Blaufelden / Sebastian Unbehauen  Uhr
Chris Reckwardt liebt Musik, schreibt selbst Songs und will jetzt seine erste EP aufnehmen. Das nötige Geld sammelt er momentan im Internet – sehr erfolgreich.

Chris Reckwardt wusste nicht, was er eigentlich mit seinem Leben anfangen sollte. Er hatte den Realschulabschluss in Blaufelden gemacht, eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert, war für ein Jahr nach Kanada gegangen, hatte sein Abi nachgeholt, ein Lehramtsstudium angefangen und wieder abgebrochen. Und jetzt? Der Billingsbacher ging zur Selbstfindung nach England, besuchte eine Schule für persönliche Entfaltung, arbeitete bei verschiedenen sozialen Projekten in Manchester mit – und: hatte viel Zeit, sich intensiv mit Musik zu beschäftigen, Gefühle in Noten zu wandeln. Zwei Wünsche reiften: Soziale Arbeit wollte er studieren (was er heute in Ludwigsburg tut), Songs wollte er schreiben und sie auch in die Welt hinaustragen (was er mit einer EP, also einer CD mit nur fünf Liedern, tun will).

Dank Crowd-Funding ist das Geld für die CD gesichert

Für Zweiteres sind freilich nicht nur Talent und Leidenschaft nötig, sondern auch Geld. Und so startete der 28-Jährige vor ein paar Wochen eine Crowdfunding-Aktion im Internet. Will heißen: Er sammelt Spenden, um sich seinen Traum verwirklichen zu können. Sage und schreibe 92 Unterstützer hat Reckwardt auf diese Weise bisher schon gewonnen, 4459 Euro geben sie. Damit ist die CD-Produktion gesichert. Erreicht er die 5000 Euro, können seine Aufnahmen noch perfekt abgemischt werden, ein Musikvideo soll entstehen und auch ein Cover für die EP muss her. Reckwardt ist begeistert von der Resonanz auf seine Aktion: „Mega, ich hätte nie gedacht, dass mich so viele Menschen unterstützen.“

Musiker war der Billingsbacher übrigens gefühlt schon immer. So abgedroschen es klingen mag, hier stimmt es einmal wirklich: Die Leidenschaft wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater spielte nämlich in einer Coverband. Freitags, samstags, sonntags standen Auftritte an. Unter der Woche wurde bei den Reckwardts im Keller geprobt. „Ich habe schon mit fünf, sechs Jahren an der Gitarre rumgeschrubbt“, erinnert sich Chris Reckwardt. Danach war erst einmal die obligatorische Blockflöte dran, bevor er mit acht tatsächlich Gitarrenunterricht nahm.

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Reckwardts Gitarre stand nie ganz in der Ecke

Gerade einmal 14 war er, als sein Vater starb. Von da an spielte die Musik für ihn vorübergehend keine zentrale Rolle mehr. Fußballspielen war jetzt wichtiger. „Ganz in die Ecke gestellt habe ich die Gitarre aber nie.“

Heute ist Reckwardt selbst regelmäßig mit einer Coverband unterwegs, tritt als Hochzeitssänger auf, startet demnächst mit seinen eigenen Liedern eine kleine Tour durch WGs – und hofft natürlich, dass die EP ihm neue Türen öffnet. Eine echte Karriere im Musikgeschäft wäre ein Traum, klar. Aber: „Im Fokus steht: Ich will Spaß haben.“

Reckwardts Lieder erinnern an Philipp Poisel: ruhiger, nachdenklicher Deutsch-Pop, mit Texten, die immer etwas mit eigenen Erfahrungen zu tun haben, wie er betont. Aufgenommen hat der Billingsbacher sie mit befreundeten Musikern, „die ihre Kreativität mit eingebracht haben und ohne deren Unterstützung es niemals funktioniert hätte“. Diese Botschaft ist ihm wichtig.

Reckwardt ist gespannt, wie’s weitergeht: „Ich hoffe einfach, dass ich Gigs kriege, dass ich viel spielen kann.“ Und wenn’s so kommt, war’s bestimmt nicht die letzte CD. Prognose: Man wird weiter von Reckwardt hören.

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Info

Ein Release-Konzert gibt’s am Freitag, 27. September, im Billingsbacher Vereinsheim. Karten und Spendenmöglichkeit gibt es im Netz zu finden.