Eine Frau aus Michelfeld, die wegen „fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr“ angeklagt war, ist vor dem Haller Amtsgericht nicht erschienen. Die Frau saß am 25. August letzten Jahres am Steuer ihres Opels, obwohl sie laut Anklage nicht mehr sicher fahren konnte. Die Blutprobe ergab 1,9 Promille.
Nicht nur der Richter und die Staatsanwältin, auch eine rechtsmedizinische Sachverständige warteten vergeblich auf die Seniorin. Ihr wurde nicht nur die Trunkenheitsfahrt vorgeworfen. Obwohl ihr Führerschein sofort beschlagnahmt wurde, war sie wenig später erneut mit ihrem Opel unterwegs. Die zweite Anklage lautete auf „Fahren ohne Fahrerlaubnis“.
Als die Beschuldigte auch nach einer längeren Wartezeit nicht auftauchte, nahm die Verhandlung eine Wende. Auf Antrag der Staatsanwältin erließ Richter Jens Brunkhorst gegen sie einen Strafbefehl. Sie bekam wegen der beiden Anklagevorwürfe eine  Gesamtgeldstrafe von 110 Tagessätzen zu 15 Euro, also 1650 Euro. Dazu kommt der Entzug der Fahrerlaubnis. Eine neue kann sie frühestens ab Mai 2022 erwerben.
Der Strafbefehl wird der Frau in diesen Tagen mit der Post zugestellt. Ihr steht es frei, innerhalb von zwei Wochen dagegen Einspruch einzulegen.

Erläuterung zur Strafprozessordnung


Strafprozessordnung
Paragraph 410 StPO Einspruch; Form und Frist des Einspruchs; Rechtskraft
(1) Der Angeklagte kann gegen den Strafbefehl innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung bei dem Gericht, das den Strafbefehl erlassen hat, schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle Einspruch einlegen. (…)
(2) Der Einspruch kann auf bestimmte Beschwerdepunkte beschränkt werden.
(3) Soweit gegen einen Strafbefehl nicht rechtzeitig Einspruch erhoben worden ist, steht er einem rechtskräftigen Urteil gleich.