Das Auto bewegt die Menschen - auch ohne Chauffeure

Das Auto im Wandel der Zeit.
Das Auto im Wandel der Zeit. © Foto: Archiv
STEFANIE MÜLLER 23.06.2012
Die Geschichte des Automobils hat allerlei Skurrilitäten zu bieten: Vom befürchteten Mangel an Chauffeuren bis hin zu Propeller-Antrieben gab es in seiner Entwicklung nichts, was es nicht gab.
Am 29. Januar 1886 meldete der Karlsruher Ingenieur Carl Benz ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zum Patent an. An diesem unscheinbaren Tag begann der Siegeszug des Automobiles, der die Welt in Bewegung brachte.

Gottlieb Daimler gab einmal eine Schätzung ab, wieviele Automobile weltweit nachgefragt werden könnten. Genau wie damals die Erfinder des Computers, lag er mit seiner Schätzung ziemlich daneben. Er ging von 1.000.000 Autos aus, die irgendwann weltweit nachgefragt werden könnten. Diese Grenze werde aber auf keinen Fall überschritten, "allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren".

Die Realität heute sieht freilich etwas anders aus; ungefähr 800 Millionen Autos fahren über den Planeten - mit und eben ohne Chauffeure. In 25 Jahren wird sich die Zahl Prognosen zufolge nochmals verdoppeln.

Dass in der über 126-jährigen Geschichte auch die ein oder andere Entwicklung buchstäblich auf der Strecke blieb, zeigt das Propeller-Beispiel - kein gelungener Antrieb für das Auto. Der Franzose Marcel Leyat präsentierte 1913 ein Vehikel, das von einem riesigen Propeller bewegt wurde und so die mechanische Kraftübertragung auf die Räder über Kupplung und Getriebe überfl üssig machte.

Angetrieben wurde diese überdimensionierte Luftschraube von einem 30 PS starken Zweizylindermotor, der das "Hélicocycle" auf immerhin 80 Stundenkilometer beschleunigte. Dass der Wagen wie ein Monster der Straßen gewirkt haben muss, sah der Erfinder Leyat allerdings nicht. Die Menschen, die das Monstrum letztlich kaufen sollten, allerdings schon. Das Ungeheuer erwies sich folglich als nahezu unverkäuflich: Das letzte von den insgesamt 30 Exemplaren wurde 1925 gebaut.

Eine Zahl, die den Pionieren unter den Autobauern wohl nicht besonders gut gefallen hätte, ist der hohe Schadstoffausstoß. Immerhin 30 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes sind dem Straßenverkehr zuzuschreiben. Langsam beginnt der Prozess des Umdenkens, denn Klimawandel und Ölknappheit machen es unerlässlich, Emissionen einzusparen und Ausschau nach alternativen Antriebskonzepte zu halten.

Und dass Autofahren nicht ganz ungefährlich ist, zeigen die Statistiken der Verkehrsunfälle. 110.000 Menschen werdeen täglich im Straßenverkehr verletzt. Doch die Zahlen in den Industrie-Ländern sind seit Jahren rückläufig, denn Autos werden zunehmend sicherer. Starben etwa 1971 hierzulande 21.000 Menschen bei Verkehrsunfällen, waren es 2009 genau 4.152.