Im Baden-Badener Prozess um den Mord an einer Sechsjährigen ist der Angeklagte zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht stellte am Dienstag außerdem eine besondere Schwere der Schuld fest. Es sah es als erwiesen an, dass der 34-Jährige das Mädchen in der Nacht zum 19. Dezember vergangenen Jahres mit einem Messer getötet und sich an der Leiche vergangen hat. Die Sechsjährige hatte bei seinem Sohn übernachtet – sie war seine Spielplatzfreundin.

Mädchenmord-Prozess: Angeklagter schweigt vor Gericht

Der nicht vorbestrafte Angeklagte hat die Tat nicht gestanden und im ganzen Prozess geschwiegen. Die Staatsanwaltschaft ist sich aber sicher, dass die Beweismittel für eine Verurteilung ausreichen. Sie wirft dem gelernten Straßenbauer vor dem Landgericht Baden-Baden unter anderem Mord, Störung der Totenruhe sowie versuchten Mord in vier Fällen vor.
Mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ist nun eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Das Landgericht verurteilte den gelernten Straßenbauer wegen Mordes und Störung der Totenruhe. Der nicht vorbestrafte Deutsche hatte nach dem Verbrechen ein Feuer gelegt, um die Tat zu vertuschen – obwohl vier Verwandte im Haus schliefen, darunter sein Sohn.

Psychiater sieht keine Anzeichen für verminderte Schuldfähigkeit

Warum das Verbrechen geschah, ist ungeklärt. Der Untersuchung durch einen Psychiater stimmte der Angeklagte nicht zu. Aus Sicht eines Gutachters spricht nichts für eine verminderte Schuldfähigkeit, auch Pädophilie war nicht festzustellen.
Der Angeklagte wuchs im Heim auf, doch er führte nach einem schwierigen Start ein unauffälliges Leben. Er galt als liebevoller Vater und als zuverlässig; er war bei Kindern beliebt. Die Sechsjährige hatte schon zweimal davor mit anderen Kindern bei dem Spielplatzfreund übernachtet. Die Mutter des Mädchens kannte den Mann vom Spielplatz. Nichts deutete für sie darauf hin, dass ihre Tochter bei ihm in Gefahr sein könnte.
Der Vater des Mädchens, der als Nebenkläger den Prozess verfolgte, hoffte bis zuletzt, dass der mutmaßliche Mörder sein Schweigen bricht. Auf einen Erklärungsansatz warteten er sowie weitere Angehörige, Prozessbeteiligte und Beobachter aber vergeblich.