Jubelstimmung vor 150 Jahren in Schelklingen: Begeistert feierten die Bürger die Eröffnung der Eisenbahnlinie. Der Festzug mit Bürgerwehr samt Musik und Liederkranz zog „vom Rath­haus aus durch die verzierte Hauptstraße dem Bahnhofe zu“, heißt es in der Ankündigung. Tatsächlich war die Eröffnung der Eisenbahnlinie ein bedeutender Schritt, der die Stadt und die Region wirtschaftlich weit voranbrachte und die Moderne einläutete. Das Stadtarchiv in Schelklingen und die Museumsgesellschaft haben zu 150 Jahre Eisenbahn nun eine Ausstellung konzipiert, die am Donnerstag erstmals zu sehen sein wird (siehe Info).

Eine Art Herzensangelegenheit

Archivarin Ursula Erdt und Winfried Hanold von der Museumsgesellschaft haben die Ausstellung federführend organisiert. Für Winfried Hanold ist die Schelklinger Eisenbahn auch eine Art Herzensangelegenheit: Als Junge war er mit dem Sohn des stellvertretenden Bahnhofsvorstehers befreundet. Sogar auf einer Lok durften die Jungs mal nach Allmendingen mitfahren. „Das war natürlich ein Traum“, berichtet Hanold. So wie Hanold haben viele Schelklinger Erinnerungen an die Bahn. Die Stadt war schließlich auch ein wichtiger Eisenbahn-Knotenpunkt, vor allem für Zement- und Militärtransporte. Hanold schildert in einer mehrteiligen Serie im „Stadtboten“ die Geschichte der Eisenbahn in Schelklingen. Auch im Königreich Württemberg waren die Verantwortlichen von der neuen Technik angetan. Im Staatshaushaltsplan von 1836 an waren 100 000 Gulden für die vorläufigen Bahn-Planungen eingesetzt, Fachleute untersuchten die Streckenvarianten. Dabei rangelten die Städte und Regionen vehement um den Vorzug. Allein die Stadt Blaubeuren setzte sich mit drei Eingaben für den Bahnbau ein. Eine „Comission“ wog die Streckenführungen gegeneinander ab, berichtet Hanold. Zur Auswahl stand dabei eine Trasse über Erbach oder über Blaubeuren nach Ehingen. Der Abgeordnete Ferdinand von Steinbeis setzte sich energisch für die Strecke durch das Blau-, Ach- und Schmiechtal ein. Diese wurde dann auch gebaut. 1865 begannen die Bauarbeiten unter Leitung von Josef Schlierholz. Vier Jahre später wurde die Strecke nach Ehingen eröffnet – Schelklingen war ans Eisenbahnnetz angeschlossen.

Der Bau der Eisenbahn brachte einen mächtigen Wirtschaftsaufschwung mit sich. So wurden zwischen 1838 bis 1910 zwischen Ulm und Rechtenstein gleich 31 Zementwerke gegründet, berichtet Hanold. Vor dem Bau musste aber hart verhandelt werden. Denn in den Tälern reihten sich kleinste „Handtuchgrundstücke“, alle in Privatbesitz, aneinander. Allein für die Gemarkung Schelklingen gab es zahllose Kaufverträge. Auf der Verkäuferliste sind viele auch heute noch in Schelklingen und Schmiechen vertretene Familiennamen zu finden.

Material und Arbeitskräfte stammten, soweit möglich, aus der Region. In den Zeitungen erschienen regelmäßig Anzeigen, mit denen das Königliche Eisenbahnbauamt Material oder Arbeiter suchte. Bauhandwerker, Schlosser, Schmiede, Schreiner und Maler fanden Arbeit. Besonders gesucht waren „Steinschläger“ und „Rollbahner“. Die Steinschläger mussten das Material aus den Steinbrüchen zerkleinern. Extra für den Bahnbau waren in Schelklingen am Hang zwischen dem heutigen Steinwerk und dem Schwimmbad sowie in Schmiechen am Sommerberg „Materialgewinnungsflächen“ angelegt, berichtet Hanold. Die Rollbahner waren für die Materialtransporte zuständig, und zwar mit Lorenbahnen. Auch größere Projekte wie etwa der Bau von Brücken wurden regional ausgeschrieben. „Das war im heutigen Sinne eine regionale, nachhaltige Baustelle“, sagt Hanold.

Spezialisten aus Italien

Spezialisten für den Bahnbau kamen aus Italien – die Italiener hatten schon Erfahrungen in anderen europäischen Regionen gesammelt. Mancher italienische Spezialist blieb nach dem Abschluss der Arbeiten im Land, berichtet Hanold – so gehe mancher italienisch klingende Familienname entlang der Donaubahn auf diese Zeit zurück.

Der Bau der Bahnlinie hatte das ganze Tal verändert. Von Blaubeuren her zog sich ein hoher Damm entlang der „Brandhalde“. Die Schelklinger mussten sich an neue Wege gewöhnen, so führte jetzt eine Unterführung  ins Ringinger Tal.

Die Freude der Schelklinger am 13. Juni 1869, einem heißen Sommertag, über die Eröffnung der Eisenbahnlinie war aber riesig. Schelklingen erlebte einen großen Tag. Alle Häuser waren geschmückt, an der Achbrücke war ein Triumphbogen aufgebaut und am „Schlössle“ prangte die König Karl von Württemberg gewidmete Inschrift: „Das Dampfroß schnaubet ohne Rast / Und bringt uns heut manch werthen Gast / Der allerliebste Gast jedoch / Ist unser Karl, er lebe hoch!“

Ausstellung im Rittersaal und ein offenes Stadtarchiv


Geschichte Die Ausstellung „150 Jahre Eisenbahn“ in Schelklingen ist am Donnerstag, 11. April, von 18 bis 21 Uhr  erstmals im Rittersaal des Museums zu sehen. Gleichzeitig öffnet das Stadtarchiv Schelklingen dazu seine Türen. Dr. Franz Rothenbacher führt durch das Stadtarchiv und beantwortet Fragen zur Geschichte Schelklingens. Die Eisenbahnausstellung ist zudem an den Sonntagen, 14. und 21. April, jeweils von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr im Rittersaal zu sehen.