Musik wummert aus den Boxen, Langhanteln knallen auf den Boden. Es riecht metallisch im Fitness-Studio. Mittendrin ein zierliches Mädchen, das sich vor einem Spiegel in Pose wirft. In Leggins, Sport-BH und mit Fitness-Handschuhen dreht sie sich mit ihrem Handy in der Hand von rechts nach links, hebt den Kopf, senkt das Kinn, stützt einen Arm in die Hüfte. Nach ein paar Minuten scheint der perfekte Schnappschuss geschafft. Und der landet dann im Internet.

Die sozialen Netzwerke sind voll von solchen Bildern. Doch was treibt die Menschen dazu, sich so zu präsentieren? „Es geht um Bestätigung“, erklärt Markus Gretz, sportpsychologischer Berater aus Ulm. Es geht darum, positive Kommentare oder Likes zu sammeln. „Das löst Glücksgefühle aus, ähnlich wie eine Droge“, so Gretz. Und es entsteht sozialer Druck. Wer im Verein ist, wird von den Kollegen gefragt, warum man seit Wochen nicht mehr beim Training war. Wer sich im Studio oder zu Hause fit hält, dem fehlt diese  Kontrolle – aber der kann sich ihr über das Internet  freiwillig aussetzen.

Auch Lisa Schöben präsentiert sich regelmäßig auf ihrem Instagram-Account. Videos von ihren Workouts, Bilder im Bikini und von ihrem Essen dominieren ihr Online-Profil. Dabei hat sie sich im Sommer 2014 eigentlich angemeldet, um Urlaubsbilder mit ihren Freundinnen zu teilen. Doch als Fitness immer wichtiger in ihrem Leben wurde, wurde es auch Instagram. 1762 Nutzer haben den Kanal der 23-Jährigen abonniert, sehen also auf ihren Handys, was die Mannheimerin gegessen hat und ob sie beim Sport war. Bis zu 800 Mal wurden manche ihrer Videos angeschaut, 150 bis 200 Herzchen für ihre Bilder bekommt sie regelmäßig. „Ich hätte nicht gedacht, dass so eine Unterstützung kommt von Leuten, die man gar nicht kennt“, sagt die Studentin.

Lisa Schöben ist ohnehin schlank. Wenn sie Vorher-Nachher-Bilder ins Netz stellt, wünscht sich wahrscheinlich mancher, er hätte allein schon die Figur vom Vorher-Bild. Tatsächlich ist es nicht unbedingt empfehlenswert, sich so zu präsentieren, wenn man nicht das notwendige Selbstbewusstsein mitbringt. „Es kann auch viel negatives Feedback geben. Das kann sehr belasten“, warnt Gretz. Er rät dazu, sich diesem Druck nur auszusetzen, wenn man sich ihm auch gewachsen fühlt. „Grundsätzlich ist es besser, wenn man Sport und gesundes Essen mit positiven Erlebnissen verknüpft.“ Also lieber mit Freunden einen Sport machen, der auch Spaß macht, oder gemeinsam kochen.

Eine andere Möglichkeit ist, das Profil auf „Privat“ zu stellen und nur ausgewählten Personen Zugriff zu gewähren. So hält es Ronny Melcher.  Der Laupheimer will bei einem Wettbewerb im Gewichtheben antreten. Auch er würde nicht jedem empfehlen, sich so im Internet zu präsentieren. Mit negativen Kommentaren müsse man umgehen können. Melcher nutzt Instagram – und soziale Medien allgemein – vor allem, um sich von anderen Anregungen zu holen. „Aber man will sich natürlich auch präsentieren, klar“, so der 32-Jährige. Auf seinem Instagram-Profil finden sich vor allem kurze Videos, in denen er große Gewichte stemmt. Das Aussehen dabei scheint ihm weniger wichtig zu sein: Das Gesicht ist verkniffen, unter dem T-Shirt schaut auch mal der Bauch raus. Darunter Kommentare wie „Stark!“ oder „Saubere Technik!“ Für Ronny Melcher ist vor allem die Gemeinschaft wichtig. „Ich versuche immer, andere zu unterstützen.“

Auch Selin Höfle will eine Inspira­tion für andere sein. Die 27-Jährige aus Stuttgart stellt fast täglich Bilder von sich ins Internet: „Ich bekomme viele Nachrichten von Mädels, die durch mich zum Sport gekommen sind oder ihre Ernährung umgestellt haben. Das motiviert mich selbst, immer weiter zu machen.“

Aber auch wenn die Fülle an kostenlos verfügbarer Information motiviert und zum Ausprobieren anregt: Ganz ohne Anleitung sollte man sich nicht darauf stürzen, findet Grit Völker. Die 39-Jährige hat fast 20 Kilo abgenommen und ist heute selbst Coach – ohne sich irgendwo zu präsentieren. „Ich hätte keine Fotos von mir bei Instagram sehen wollen“, erklärt die Ulmerin. Doch auch sie hat sich einer gewissen Kontrolle unterworfen und hat sich jede Woche mit einem  Trainer getroffen. Das war aber nicht nur wichtig, um dranzubleiben, sondern auch um beim Training Unterstützung zu bekommen. „Es ist anfangs notwendig, dass man die Übungen gezeigt bekommt, damit sich keine Fehler einschleichen.“

Auch wenn es um die eigenen Ziele geht, sollte man sich nicht immer auf die Vorbilder im Internet verlassen. Viele der Bilder sind mit großem Aufwand entstanden: Das richtige Licht, die richtige Pose, die richtigen Klamotten machen viel aus. Wenn das nicht reicht, hilft man mit Bildbearbeitung nach. „Was im Internet zu sehen ist, kann nicht jeder erreichen. Man braucht ein realistisches Selbstbild, sonst kann die Selbstoptimierung krankhaft werden“, sagt Markus Gretz.

Lisa Schöben jedoch ist überzeugt, dass Instagram zu mehr Selbstbewusstsein führen kann: „Ich bin jetzt viel zufriedener mit mir selbst. Es geht beim Posten darum, sich selbst zu lieben, auch wenn man sich noch weiterentwickeln will.“ Ihre Entwicklung hält Lisa im Internet fest. Regelmäßig stellt sie sich dafür im Bikini vor den Spiegel und macht so lange Schnappschüsse von sich, bis einer gut genug für den Applaus ihrer Fans ist.

Zum Thema
Interview mit Trainer Timo Schmid: „Die Ernährung muss stimmen“

Fit werden für den Sommer – mit oder ohne Instagram


Für die Strandfigur 2017 ist es noch nicht zu spät, erklärt Veronika Pfeffer, diplomierte Sportwissenschaftlerin bei Fitness First: „Es kommt darauf an, wie der aktuelle körperliche Zustand ist und wie die ,Wunsch-Strandfigur’ aussieht, aber drei Monate sind eine gute Zeitspanne, um sehr gute, realistische Ergebnisse zu erzielen.“

Sich bei Instagram anmelden und seine Fitnessreise mit der Welt teilen sollte man  nur, wenn man mit negativem Feedback zurechtkommt. Zur Sicherheit kann man das Profil auf „Privat“ stellen und sich nur vollständig bekleidet ablichten.

Zur Motivation hilft es, sich klare und erreichbare Ziele zu setzen und diese auch anderen mitzuteilen.

Den Fortschritt messen sollte man nicht nur anhand der Waage. Auch Daten wie Bauch- und Hüftumfang und Körperfettanteil sollten erfasst werden. Helfen können außerdem Fotos, die man in der immer gleichen Körperhaltung aufnimmt. So kann man den Fortschritt am besten sehen.

Viel Geld muss man nicht unbedingt ausgeben, um fitter zu werden. Im Wald joggen ist umsonst – nur in gute Laufschuhe sollte man investieren. Bewegung im Alltag, wie zum Beispiel Treppensteigen, ist ebenso kostenfrei. Wer in intensives Training einsteigen will, sollte sich mit einem Trainer beraten. mone