• Der Tarifkonflikt bei der Bahn schwelt weiter
  • Der Streik bei der DB hat viele Bahnkunden in der vergangenen Woche schwer getroffen
  • Droht auch diese Woche wieder eine Arbeitsniederlegung?
  • Am Freitag, 20.08., informiert die Gewerkschaft um 11 Uhr über das weitere Vorgehen – und eventuelle Streiks
  • Verkehrsminister Scheuer fordert die Parteien auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren
  • SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach warnt angesichts eines möglichen weiteren Streiks vor einem zusätzlichen Anstieg der Corona-Zahlen in Deutschland
Im Tarifkonflikt bei der DB zeichnet sich aktuell noch keine Lösung ab. Die Fronten zwischen der Gewerkscahft GDL und der Bahn scheinen verhärtet. Droht in dieser Woche also noch ein Streik bei der Deutschen Bahn? Diese Frage stellen sich viele Bahnkunden aktuell – auch und gerade vor dem Hintergrund der Arbeitsniederlegung in der vergangenen Woche.


Streik bei der Deutschen Bahn: Wann fallen Züge aus?

Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen weiterhin einen Streik befürchten. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) drohte am Dienstag wieder mit einem Arbeitskampf. Vor Mitgliedern sagte der Vorsitzende Claus Weselsky bei einer Protestkundgebung vor der Zentrale des Staatskonzerns in Berlin: „Ihr wisst, dass wir dieses letzte Mittel wieder zum Einsatz bringen müssen, wenn das Management, unterstützt vom Eigentümer, sich weiter so verhält.“ Wann die GDL wieder streiken könnte, sagte er nicht.
„Wir werden - anders als beim letzten Mal - rechtzeitig die Information absetzen“, sagte Weselsky. Eine Zeitspanne wollte er aber nicht nennen.
Am Dienstag sprach GDL-Chef Claus Weselsky bei einer Kundgebung vor dem Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin.
Am Dienstag sprach GDL-Chef Claus Weselsky bei einer Kundgebung vor dem Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin.
© Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Die GDL werde sich nicht auf einen Tarifvertrag wie an den Flughäfen einlassen, sagte Weselsky unter Bezug auf das Angebot des Konzerns. Auch der Abschluss des öffentlichen Dienstes sei angesichts der gestiegenen Inflation ein schmaler Abschluss.
Eine Schlichtung lehnte der Gewerkschaftschef ab. Mit der Schlichtung im vergangenen Herbst sei „die letzte Patrone“ verschossen worden. „Was hier stattfindet, ist nicht zu schlichten.“ Weselsky warf dem Management auch vor, die Betriebsrenten kürzen zu wollen. Die Bahn weist das zurück. Weselyks nannte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler in diesem Zusammenhang einen „Lügenbaron“.
Teilnehmer einer Kundgebung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) stehen mit Bannern und Fahnen vor dem Dresdner Hauptbahnhof. Wird es auch diese Woche wieder einen Streik geben?
Teilnehmer einer Kundgebung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) stehen mit Bannern und Fahnen vor dem Dresdner Hauptbahnhof. Wird es auch diese Woche wieder einen Streik geben?
© Foto: Sebastian Kahnert/DPA

Neuer Streik bei der Bahn: Infos gibt es am 20.08.

Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn will die Lokführergewerkschaft GDL am Freitagvormittag über ihr weiteres Vorgehen informieren. GDL-Chef Claus Weselsky äußert sich nach Angaben der Gewerkschaft um 11.00 Uhr auf einer Pressekonferenz in Berlin. Zuletzt hatte die GDL mit weiteren Streiks gedroht, die Bahn rief die Gewerkschaft wiederholt zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Weselky betont: GDL ist bereit für weitere Streiks

Claus Weselsky hat im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn (DB) die hohe Streikbereitschaft bekräftigt. Das von der Bahn vorgelegte Angebot „ist mit uns nicht zu machen“, sagte Weselsky am Dienstag. Wenn der Konzern bei dieser Haltung bleibe, „dann werden wir dafür sorgen, dass ihm ein Licht aufgeht und die Taschen“. Konkreter wurde Weselsky aber nicht.
Den Vorstoß von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für ein Schlichtungsverfahren in dem festgefahrenen Streik wies der GDL-Chef zurück. "Da kann ich nur lachen", sagte Weselsky am Dienstag auf einer Kundgebung vor der DB-Konzernzentrale am Potsdamer Platz in Berlin. Hier sei „die letzte Patrone“ bereits im vergangenen Jahr „verschossen“ worden, als eine Schlichtung gescheitert war.
Weselsky warf vehement den Vorwurf zurück, beim Arbeitskampf handle es sich um einen politischen Streik. „Wir kämpfen für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen“, rief er. „Und das steht uns zu.“

DB: GDL soll auf weitere „Ferienstreiks“ verzichten

Die Deutsche Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL erneut aufgefordert, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen. Lösungen könnten zum Greifen nahe sein, sagte eine Sprecherin. „Daher rufen wir die GDL auf, auf weitere Ferienstreiks zu verzichten und endlich seriös zu verhandeln.“ Es sei nicht die Zeit für permanente Konfrontation zulasten der Kunden. „Der GDL geht es um etwas anderes als um Lösungen“, sagte die Sprecherin. „Die GDL will bei der Bahn in Bereiche, in der sie bislang kaum Mitglieder hat und es bereits Tarifverträge mit der EVG gibt.“

Weiterer Streik bei der DB über Wochenende und länger?

Mit nur 15 Stunden Vorlauf hat der Streik bei der Bahn in der vergangene einige Reisenden unvorbereitet getroffen. GdL-Chef Weselsky betonte jetzt, der nächste Streik solle früher angekündigt werden. Er sagte aber auch, dass er diesmal länger andauern könnte – und außerdem möglicherweise ein Wochenende umfassen soll. Die Bitte des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer (CSU) für neue Verhandlungen und ein Schlichtungsverfahren, lehnte der GdL-Chef Weselsky mit den Worten: „Da kann ich nur Lachen“ bereits entschieden ab.

Verkehrsminister Scheuer dringt auf Einigung im Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL

Im Tarifkonflikt der Lokführergewerkschaft GDL mit der Deutschen Bahn hatte Bundesverkehrsminister Scheuer an die Tarifparteien appelliert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Wir brauchen Licht am Ende des Tunnels, nämlich eine Einigung, die nicht zu Lasten des Standorts Deutschland und zu Lasten der vielen Fahrgäste geht, die dann an den Bahnsteigen stehen", sagte Scheuer am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk.
Scheuer forderte GDL-Chef Claus Weselsky mit Blick auf die Corona-Pandemie dazu auf, "an das große Ganze" zu denken. Covid-19 habe schwere wirtschaftliche Auswirkungen gehabt, das Passagieraufkommen sei um bis zu 80 Prozent zurückgegangen, sagte der Minister in der Sendung "Radiowelt am Morgen". Nun sei wieder ein Grundvertrauen in die Bahn zurückgekehrt. Es gebe wieder eine Auslastung von 40 Prozent plus bei den Passagieren.
Vorwürfe, die Bahn sei unterfinanziert, wies Scheuer zurück. In das System Schiene und die Bahn sei in dieser Wahlperiode so viel Geld investiert worden, wie nie zuvor: "Wir haben alleine eine sogenannte Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung von 86 Milliarden Euro, einen Aufwuchs von über 50 Prozent zur letzten Vereinbarung, abgeschlossen. Es liegt nicht am Geld."

Lauterbach: Möglicher Bahn-Streik wird Corona-Zahlen steigen lassen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat den angedrohten erneuten Bahnstreik in der Corona-Pandemie kritisiert. "Der Streik der Lokführer wird zu mehr Corona-Infektionen führen", sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Mittwoch. Überfüllte Züge würden erheblich zur Weiterverbreitung der Delta-Variante beitragen. Ein Tarifstreit "in dieser Form auf dem Rücken der gesunden Bevölkerung ist ziemlich rücksichtslos", kritisierte Lauterbach.
Der SPD-Politiker betonte mit Blick auf die jüngste Streikandrohung der Lokführergewerkschaft GDL, er bedauere, dass zu diesem Zeitpunkt der Pandemie und auf diese Art gestreikt werde. "Es hätte Wege geben, andere Bereiche oder Abteilungen der Bahn wirksam zu bestreiken und gleichzeitig das Gesundheitsrisiko gering zu halten. Aber das war offenbar von vornherein nicht geplant", bemängelte Lauterbach. Es gehe der Gewerkschaft offenbar auch "um möglichst viel Außenwirkung".

Weitere Streiks bei der DB? Pro Bahn fordert Tarifeinheitsgesetz

Angesichts möglicher weiterer Streiks bei der Deutschen Bahn fordert der Fahrgastverband Pro Bahn Änderungen am Tarifeinheitsgesetz. „Wir brauchen schon eine Regelung, wie man mit zwei verschiedenen Gewerkschaften umgeht. Es darf aber nicht zu einem Konkurrenzkampf der Gewerkschaften kommen“, sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Karl-Peter Naumann, der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) versucht seit Monaten, neue Mitglieder zu gewinnen, auch von der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Das heizt den Tarifkonflikt mit der Bahn um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen zusätzlich an. Hintergrund ist das Tarifeinheitsgesetz. Es sieht vor, dass in einzelnen Betrieben nur noch der Tarifvertrag der Gewerkschaft zur Geltung kommt, die dort die meisten Mitglieder vertritt. Das soll eigentlich einen Anreiz dafür bieten, dass Gewerkschaften ihr tarifpolitisches Vorgehen abstimmen, wie das Bundesarbeitsministerium bekräftigte. Naumann hält das für möglich. „Im Betriebsrat arbeiten EVG- und GDL-Mitglieder auch gut zusammen“, sagte er. Er schlug vor, dass die Beschäftigten auch bei der Besetzung der Tarifkommissionen mitbestimmen. Diese führen die Tarifverhandlungen, sind bislang aber Gremien der Gewerkschaft.
„Die Politik muss hier noch einmal handeln“, forderte Naumann. Das Ministerium stellte dieser Tage indes klar, das Tarifeinheitsgesetz sei nicht dafür konzipiert worden, Streiks zu verhindern.

Gehälter Deutsche Bahn: So viel verdienen Lokführer und Co.

So viel verdienen Beschäftigte der Deutschen Bahn je nach Berufserfahrung und konkreter Aufgabe pro Jahr - Zulagen und Weihnachtsgeld inklusive:
  • Lokführer: 44.000 bis 52.500 Euro
  • Fahrdienstleiter: 36.000 bis 54.500 Euro
  • Gleisbauer: 37.000 bis 47.000 Euro
  • Zugbegleitdienst (Kundenbetreuer, Zugbetreuer, Zugchef): 37.000 bis 50.000 Euro
  • Bordgastronomie: 33.500 bis 40.500 Euro
  • Reiseberater (z.B. Fahrkartenverkauf): 33.000 bis 41.500 Euro
  • Auszubildende (je nach Ausbildungsjahr): zwischen 1004 und 1208 Euro im Monat. Hinzu kommt Weihnachtsgeld.
  • Praktikanten (abhängig von Qualifikation und Erfahrung): zwischen 450 und 1000 Euro monatlich
Die Angaben stammen von der Deutschen Bahn und beziehen sich auf eine 39-Stunden-Woche. Nicht eingerechnet ist nach Angaben einer Sprecherin etwa die Möglichkeit für Arbeitnehmer, zusätzliche Urlaubstage im Gegenzug für weniger Gehalt zu bekommen. Dadurch und durch andere Sonderregelungen können Gehälter auch außerhalb der genannten Spannen liegen.