Natürlich gab es zum umjubelten Schluss Zugaben. Offiziell standen aber, passend zum vierhändigen Klavierabend, genau vier Werke auf dem Programm, von Mozart (Sonate F-Dur, KV 497) und Poulenc („Sonate pour piano à quatre mains“), nach der Pause von Ravel („Valses nobles et sentimentales“) und Rachmaninow („Six Morceaux“ op. 11). Der aus Kasachstan stammenden Hauspianistin des Theaters, Alwina Meissner, die Frage zu stellen, welches dieser Werke ihr besonders nah steht, erübrigt sich eigentlich: „Rachmaninow natürlich! Das ist meine Musik.“

1993 kommt Meissner als Spätaussiedlerin nach Deutschland, ein Jahr später wird sie Pianistin und Korrepetitorin am Theater. „Vorgespielt habe ich hier eigentlich als Ballett-Korrepetitorin“, sagt Meissner. „Bis 1998 habe ich diese Aufgabe übernommen, dann hat mich der damalige GMD James Allen Gähres an die Oper geholt. 2005 habe ich den Theaterchor kommissarisch geleitet, was für mich als Pianistin eine riesige Aufgabe war. Zwei Produktionen habe ich im Großen Haus geleitet: die ‚Dreigroschenoper‘ und ‚Im weißen Rössl‘. Seit Dezember letzten Jahres bin ich offiziell im Ruhestand.“

Immer schon wollte sie Klavier auch vierhändig spielen. Aber „der Vorgänger von Francesco Sergio Fundarò, der jetzt in Rente ist, wollte das nie. Dann kam Sergio, und er war es, der mich fragte, ob ich nicht gemeinsam mit ihm am Klavier sitzen möchte – was mich total gefreut hat.“

Dass die beiden bestens miteinander können, war ihren Darbietungen abzulauschen. „Ich habe mich nie als Solistin gefühlt, wollte das auch nie wirklich sein“, sagt sie lachend und fügt hinzu: „Viel mehr liebe ich Kammermusik – und vierhändiges Klavierspiel ist ja im Grunde nichts anderes. Mit Sergio macht es mir riesig viel Spaß, wir haben uns von Anfang an bestens verstanden, und erklären musste ich ihm nie etwas.“

Was waren am Theater Ulm die großen Momente für die Pianistin? „Im großen Orchester zu spielen, ist für mich die absolute Erfüllung. Vor allem die Konzerte, die ich unter der Leitung von James Allen Gähres und Timo Handschuh mitgestalten durfte, werde ich nie vergessen.“ Und ihre Wünsche für die Zukunft? „Kammermusik machen – und Sängerinnen und Sänger am Klavier begleiten.“ Wer sie erlebt hat, weiß: Von Alwina Meissner wird man noch viel hören.