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Erinnerung an Opfer aus Bietigheim

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Sie wurden ohne viel Aufhebens aus ihrem Leben in Bietigheim gerissen, nun kehrt zumindest die Erinnerung an diese Menschen an ihren Heimatort zurück: In Form von Pflastersteinen aus glänzendem Messing. Sechs sogenannte Stolpersteine, die Opfern aus der Nationalsozialisten gewidmet sind, liegen schon in Bissingen, Bietigheim und Untermberg, im Oktober sollen drei weitere dazukommen.

Bis die Steine im Herbst verlegt werden, haben Thomas Reusch-Frey, Christian Hofmann und Sonja Eisele, vom Archiv der Stadt Bietigheim-Bissingen viel Vorarbeit geleistet. Der 21-jährige Hofmann hat den Großteil der Recherche übernommen. Die drei Stolpersteine im Herbst erinnern an Bietigheimer Opfer der Aktion „T 4“. „Euthanasie“ oder „T 4“ wurde die Ermordung geistig behinderter und psychisch kranker Menschen genannt, die von den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ bezeichnet wurden.

Hofmann hatte sich schon in der Realschule im Rahmen des Projekts „Spurensuche“ (die BZ berichtete) mit der NS-Zeit beschäftigt und seine Forschung während seiner Ausbildung im Stadtarchiv fortgesetzt. Doch allein mit der Ermittlung der Lebensläufe der Opfer sei es nicht getan. Ehe der Text für die Stolpersteine formuliert werden kann, setzen sich Eisele, Reusch-Frey und Hofmann mit den Angehörigen der Opfer in Verbindung. Oftmals sei es schwer, diese ausfindig zu machen. Die meisten Opfer seien ledig gewesen und hätten somit keine Kinder hinterlassen, die heute mit Informationen weiterhelfen könnten. „Die Euthanasie ist weniger gut aufgearbeitet wie andere Aspekte der NS-Zeit“, sagt Archivarin Sonja Eisele. „Krankheit und Behinderung war damals stigmatisiert“, weiß Hofmann, oft wollten die Familien nicht damit in Verbindung gebracht werden.

Laut Gemeinderat Thomas Reusch-Frey müsse das Team vor der Verlegung auch die Stadt informieren. Es liegt ein Gemeinderatsbeschuss aus dem Jahr 2013 vor, der die Verlegung der Stolpersteine erlaubt. Zwar werden die Steine vom Künstler Gunter Demnig, der 2003 die Idee zum Projekt mit den Gedenktafeln aus Messing hatte, selbst eingesetzt. Zuvor leisten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs die Vorarbeit an der vorgesehenen Stelle und schaffen Platz für den Stein, der etwa 96 auf 96 Millimeter misst und 10 Zentimeter hoch ist. Die Verlegung eines Stolpersteins kostet 120 Euro, da er in Handarbeit gefertigt wird. „Oft finden sich Spender, oder die Angehörigen stiften den Stein“, sagt Reusch-Frey. Bei der Verlegung wird die Lebensgeschichte der Euthanasieopfer erzählt. „Wir versuchen die Tätersprache aus den Krankenakten zu übersetzen“, sagt Sonja Eisele. Es ist das Anliegen von Hofmann und Eisele bei jedem Menschen, der einen Stolperstein bekommt, auch das Leben außerhalb der Anstalt zu zeigen.

Das Vorbereitungsteam ist froh, dass in Bietigheim-Bissingen große Bereitschaft für die Aufarbeitung der NS-Zeit herrscht. „Nicht in allen Kommunen ist man wie hier in der Stadt bereit sich damit zu befassen“, sagt der Bissinger Christian Hofmann, der auch andernorts an der Aufarbeitung mitwirkt. „Die Morde an behinderten und psychisch kranken Menschen dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Thomas Reusch-Frey.

Es braucht nur einen Lappen und etwas Messingputzmittel und schon würden die sechs Stolpersteine, die in Bissingen, Bietigheim und Untermberg bereits verlegt sind, wieder glänzen wie neu. „Leider verwittern die Steine zunehmend, wenn sie nicht zweimal jährlich geputzt werden“, sagt Thomas Reusch-Frey. Etwas Kraftaufwand benötige man und zehn Minuten Zeit. Die Initiatoren der Stolpersteine in der Stadt suchen deshalb nun nach Paten, die sich die Mühe machen zum Beispiel im Rahmen ihrer Kehrwoche auch die Messingsteine miteinzubeziehen. Interessierte wenden sich per Mail an thomasreuschfrey@gmail.com oder an die Telefonnummer (07142) 37 74 91. cri

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