Ludwigsburg Aus dem "Holzhacker" wird der "Barockman"

Der Trainer und sein neuer Center: John Patrick (links) zieht nach acht Spielen eine Zwischenbilanz. Jon Brockman hat sich in Ludwigsburg gut eingelebt.
Der Trainer und sein neuer Center: John Patrick (links) zieht nach acht Spielen eine Zwischenbilanz. Jon Brockman hat sich in Ludwigsburg gut eingelebt. © Foto: Imago
Ludwigsburg / ANDREAS EBERLE 22.11.2014
Der Basketball-Erstligist MHP Riesen Ludwigsburg geht am Sonntag als Favorit ins Heimspiel gegen Phoenix Hagen. Gerade auf die Großen wie Jon Brockman wird es gegen die eher kleinen, flinken und offensivstarken Gäste ankommen.

Jon Brockman ist erst seit Anfang November ein MHP Riese - und schon hat der frisch verpflichtete Center einen neuen Spitznamen: Die Fans der Ludwigsburger Basketballer nennen den US-Amerikaner liebevoll "Barockman", in Anlehnung an die weit verbreitete Bezeichnung Ludwigsburgs als Barockstadt. "Ich mag diesen Namen. ,Barockman' gefällt mir wesentlich besser als mein letzter Spitzname", sagt Brockman. In Frankreich, bei seinem Ex-Verein Élan Chalon, war er nur der "Holzhacker" - einerseits wegen seines ausgeprägten Bartwuchses und seiner Vorliebe für Holzfällerhemden und andererseits wegen seiner robusten Spielweise, die mit vielen Fouls einhergeht.

Im Heimspiel gegen Hagen, das am Sonntag um 15 Uhr beginnt, wird es auf die Qualitäten des Kraftpakets und der anderen großen Riesen-Spieler besonders ankommen. Denn gegen die offensivstarken, athletischen und eher kleineren Gästeakteure will Trainer John Patrick einen offenen Schlagabtausch, der Phoenix entgegenkommen würde, unbedingt verhindern. Eine starke Defensivleistung sowie eine überlegte und disziplinierte Spielweise sollen die Basis für den vierten Heimerfolg in dieser Saison werden. "Für die Zuschauer ist es immer ein Spaß, wenn Hagen spielt. Die Mannschaft spielt einen unterhaltsamen Basketball", sagt Patrick und misst dem Duell einen hohen Stellenwert bei: "Das ist für uns bis jetzt eines der wichtigsten Spiele."

Die Ludwigsburger Korbjäger stehen an der Schwelle zu einem Playoffplatz. Mit einer ausgeglichenen Bilanz von 8:8 Punkten belegen sie nach acht Spieltagen den neunten Tabellenplatz. Mit dem knappen 72:71 bei den Artland Dragons in Quakenbrück gelang den Riesen am vergangenen Sonntag der erste Erfolg in der Fremde. "Auswärtssiege sind sehr wichtig und das beste Gefühl im Profisport. Jetzt wollen wir aber unser nächstes Heimspiel gewinnen", stellt Adam Waleskowski fest. Der Forward vergleicht den Saisonstart mit dem in der vergangenen Spielzeit, als er auch schon für Ludwigsburg aufs Feld ging: "Beide Male haben wir ungefähr 50 Prozent unserer Spiele gewonnen. Der Findungsprozess war dieses Jahr vielleicht schwieriger. Aber mit dem Kader, den wir zur Verfügung haben, sind wir nun gut aufgestellt."

Von einer "kleinen Achterbahnfahrt" spricht Coach Patrick. "Nach acht Saisonspielen liegen wir im Soll", findet der frühere Point Guard. "Wir wissen, dass wir gut spielen können, aber wir brauchen noch mehr Konstanz."

Da Spielmacher Michael Stockton wegen eines Bänderrisses im Sprunggelenk nach wie vor nicht bei 100 Prozent ist, wird gegen Hagen wohl erneut Shooting Guard Folarin Campbell dessen Platz im Kader einnehmen. Den Vertrag des US-Amerikaners hatte der Verein am Dienstag um weitere sechs Wochen verlängert.

Die Integration der Neuzugänge ist derweil schon weit fortgeschritten. Bei John Little war dies nicht weiter schwer, da er schon seine gesamte bisherige Laufbahn in der Bundesliga verbracht hat - bei den Teams aus Göttingen und Würzburg. "Ich kenne ja einige Mitspieler und den Trainer aus den vorherigen Jahren", sagt der Guard, der Deutschland als seine zweite Heimat bezeichnet. Little: "Ich bin froh, hier schon meine ganze Karriere gespielt zu haben und hoffe, dass es so bleibt."

Brockman hat dagegen mit seinem Wechsel nach Ludwigsburg Neuland betreten. Doch auch er fühlt sich schon pudelwohl an seiner jetzigen Wirkungsstätte. "Es ist für mich eine sehr gute Erfahrung, hier in Deutschland zu sein. Letztes Jahr habe ich im Eurocup mit meinem Ex-Team drei Tage in Oldenburg verbracht. Da hat mir Deutschland schon sehr gut gefallen, und ich hatte gehofft, dass sich hier eine Gelegenheit bietet", erzählt der 2,01 Meter große Center. Und so wurde er nebenbei auch den von ihm nur wenig geschätzten Spitznamen "Holzhacker" los - und wird nun in der Barockstadt "Barockman" genannt, was sich zugegebenermaßen wesentlich sympathischer anhört.

Info Das Bundesliga-Spiel der MHP Riesen Ludwigsburg gegen Phoenix Hagen wird am Sonntag ab 15 Uhr live auf Sport 1 übertragen.

Waleskowski macht bei Schnurrbart-Aktion mit

Aktion "Movember" Adam Waleskowski lässt seinen Schnurrbart sprießen. "Nicht aus modischen Gründen", wie der Forward der MHP Riesen mit einem Schmunzeln anmerkt. Hintergrund ist die aus den USA stammende Aktion "Movember" ("M" steht für "Moustache", das US-amerikanische Wort für Schnurrbart). Unter diesem Motto verzichten viele Männer auf die Rasur zwischen Oberlippe und Nase - und sammeln zugleich Geld für den Kampf gegen Prostata- und Hodenkrebs. Auch Oscar-Preisträger Christoph Waltz, Ski-Star Felix Neureuther, Fußball-Nationalspieler Benedikt Höwedes sowie die Kicker von Fortuna Köln, Darmstadt 98 und 1860 München machen mit. Laut Waleskowski hat der Wuchs im Gesicht auch eine leistungsfördernde Komponente. "Ich fühle, dass mein Oberlippenbart uns Kraft gibt", scherzt der 32-Jährige. ae

SWP

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