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Keltische Funde verzögern Bauarbeiten

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An der alten Kirchheimer Neckarschleife wird derzeit das Baugebiet Lüssen 2 erschlossen. Ausgrabungsfunde aus dem Jahr 500 vor Christus deuten darauf hin, dass es zwischen Kirchheim und Hohenstein einst eine keltische Siedlung gab.

Bis noch etwa vor 2000 Jahren floss der Neckar durch eine Auenlandschaft mit einem Gewirr von Mäandern, Schlingen, Altwässern und verlandeten Armen nach Norden und mündete erst nördlich von Darmstadt in den Rhein. Viel früher schon hat sich zwischen Besigheim und Lauffen im tektonisch aufgewölbten Muschelkalk-Gebiet des Hessigheimer Sattels der Neckar rund 80 bis 100 Meter tief eingeschnitten und ein weiträumiges Flusstal gebildet. Drei markante Talschlingen – die Kirchheimer, die Neckarwestheimer und die Lauffener Schlinge – entstanden in diesem Talabschnitt und wurden später vom Neckar wieder abgeschnürt.

In einer der alten Schlingen zwischen Kirchheim und Hohenstein wird nun gebaut, und es fanden sich Reste einer keltischen Siedlung im Baugebiet Lüssen 2/Bachrain, das gerade erschlossen wird. Keltische Siedlungsreste vermutet Dr. Christian Bollacher vom Landesamt für Denkmalpflege an der Stelle der Bauarbeiten, wo es schon einmal Funde gab. „Wir vermuten eine kleine ländliche Ansiedelung bescheidenen Zuschnitts“, so der Denkmalschützer auf Anfrage der BZ. Es sei in Sachen Ausgrabungen viel los gewesen in diesem Sommer, die Funde würden erst in den Wintermonaten einer genaueren Durchsicht unterzogen. „Günstige Böden und eine sonnenbeschienene Anhöhe“ könnten ein Grund sein, weshalb sich hier Kelten niederließen. Und das auch in der Umgebung, denn am Hohensperg und in Hochdorf hat man große Keltenfunde gemacht, die auf eine dichte Besiedelung schließen lassen.

Reste von Holzbauten

Beim Bau der Bodensee-Wasserversorgung stieß man bereits vor Jahrzehnten auf Hinweise auf Siedlungsspuren, so Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold. Schon damals fand das Landesamt Spuren in Form von Verfärbungen des Bodens. Diese weisen auf vermodertes Holz hin, das für Holzbauten in Siedlungen verwendet worden war. Auch Muschelschalen und Schmuckstücke seien damals gefunden worden, erklärt Seibold.

Nach den Funden in diesem Jahr gab es einige Bürger, die bei den Ausgrabungen vor Ort waren. Auch Seibold war schon dort und hat sich die Grundrisse erklären lassen, die auf einer Länge von rund 200 Metern unterhalb des Kinderhauses zu sehen waren. Durch die Ausgrabungen sind die Arbeiten für die 33 Bauplätze, die im März 2017 fertig sein sollen, rund zweieinhalb Monate aufgehalten worden. Beendet sind momentan die Kanalarbeiten und die Wasserversorgung.

Im Rahmen der Planung wurde auch das Landesdenkmalamt beteiligt und hatte darauf hingewiesen, dass hier Teile eines Bodendenkmals betroffen sind. Es wurde vermutet, dass potenzielle Funde gerettet werden können und daraufhin kleinere und größere Ausgrabungen vorgenommen. Bei ersten Voruntersuchungen mit Baggern und Schaufeln hatten die Fachleute des Landesamtes für Denkmalpflege „Spuren über den gesamten Bereich locker verstreut gefunden“, wie Bollacher im Frühjahr vor dem Gemeinderat erklärte.

Wichtige Funde sollen der Nachwelt erhalten bleiben: Mitarbeiter des Landesdenkmalamts dokumentierten sie und werten sie derzeit wissenschaftlich aus. Besonders erhaltenswerte Funde sollen dann im Magazin des Landesdenkmalamts in Konstanz oder in Rastatt eingelagert werden. Uwe Deecke

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