Feuerwehr Bilder im Kopf verändern sich

Crailsheim / Birgit Trinkle 02.06.2018

Feuerwehrmann werden wollen viele Kinder. Ist der Mädchenanteil bei Löschzwergen, Miniwehr, Fire-Kids oder wie immer sich die Kinderfeuerwehren nennen, sehr hoch, zeichnet sich bereits beim Übergang von der spielerischen Jugendarbeit zur aktiven Wehr ab, dass vor allem die Jungs weitermachen. Beim Blick auf die Kommandanten wird vollends klar, wie’s kommt, dass zumindest bei den Bildern im Kopf das Feuerlöschen noch immer Männersache ist.

Weibliche Vorbilder fehlen in der Führungsebene weitgehend, und dass die Wehr nicht mit 20 Mann im Einsatz war, sondern mit 20 Männern und Frauen, ist eine Information, die erst allmählich ankommt und an den Bildern im Kopf kratzt. Der Dank dafür gebührt Feuerwehrfrauen wie denen in Langenburg.

Dass Simone Schnepf für die Feuerwehr brennt, ist als Bild so gut wie jedes andere, das von unbedingtem Einsatz spricht. Feuer gefangen hat sie, als sie noch so klein war, dass sie gar nicht wusste wie ihr geschah. Der Papa ist in der Bächlinger Wehr, und für die Kleine stand von Anfang an fest, dass sie das später auch tun wollte: Aufspringen, wenn’s sein muss mitten in der Nacht, in Jacke und Stiefel schlüpfen und im Laufschritt aus dem Haus eilen, weil da jemand auf Hilfe wartet. Leute wie ihr Papa waren es, die dafür sorgten, dass tatsächlich Hilfe kam – zum Feuer, zum Unfallauto, zum überfluteten Keller.

Mit zehn Jahren trat die Kleine dann in die Jugendfeuerwehr ein, früher ging’s einfach nicht. Und seither ist sie dabei. Bald wollen sie und ihr Papa gemeinsam das 60-Jährige feiern: Dann ist sie 20, er 40 Jahre Teil der Langenburger Feuerwehr.

Simone Schnepf war die erste Frau in der aktiven Wehr des Teilorts Bächlingen. Das war nie Thema, sagt sie: Man kannte sie ja, wusste, dass sie zupacken kann, wie zuverlässig sie ist und wie gelassen in brenzligen Situationen. Und seither hat sie sich vielfach bewährt, beim Jagstunglück, als sie allein am ersten Tag 16 Stunden im Einsatz war, oder bei jenem verheerenden Unwetter am 31. Mai 2016, als sie zuerst gemeinsam mit der Wehr anderen half, dann den eigenen vollgelaufenen Keller anging.

Simone Schnepf, 27 Jahre alt, kaufmännische Angestellte mit dem bronzenen Leistungsabzeichen der Feuerwehr, und erfolreich überstandenen Aktionen wie der Leistungsmarsch in Gerabronn-Dünsbach, war in Langenburg als Vorbild für die Mädels so überzeugend, dass sich die Frauenfrage hier schon lange nicht mehr stellt. Tanja Krebs ist mittlerweile dabei, Julia Gansky, Laura Wengert, Marina Köhler und Mara Fernsler.

Umweg über die Jugendarbeit

Mara Fernsler kam über ihren Mann zur Feuerwehr, 2011, als sie noch Mara Kraushaar hieß und gerade mal 19 Jahre jung war. Nicht nur der damalige Freund, auch dessen Bruder und Vater waren in der Wehr engagiert, und weil sie nicht nichts tun kann und als Pädagogikstudentin ohnehin prädestiniert war, hat sie angefangen, die Kinderfeuerwehr zu betreuen.

Na, und eines Tages kam Kommandant Eberhard Krebs mit der Nachricht, sie sei für den Grundlehrgang angemeldet: Wer so viel mit dem Nachwuchs der Wehr arbeite, müsse schon eine Ahnung haben vom Feuerlöschgeschäft, hat er gesagt und dann mit ihr gelacht.

Auch sie hat längst das Leistungszeichen, ist Gruppenführerin und begeistert überall dabei, wo’s darum geht, anzupacken. Als Atemschutzgeräteträgerin muss sie einmal im Jahr „durch die Strecke“ in Hall, was Männer und Frauen gleichermaßen an ihre Grenzen bringt. „Momentan finde ich Fahrradfahren ohne Montur schon anstrengend“, sagt sie, aber das wird sich wieder ändern.

Die Frauen in der Langenburger Wehr gehören ganz selbstverständlich dazu. Dass das auch anders geht, wurde beim Jagstunglück deutlich. Als sich nach dem Brand der Lobenhäuser Mühle im August 2015 Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis zusammentaten, um weiteres Fischsterben zu verhindern, trafen Feuerwehrfrauen erstmals auf Feuerwehrmänner, die noch nie Seite an Seite mit einer Frau gearbeitet hatten. Da wurde dann um die Handynummer gebeten oder ein ums andere Mal die Aufgabenverteilung in Frage gestellt: „Kannste mal ne Pizza holen?“

Ganz abgesehen von traditioneller Rollenverteilung: In keinem Gespräch über Frauen in der Wehr fehlt der Hinweis auf die Familie. Dass der Partner schon mal die Stiefel bereitstellt oder mit wehendem Nachtgewand die Garage öffnet, dass tage- und nächtelanger Einsatz mitgetragen wird, allein das macht Feuerwehr zur Familienangelegenheit. Ganz gleich, welcher Partner letztendlich anderer Leute Leib und Leben, Hab und Gut schützt.

Zahl

Anlauf steht hier, hier die Erklärung

Zahlen und Stellungnahme des Verbands

Im Landkreis wurden zum 31. Dezember 2017 in 78 Einsatzabteilungen 2978 Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren gezählt. Mit den Hauptamtlichen und den Werksfeuerwehren waren es 3021 Gesamtmitglieder. Davon sind rund 150 Frauen, Tendenz steigend.
Die 794 Kinder- und Jugendfeuerwehrler setzen sich in einigen Städten und Gemeinden je zur Hälfte aus Jungs und Mädels zusammen; im Schnitt stellen die Mädchen etwa ein Drittel der Mitglieder.
Die 722 Angehörigen der Altersabteilungen sind fast ausschließlich Männer.

Der Kreisfeuerwehrverband hat in den einzelnen Abteilungen den Wunsch nach weiteren Frauen bei den Aktiven abgefragt und Unterstützung angeboten. Etwa die Hälfte wünscht sich Unterstützung und will am Frauenanteil arbeiten, die andere Hälfte hat bereits mehrere Frauen in ihren Reihen oder lässt dieses Thema ohne zusätzliche Werbung auf sich zukommen.

Was Frauen den Weg ebnen dürfte, ist das Problem der zunehmend fehlenden Tagesbereitschaft und der steigende Bedarf an weiteren Einsatzkräften.

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