Kreis Hall Auf Wachstumskurs nach der Krise

Seit 1997 hat Optima eine Niederlassung im brasilianischen Vinhedo. Ob der Haller Verpackungsspezialist seinen Handel mit dem südamerikanischen Land weiter ausbaut, steht noch in den Sternen.
Seit 1997 hat Optima eine Niederlassung im brasilianischen Vinhedo. Ob der Haller Verpackungsspezialist seinen Handel mit dem südamerikanischen Land weiter ausbaut, steht noch in den Sternen. © Foto: Optima
Kreis Hall / Frank Lutz 01.06.2018
Nach überstandener Rezession ist Brasilien auch für viele Unternehmen aus der Region wieder ein interessanter Markt. Doch es gibt auch Hindernisse – etwa hohe Importzölle.

Ein interessanter, aber nicht ganz einfacher Markt ist das größte südamerikanische Land, wie auch jüngst beim Wirtschaftstag Brasilien der IHK Heilbronn-Franken im Heilbronner Haus der Wirtschaft deutlich wurde: „Brasilien ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Südamerika. Doch gleichzeitig bekommen wir irritierende Nachrichten“, sagte Carsten Bacher, Teamkoordinator Außenwirtschaft & Steuern.

Zwar scheinen nach überstandener Wirtschaftskrise in dem Land wieder über drei Prozent BIP-Wachstum möglich. Doch Voraussetzung sei, dass sich bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst ein wirtschaftsfreundlicher Kandidat durchsetzt. Das meinte Ricardo Castanho, Bereichsleiter Außenwirtschaft bei der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer in São Paulo. Trotzdem sagte er: „Langfristig ist Brasilien ein sehr interessanter Markt.“ Paulo César Texeira Duarte Filho, Partner der Anwaltskanzlei „Rothmann Sperling Padovan Duarte Advogados“, meinte gar: „Wer dort erfolgreich ist, kann wirklich sehr viel Gewinn erwirtschaften.“

Deckt sich der Optimismus mit den Erfahrungen, die Unternehmen aus der Region machen? Was macht den brasilianischen Markt interessant und wo liegen seine besonderen Herausforderungen? Ist das südamerikanische Land künftig sogar eine attraktive Alternative zu den USA, wenn die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zölle auf Importe aus der EU – zunächst auf Stahl und Aluminium – heute in Kraft treten? Für das südamerikanische Land sprechen seine Größe und das damit einhergehende Potenzial: „Brasilien ist das bevölkerungsreichste Land in der Region und seit jeher der Wachstumsmotor in Lateinamerika. Für uns ist Brasilien der größte Markt für Verpackungsmaschinen für die Pharmaindustrie in Lateinamerika“, sagt eine Sprecherin von Robert Bosch Packaging Technology.

Der Geschäftsbereich von Bosch ist auch in Crailsheim mit einem Standort vertreten. Bosch Packaging Technology handelt seit den 60er-Jahren mit Brasilien und vertreibt sein komplettes Pharma-Portfolio in dem Land.

Weitere Vorteile nennt Telma Keppler, Business Development Manager, bei Infra-Test in Brackenheim: „Brasilien ist sehr reich an Bodenschätzen, Brasilien hat eine junge, dynamische Bevölkerung, in Brasilien wächst alles“, zählt die gebürtige Brasilianerin auf. Der Prüftechnikspezialist vertreibt seit vier Jahren Prüfmaschinen für Asphalt und Bitumen – ein aus Erdöl gewonnenes Abdichtungs- und Isoliermaterial – in dem südamerikanischen Land. Der Handel läuft über einen Partner. Das hohe Interesse an der Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen nennt Stefan Prötzel, Sales Director bei Stahl Crane Systems, als weiteren Vorzug. Der Künzelsauer Kranspezialist wird in Brasilien durch einen Handelspartner vertreten.

„Mit einer Maschinen- und Teilefertigung sowie Service vor Ort ist Brasilien interessant für den Vertrieb von Anlagen, entweder gefertigt vor Ort oder auch importiert“, sagt Sabine Gauger, Marketing Director bei Optima. Der Haller Verpackungsspezialist ist mit seinem gesamten Portfolio in Brasilien vertreten und hat dort seit 1997 eine Niederlassung.

Doch stellen sich auf dem brasilianischen Markt auch Hindernisse: Hohe Importzölle, große Distanzen, die Sprachbarriere sowie Sicherheitsrisiken nennt Robert Bosch Packaging Technology. Erstere sieht auch Prötzel als Schwierigkeit. Außerdem seien brasilianische Produkte oft erstaunlich einfach konzipiert und nicht auf dem europäischen Stand der Technik: „Die einheimische Industrie kann dadurch sehr günstig produzieren, beschränkt sich aber auf einfache Produkte.“

Das Steuerwesen bezeichnet Optima-Sprecherin Gauger als besondere Herausforderung – sowie gewisse Eigenheiten der Kunden und ihre Ansprüche: „Kunden benötigen lange Zeit zur Entscheidung, wollen aber kurzfristig beliefert werden. Enge persönliche Kontakte sind bei Entscheidungen maßgebend.“

Präsenz zeigen

Doch trotz aller Schwierigkeiten – die meisten der befragten Unternehmen wollen ihren Handel mit Brasilien weiter ausbauen: „Wir sind überzeugt, dass man in guten und in schlechten Zeiten Präsenz zeigen muss. Diese Krise geht vorüber und wir werden erneut gute Geschäfte machen und Brasilien einen technologischen Vorsprung mit unseren Produkten sichern“, sagt etwa Stefan Prötzel.

Dass Brasilien in Zeiten von US-Importzöllen eine attraktive Alternative darstellen könnte, glauben die meisten Betriebe allerdings nicht – derartige Zölle gebe es in Brasilien ja bereits. Während Robert Bosch Pack­aging Technology gar keine negative Beeinflussung durch die US-Zölle erwartet, meint Stefan Prötzel: „Die Entscheidungen der US-Regierung werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf unsere Geschäfte negativ auswirken.“ Ob Brasilien dadurch an Attraktivität gewinne, lasse sich aber noch nicht abschätzen.

120

Unternehmen aus dem Kammerbezirk exportieren laut Zahlen der IHK Heilbronn-Franken nach Brasilien.
31 davon haben eine eigene Niederlassung in dem Land.

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