Fest Beelzebub tänzelt in der Luft

Gerstetten / JOCHEN HORNDASCH 21.09.2015
Das Gerstetter Albdrachenfest ist und bleibt Besuchermagnet. Am Wochenende pilgerten Tausende zur Rüblinger Heide. 100 Drachenpiloten präsentierten dort ihre fliegenden Kunstwerke aus Nylon und Karbon. Mit Bildergalerie.

Pünktlich zum Massenstart der Fledermäuse frischte der Wind auf. Die Flaute war vorbei. Gut 30 meist schwarze Drachen in Gestalt von schwarzen Vampiren hoben ab und tänzelten ein paar Minuten lang am wolkenverhangenen Himmel. Schauplatz dieses luftigen Auftritts: das Gelände des Flugsportvereins Gerstetten. Das ganze Wochenende über hatten dort die Drachen das Sagen: Die 20. Auflage des Albdrachenfestes stand an - ein Spektakel, das sich weit über die Grenzen der Schwäbischen Alb hinaus einen Namen gemacht hat.

Dazu geladen hatte das Albflyer-Team gemeinsam mit dem Gerstetter Flugsportverein. Was vor 20 Jahren als kleine und eher unbedeutende Veranstaltung begann, hat sich längst zu einer Großveranstaltung entwickelt. "Je nach Wetterlage kommen bis zu 25.000 Besucher und lassen sich in die bunte Welt der Drachen entführen", sagt Ralph Schneider aus Geislingen, der gemeinsam mit Frau Simone und Sohn Frank sowie dem Ehepaar Martin und Rebana Haug aus Gerstetten einer der insgesamt fünf Mitglieder des Albflyer-Teams ist.

Der Start der Fledermäuse war am Wochenende deshalb nur ein Programmpunkt in einer Fülle an Unterhaltung, die sich in erster Linie in der Luft abspielte. Drachen jeder Art, Größe und Farbe standen das ganze Wochenende über am Himmel und zogen die Blicke auf sich. 100 aktive Drachenpiloten aus Deutschland, der Schweiz und Holland waren gekommen und campierten in Wohnmobilen und Zelten auf der sanften Anhöhe unweit vom Hangar des Gerstetter Flugsportvereins. Bunte Windspiele, Fähnchen und ausgestellte Drachen zierten das provisorische Camp und machten es zu einem verspielten Quartier mit einer heiteren und fröhlichen Ausstrahlung.

Die Nacht brach herein, die helle Sichel des Mondes strahlte am sternenklaren Himmel. Auf dem abgegrenzten Parcours sorgten Feuer und Taschenlampen für gedämpfte Helligkeit. Aus den Lautsprechern kam zu jedem Auftritt die passende musikalische Begleitung. Die Gasbrenner der Ballonsportgruppe Heidenheim erzeugten meterlange Flammen, ein Heißluftballon im Kleinformat stand in der Luft, reflektierende und beleuchtete Drachen schwebten wie Ufos am Himmel, Gespenster, Max und Moritz und die Schlümpfe drehten ebenso ihre Runden wie ein beleuchtetes Modellflugzeug, und Feuerspucker und Feuershows begeisterten das Publikum. Zum Abschluss erhellte ein Feuerwerk die dunkle Nacht.

Die Zeiten, in denen Drachen aus zwei Holzleisten und Pergamentpapier bestanden, sind längst vorbei. Es sind Hightech-Geräte mit ausgetüftelten Bauplänen und hochwertigen Baumaterialien, sagt Ralph Schneider. Kohlefaser und Spinnacker-Nylon sind die Baumaterialien schlechthin. Entsprechend teuer sind Drachen. Für den drei Meter hohen Tetraeder mit seinen vier dreieckigen Seitenflächen muss man besonders tief in die Tasche greifen. Er besteht aus fünf Stockwerken mit insgesamt 35 einzelnen Segelteilen, 140 Kohlefaser-Stäben und 91 Verbinder. Allein das Material kostet locker 2000 Euro. Dieses fliegende Kunstwerk wurde im Jahr 1906 von Alexander Graham Bell, dem Erfinder des Telefons, konstruiert und erlebte auf der Rüblinger Heide seine Wiedergeburt. Unter dem Applaus der Besucher hob der Tetraeder auf dem 80 mal 100 Meter großen Aktionsfeld ab.

Doch Drachenfliegen geht auch deutlich preisgünstiger. Beelzebub, Cross Deck, Schleierdelta oder Federviech sind einige Drachen, die im Rahmen der mehrmals jährlich stattfindenden Drachenbau-Workshops des Albflyer-Teams angeboten werden. Für sie reicht meist ein zweistelliger Euro-Betrag, das Material inbegriffen.

Auch weniger spektakuläre Fluggeräte waren beim 20. Albdrachenfest gern gesehen und herzlich willkommen. Nach den Worten von Ralph Schneider geht es weniger um die Präsentation von fliegenden Superlativen. Was zählt, ist die Freude und der Spaß an diesem nicht ganz alltäglichen Hobby.

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