Ulm / BEATE STORZ Die Welt retten die sechs Auszubildenden mit dem Umweltworkshop nicht. Sie können allerdings einen kleinen Beitrag zur Klimarettung beitragen.
Das Handwerk hat den Umweltschutz erkannt und will sein Scherflein beitragen. Die Handwerkskammer Ulm hat ein Qualifizierungsprogramm für ihre Auszubildenden ins Leben gerufen. Frühzeitig sollen die Lehrlinge auf die Situation aufmerksam gemacht werden, damit sie, wenn sie dereinst Entscheidungsträger in ihren Betrieben sind, den Umweltschutz nicht nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, sondern auch darüber hinaus verwirklichen. Schlichtweg: Die Handwerkskammer will bei ihnen ein positives Umweltbewusstsein hervorrufen.

Ein halbes Jahr lang besuchen die Teilnehmer sechs Workshops zu den Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Energie und Wärme, Mobilität und Logistik, Nachhaltigkeit im Alltag, Projektvorbereitung sowie Kommunikation. Damit die Lehrlinge auch mal über den Tellerrand hinaus schauen können, tauschen sie eine Woche lang mit anderen Azubis den Ausbildungsbetrieb. So kann ein Anlagenmechaniker etwa einem Zimmerer über die Schulter schauen. Zum Schluss sollen die Teilnehmer eigene Projekte für ihre Betriebe entwickeln, die Ende Januar vorgestellt werden.

„Große Themen können auch von kleinen Handwerksbetrieben bewegt werden“, prophezeit Tobias Mehlich, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. „Was nutzt aber die fortschrittliche Technik, wenn sie von Handwerkern falsch installiert wird? Die Handwerker müssen sich fortbilden und auch mit anderen Betrieben kooperieren.“ Die lange Kette, die zum Resultat führt, beginne beim Auszubildenden. Er könne neue Ideen in den Betrieb einbringen.

Volker Jescheck nimmt die Handwerksmeister in die Pflicht. Der Ulmer Stadtplanungschef: „Holz-, Fassaden- und Heizungsbaufirmen könnten durch umweltfreundliche Beratung einiges in Ulm bewegen.“ Er träumt von einer kleinen Holzhaussiedlung auf dem Areal der Hindenburgkaserne. „Holzhäuser sind schon längst nicht mehr etwas für arme Leute oder ausgeflippte Zahnärzte. Einem Holzhaus sieht man es heute nicht mehr an, woraus es gebaut ist“, sagt Jescheck. „Es muss ja nicht wie ein schwedisches Bullerbü-Haus aussehen.“

Wie Umweltschutz und nachhaltiges Handeln aussehen könnte, erklärte der Schreinereiinhaber Alexander Lanz vom Bodensee. Er hat 25 Mitarbeiter. Ein Drittel der nötigen Strommenge erzeugt das Unternehmen selbst mit der Aussicht auf künftige, vollkommene Autarkie. Photovoltaikanlagen und eine Holzschnitzelheizung machen dies möglich. Bei ihm werden anfallende Holzreste verheizt, statt weggeworfen. Dadurch spart Lanz 35.000 Liter Heizöl jährlich. Das Unternehmen setzt fünf Elektroautos ein und betreibt eine E-Tankstelle. Außerdem habe er in seinen Räumen nur LED-Lampen verbaut. Selbst das Verpackungsmaterial wird wieder verwendet, um so den Restmüllbestand zu verringern.

Die sechs Projektteilnehmer bekamen durch den Vortrag von Lanz Ideen geliefert, wie sie die Arbeitsabläufe in ihren Betrieben künftig umweltfreundlicher gestalten könnten. Organisatoren des Projektes sind Elisabeth Maeser von der Handwerkskammer, Magdalena Ulmer vom Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Petra Schmitz von der lokalen Agenda 21. „Das Projekt ist auf zehn Azubis ausgelegt“, sagt Maeser. Die Teilnahme ist für Betriebe und Auszubildende kostenlos.