Ein Mann aus Baden-Württemberg soll sich zu Unrecht in Hessen als Notarzt ausgegeben haben und im Rettungsdienst tätig gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt gegen den 31-Jährigen, wie ein Sprecher am Mittwoch sagte. Der Verdächtige soll im Vogelsbergkreis und Main-Kinzig-Kreis im Einsatz gewesen sein. Laut der Staatsanwaltschaft Stuttgart stammt er aus der Region um die Landeshauptstadt.
Dem Mann sei es gelungen, sich über eine Onlineplattform bundesweit als Notarzt anzubieten, teilten die beiden Landkreise übereinstimmend mit. Der 31-Jährige sei „umgehend nach Bekanntwerden des Betrugs aus dem Dienst genommen und angezeigt worden“, heißt es in einer Stellungnahme des Main-Kinzig-Kreises.

Mann hat im Sommer mehr als 30 Mal als Notarzt gearbeitet

Demnach ging die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hanau am 14. September ein. Diese wartete nach eigener Darstellung unterdessen bereits auf eine Akte der Ermittlungsbehörden in Stuttgart über den Verdächtigen. Der Vogelsbergkreis berichtete, dass der Mann im Sommer in einem Zeitraum von vier Wochen 27 Einsätze im Kreisgebiet gehabt habe. Er sei bei der zuständigen Landesärztekammer nicht registriert. Im Main-Kinzig-Kreis regitrierte die Verwaltung eine zweistellige Zahl von Einsätzen.
Nach Angaben des Online-Portals osthessen-news.de habe der Mann ohne fachliche Qualifikation die Patienten behandelt und ihnen dabei Spritzen gesetzt und Medikamente gegeben. Eine Pressesprecherin des Vogelsbergkreises berichtete der Fuldaer Zeitung, dass der 31-Jährige aufgeflogen sei, als ein Leistungserbringer Unterlagen des Arztes bei der Notarztbörse anforderte. Es lagen aber keine Papiere vor und der Landesärztekammer war kein Notarzt mit dem entsprechenden Namen bekannt. Daraufhin erstattete das Deutsche Rote Kreuz Anzeige.

Sind Patienten zu Schaden gekommen?

Ob Patienten zu Schaden kamen, war zunächst ungeklärt. Dem Mann werden Missbrauch von Berufsbezeichnungen, Betrug sowie Urkundenfälschung vorgeworfen. Das Gießener Ermittlungsverfahren läuft laut Staatsanwaltschaft seit Mitte August, auch die Wohnung des Mannes wurde bereits durchsucht. Medien hatten über den Fall berichtet.
Die Staatsanwaltschaft Hanau wollte das Verfahren nach eigenen Angaben an die Kollegen in Stuttgart abgeben, was diese jedoch ablehnten. Nach Informationen des Nachrichtenportals osthessen-news.de geschah das „mangels Sachbezugs zu einem hier geführten Sammelverfahren“. Das antwortete zumindest Aniello Ambrosio, Pressesprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.
Es gibt also noch ein weiteres Verfahren gegen den falschen Notarzt. Warum gegen den 31-Jährigen auch in Baden-Württemberg ermittelt wird, ist aber unklar: Laut Ambrosio ist die Staatsanwaltschaft Hanau zuständig, obwohl es um Vorfälle im Südwesten geht. In Hanau kann Pressesprecher Markus Jung aber noch nichts dazu sagen, weil die Akte noch nicht eingetroffen sei. „Sie wird per Post verschickt. Ich denke, dass sie uns bis Ende der Woche vorliegt.“ Laut Jung gibt es momentan zwei getrennte Verfahren gegen den falschen Notarzt in Hanau und Gießen.