachen. Für beide gab es aber weiter ein Minus im zweistelligen Prozentbereich.
  • Die Bitcoin-Parodie Dogecoin fiel ebenfalls um 30 Prozent, die in an der deutschen Börse gelisteten Aktien der Krypto-Börse Coinbase gaben um etliche Prozentpunkte nach.

China verbietet Zahlungen mit Kryptowährungen

Die chinesische Notenbank stellte klar, dass Kryptowährungen nicht verwendet werden sollten, da es sich nicht um echte Währungen handele. Auch sei es Finanz- und Zahlungsdienstleistern nicht gestattet, Produkte oder Dienstleistungen in Digitalwährungen auszuzeichnen.
China ist schon länger für seine kritische Haltung gegenüber Kryptoanlagen bekannt. Das Land arbeitet deshalb selbst an einer digitalen Variante seiner Landeswährung Yuan und führt bereits erste Feldversuche durch. Unter den großen Volkswirtschaften gilt China bei der Entwicklung einer Digitalwährung als am weitesten fortgeschritten. Auch die Europäische Zentralbank fasst einen digitalen Euro ins Auge. Die Arbeiten sind aber noch am Anfang.

Tesla akzeptiert Bitcoin nicht mehr als Zahlungsmittel

Die Mitteilung der chinesischen Notenbank trifft auf einen angeschlagenen Markt. Für erhebliche Verunsicherung sorgte zuletzt vor allem Tesla-Chef und Krypto-Befürworter Elon Musk. Er hatte den im Februar eingeschlagenen Kurs des Elektroautobauers Tesla, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren, korrigiert. Als Grund nannte Musk eine schlechte Umweltbilanz. Da der hohe Energieverbrauch des Bitcoin-Netzwerks schon lange bekannt ist, sorgte die Kurskorrektur unter Fachleuten für Verwunderung.

Tesla-Chef Musk entdeckt das Klimaproblem des Stromfressers Bitcoin

Elon Musk schockt mit seiner Kehrtwende beim Bitcoin die Kryptowelt. Völlig überraschend kündigte der Tesla-Chef an, wegen Umweltbedenken künftig keine Bitcoin mehr als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Zuvor hatte die Kryptowährung eine Kursrallye erlebt und war auf fast 64.000 Dollar gestiegen - maßgeblich angetrieben von Großanleger Musk. Das dezentrale Bitcoin-Netzwerk verbraucht riesige Mengen an Strom. Und der stammt zu einem bedeutsamen Teil nicht aus nachhaltigen Quellen.
Wie hoch der Strombedarf des Bitcoin insgesamt ausfällt, kann man nirgendwo exakt ablesen. Forscher am Center for Alternative Finance der Universität Cambridge haben einen Jahresverbrauch von rund 141 Terawattstunden pro Jahr errechnet. So viel Energie verbrauchen auch ungefähr die Niederlande, ein Land mit 17 Millionen Einwohnern. Der hohe Energieverbrauch kann auch auf die konkrete Verwendung des Bitcoin heruntergebrochen werden: Die Cambridge-Forscher haben ausgerechnet, dass jede Transaktion einen Fußabdruck von 428 Kilogramm des Klimagases CO2 hinterlässt. Das entspricht knapp einer Million Buchungen beim Kreditkartenanbieter Visa oder dem Konsum von rund 71.000 Stunden YouTube-Videos.

Kryptowährung: Was sind Bitcoins und wie funktionieren sie?

Der Begriff Bitcoin setzt sich zusammen aus dem Wort für die kleinste digitale Einheit, dem Bit, und dem eng­lischen Wort Coin für Münze. Der Erfinder ist nur unter dem Pseudonym „Satoshi Nakomoto“ bekannt. Von Bitcoins gibt es weder echte Münzen noch Scheine. Sie existieren nur als digitale Zeichen­folge. Dahinter steht aber kein realer Wert. Neue Bitcoins werden nach Angaben der Stiftung Warentest von den Nutzern selbst mithilfe von mathematischen Verfahren erstellt. Die Guthaben und Zahlungen werden in einem dezentralen Netz­werk verwaltet, der Block­chain. Um eine Über­weisung mit Bitcoins zu verbuchen, muss eine komplizierte Rechen­aufgabe gelöst werden. Wer das als Erster schafft, bekommt Bitcoins als Belohnung. Man spricht von Mining, auf deutsch dem „Schürfen von Bitcoins“.

Bitcoin, Ether & Co.: Die wichtigsten Kryptowährungen der Welt

Krypto- oder Digitalwährungen gibt es noch nicht besonders lange. Entstanden sind sie mit der großen Finanzkrise vor etwas mehr als zehn Jahren. Die neuartigen Anlageformen haben viele Fans, aber auch zahlreiche Gegner. Befürworter schätzen vor allem die Freiheit vor staatlichem Zugriff, Kritiker sehen genau darin ein Einfallstor für Missbrauch. Das soll sich ändern: Die EU-Kommission will das bisher weitgehend ungeregelte Digitalgeld regulieren. Welche Kryptowährungen wären betroffen? Ein Überblick:

Bitcoin

Der Bitcoin ist die bei weitem älteste und bekannteste Digitalwährung. Er hat zudem mit aktuell etwa 46 Prozent noch den größten Marktanteil unter den derzeit rund 7000 Kryptowährungen. Entstanden ist der Bitcoin zu Zeiten der Finanzkrise 2008. Sein Erfinder ist bis heute nur unter einem Decknamen bekannt. Wichtigste Merkmale des Bitcoin sind seine dezentrale Organisation und die Verwendung der Datenbanktechnik „Blockchain“. Beides zusammen sichert den Bitcoin-Nutzern ein hohes Maß an Anonymität: Zahlungen in Bitcoin sind praktisch nicht nachzuverfolgen.

Ethereum

Ether ist nach Bitcoin die zweitgrößte Digitalwährung der Welt. Ihr Marktanteil beträgt etwas mehr als zehn Prozent. Kennzeichnend für Ether ist zum einen die ebenfalls dezentrale Organisation des zugrundeliegenden Netzwerks Ethereum. Zum anderen - und das ist ein wichtiger Unterschied zum Bitcoin - liegt ein Schwerpunkt von Ether auf „intelligenten Verträgen“. Bei diesen sogenannten Smart Contracts handelt es sich im Grunde um kleine Computerprogramme, die Verträge nach der Zahlungsabwicklung quasi automatisch ausführen können. Ähnlich wie der Datenbanktechnik Blockchain wird Smart Contracts eine große Zukunft vorhergesagt.

Dogecoin

Bei der seit 2013 existierenden Digitalwährung Dogecoin sollte es sich eigentlich um einen Witz handeln. Doch angetrieben von Promis wie Tesla-Chef Elon Musk, Rap-Mogul Snoop Dogg oder Tech-Milliardär Mark Cuban wurden Dogecoins zu einem der heißesten Spekulationsobjekte auf dem Finanzmarkt. Jahrelang kannte außerhalb der Kryptoszene kaum jemand die Digitalwährung. Nun hatte sie zeitweise schon einen Marktwert von rund 80 Milliarden Dollar erreicht, das entspricht fast dem Börsenwert des größten US-Autobauers General Motors. Dogecoin wurde damit vorübergehend zur viertgrößten Kryptowährung.

Tether

Tether gehört zu den „Stable Coins“, deren Wert durch die Unterlegung mit klassischen Anlagen garantiert wird. Im Fall von Tether ist es die weltgrößte Währung US-Dollar. Dadurch wird jedoch eine wichtige Idee des Kryptowährungskonzepts verletzt, nämlich die Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen. Dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - erfreut sich Tether großer Beliebtheit. Ein Vorteil der Anbindung an den US-Dollar ist nämlich, dass der Kurs im Vergleich zu anderen Digitalwährungen weniger stark schwankt. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Zweifel, ob die behauptete Deckung mit US-Dollar den Tatsachen entspricht.

Libra

Ähnlich wie Tether ist Libra eine Digitalwährung nach dem Prinzip „Stable Coins“, jedoch mit zwei gewaltigen Unterschieden. Erstens: Es gibt sie noch gar nicht. Zweitens: Hinter Libra steht mit Facebook eines der mächtigsten Technologieunternehmen der Welt. Die Idee von Libra ist, einer Digitalwährung auf breiter Front den kommerziellen Durchbruch zu verschaffen. Das Problem: Staatliche Institutionen sind davon überhaupt nicht begeistert. Zwar untersuchen auch Staaten und Zentralbanken seit längerem, wie sie sich das Konzept digitaler Währungen nutzbar machen können. Sie lassen sich dabei aber nicht gerne das Zepter aus der Hand nehmen. Auf entsprechend großen Widerstand stößt daher die von Facebook initiierte „Libra Association“ mit ihrem Vorhaben.

Digital-Yuan

Schon länger arbeitet China an der digitalen Variante seiner Währung Yuan oder Renminbi. Das Vorhaben steht im klaren Gegensatz zu den freiheitlichen Ideen, die die Vordenker digitaler Währungen einst hatten. Denn eine staatlich unkontrollierte, dezentrale Währung mit anonymisierten Zahlungsvorgängen ist sicherlich nicht das, was die politische Führung der Volksrepublik im Sinn hat. Im Gegenteil dürfte ihr eher daran gelegen sein, Zahlungsvorgänge und damit verbundene Geschäfte möglichst engmaschig zu kontrollieren. Der Digital-Yuan kann damit als eine Art Gegenentwurf zur Ur-Kryptowährung Bitcoin angesehen werden.