Im Zuge der Brief-Affäre um den suspendierten Inspekteur der baden-württembergischen Polizei ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen die Beamtin, die die Vorwürfe ins Rollen gebracht hatte. Die Kriminalbeamtin soll unbefugt ein Telefonat mit dem Inspekteur aufgezeichnet haben, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Dienstag mit.
Der Inspekteur soll den Ermittlungen zufolge vor fast einem Jahr in Stuttgart die Polizeibeamtin sexuell belästigt haben. Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart hatte kürzlich Anklage wegen sexueller Nötigung erhoben: „Am 13. November 2021 soll er eine im Auswahlverfahren für den höheren Polizeivollzugsdienst befindliche Polizeibeamtin zur Duldung und Vornahme sexueller Handlungen veranlasst und hierbei bewusst ausgenutzt zu haben, dass er aufgrund seiner beruflichen Stellung in der Lage war, der Polizeibeamtin im Falle des Widerstands erhebliche berufliche Nachteile zu bereiten.“

Sexuelle Belästigung bei der Polizei – Gespräche mitgeschnitten

Wie der „Südkurier“ (Dienstag) berichtet, soll die Beamtin Teile eines Videotelefonats mitgeschnitten haben, bei dem der Inspekteur die fraglichen Äußerungen getätigt haben soll. Die Staatsanwaltschaft führt deshalb bereits seit Ende des vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes gegen die Beamtin, teilte der Sprecher mit.
Zur derzeitigen Tätigkeit der Beamtin und der Frage, inwiefern die Ermittlungen Auswirkungen auf die berufliche Stellung der Frau hatten, machte das Innenministerium mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz auf Anfrage keine Angaben.

Innenminister Strobl in Brief-Affäre unter Druck geraten

Auch Innenminister Thomas Strobl (CDU) war wegen der sogenannten Brief-Affäre erheblich unter Druck geraten. Der Minister hatte nach eigenen Angaben ein Anwaltsschreiben des Juristen des Inspekteurs der Polizei an einen Journalisten weitergereicht. Da Strobl sich bereit erklärte, eine Geldauflage von 15 000 Euro zu zahlen, sollte ein Verfahren gegen den Minister letztlich eingestellt werden.

Stuttgart