Spätzle oder Schweinebraten, Labskaus oder Rostbratwurst? Über den Gesundheitswert der „Nationalgerichte“ in den Regionen Deutschlands darf diskutiert werden. Aber gute Ernährung und Lebensweise sind ohnehin nur einer von vielen Schlüsseln zu Gesundheit und Wohlbefinden der Deutschen: Weit mehr Faktoren spielen eine Rolle bei den Ursachen, wie oft – oder eben selten – ein Mensch in der Republik zum Arzt muss.

„Morbiditäts- und Sozialatlas“: Wo leben die gesündesten Menschen?

Über die Zahl der Arztbesuche und Krankheitsfälle in Deutschland wissen die Krankenkassen besonders gut Bescheid: Sie verfügen über eine Fülle von Daten über ihre Kunden, beziehungsweise Patienten in Arztpraxen und Krankenhäusern.
Diese Daten nutzte jetzt die Barmer, um einen „Morbiditäts- und Sozialatlas“ zu erstellen. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich eine Übersicht, die unter anderem auflistet, welche Gruppen von Menschen in welchem Ausmaß von Krankheit betroffen sind.

Besonders gesund in den Kreisen Tübingen und Freising

Die Krankheitslast oder Morbidität misst die Häufigkeit von Erkrankungen. In keiner anderen Region in Deutschland sind die Menschen der repräsentativen Untersuchung zufolge gesünder als im Kreis Tübingen.
Ebenso wie der bayerische Landkreis Freising trägt der Kreis Tübingen im Vergleich zum Bundesgebiet nur 70 Prozent der durchschnittlichen Krankheitslast, wie aus dem Morbiditäts- und Sozialatlas hervorgeht.

Das sind die Gesundheitswerte ausgewählter Regionen im Südwesten

Und wie sieht es in anderen Kreisen im Südwesten aus? Wieviel Prozent der durchschnittlichen Krankheitslast in Deutschland tragen zum Beispiel Ulm, Neu-Ulm oder auch Ravensburg? Eine Auswahl aus dem Atlas der Kasse:
  • Landkreis Tübingen: 70 Prozent
  • Ostalbkreis: 72 Prozent
  • Landkreis Biberach: 75 Prozent
  • Landkreis Ravensburg: 76 Prozent
  • Landkreis Schwäbisch Hall: 79 Prozent
  • Landkreis Reutlingen: 81 Prozent
  • Alb-Donau-Kreis: 81 Prozent
  • Zollernalb-Kreis 87 Prozent
  • Stadtkreis Ulm: 88 Prozent
  • Landkreis Heidenheim: 92 Prozent
  • Landkreis Göppingen: 96 Prozent
In Bayern steht der Landkreis Neu-Ulm bei 84 Prozent der bundesweiten Krankenlast, und der Kreis Günzburg bei 78 Prozent.
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Berlin

Baden-Württemberg schneidet besonders gut ab

Baden-Württemberg schneidet nach Angaben von Barmer-Landesgeschäftsführer Winfried Plötze bei der Belastung durch Krankheiten überaus gut ab: Der Südwesten sei das Flächenland, dessen Menschen mit 88 Prozent des Bundesdurchschnitts die geringste Krankheitslast zu tragen habe, sagte er am Mittwoch in Stuttgart. „Da können ansonsten nur die Stadtstaaten Bremen und Hamburg mithalten.“
Laut Barmer-„Atlas“ gibt es in Baden-Württemberg auch ein Gefälle vom Süden des Landes nach Norden, wenn es um Hauterkrankungen geht. Der Kreis mit den wenigsten Hauterkrankungen ist Tuttlingen, am stärksten betroffen sind in dieser Krankheitsgruppe die Menschen im Main-Tauber-Kreis.

Südwesten bei Depressionen schlechter als der Schnitt

Während Baden-Württemberg bei Gicht und Arthritis, Adipositas sowie HIV und Aidserkrankungen Fallzahlen unterhalb des Bundesdurchschnitts aufweist, liegt es bei Depressionen, chronischer Hepatitis und Multipler Sklerose darüber.
Welche Daten wurden verwendet? Für den Atlas hat die Barmer nach eigenen Angaben die Daten der stationären und ambulanten Behandlungen ihrer Versicherten aus den Jahren 2018 bis 2020 ausgewertet. Von diesen lebten rund 777.000 in Baden-Württemberg. Die Zahlen sollen fortlaufend aktualisiert werden.